Bild: dpaSuchen Sie eine Fachklinik
Die wichtigste Frage, um ein Operationsrisiko zu vermeiden, lautet: Muss der Eingriff wirklich sein? Holen Sie eine zweite Meinung ein, denn in Deutschland wird das Skalpell nachweislich schnell – viele Mediziner sagen: zu schnell – angesetzt. Krankenkassen bezahlen die Konsultation eines zweiten Experten, zum Teil vermitteln sie ihn auch. Wenn die OP sein muss, setzen Sie bei der Wahl der Klinik nicht auf lokale Nähe zur Verwandtschaft oder den guten Ruf einer anderen Abteilung des Krankenhauses. Entscheidend muss einzig die Expertise der für sie zuständigen Abteilung sein. Hausarzt und Krankenversicherung können weiterhelfen.
Bild: APBeim ersten Verdacht
Nicht alles, was unerwünschte Folgen hat, ist auch ein Behandlungsfehler. Für manche Volte des Schicksals kann niemand haftbar gemacht werden. Aus juristischer Sicht ist ein Behandlungsfehler eine nicht angemessene, zum Beispiel nicht sorgfältige, fach- oder zeitgerechte Behandlung des Patienten durch einen Arzt – sowohl durch Tun als auch durch Unterlassen. Der Schaden des Patienten muss also nachweislich auf ärztliches Fehlverhalten zurückzuführen sein. Die Beweislast liegt in der Regel beim Patienten. Dokumentieren Sie daher alles, was Ihnen in der Klinik wann wie und mit wem passiert ist und welche Zeugen es gab. Zudem haben Sie grundsätzlich Anspruch darauf, die Patientendokumentation einzusehen und Kopien zu erhalten.
Kontaktieren Sie damit Ihre Krankenversicherung. Oft hat die ein kapitales Eigeninteresse, sich Kosten von der Klinik erstatten zu lassen, die durch eine weitere durch den Fehler verursachte Behandlung anfallen. Gesetzlich Krankenversicherten steht auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bei der Fehlersuche zur Verfügung. Ob der sich aber am Ende für Sie einsetzt, liegt im Ermessen des Sachbearbeiters.
Bild: dpaHier finden sie ersten Rat
Sinnvoll ist die kostenlose Nachfrage bei einer Selbsthilfegruppe. Sie sind praxiserfahren und können die Aussichten eines Verfahrens gegen eine Klinik einschätzen. Vorsicht vor dem Internet: Häufig finden sich dort Hilfsangebote von Menschen mit traurigen Einzelschicksalen. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie auch in Ihrem Fall weiterhelfen können.
Das Aktionsbündnis für Patientensicherheit empfiehlt für Rat den Deutschen Patientenschutzbund in Dormagen (E-Mail: info@ dpsb.de) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe in Düsseldorf (E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de). Informieren können auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (Tel. 08 00/0 11 77 22) und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (Tel. 0 30/25 80 00).
Bild: dpaRückendeckung durch einen Gutachter
Sie brauchen die Bestätigung Ihres Verdachts durch einen unabhängigen Sachverständigen. Der kann kostenlos vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung kommen.
Externe Ärzte als Sachverständige kosten oft mehr als 1000 Euro. Manche Anwaltskanzleien kooperieren mit Gutachtern, die es dann etwas billiger machen. Am besten ist ein externer Chefarzt, weil sein Gutachten meist mehr Gewicht hat als das eines Hausarztes.
Zudem gibt es die Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler als unabhängige Einrichtung bei der Ärztekammern der einzelnen Bundesländer. Das Begutachtungsverfahren ist für die Beteiligten gebührenfrei, aber nicht rechtsverbindlich. Die Gutachten sind aber sehr häufig die Grundlage für eine außergerichtliche Einigung zwischen Patient oder Krankenversicherung und Klinik.
Bild: gmsAnwaltlicher Rat
Wer privat eine Klage gegen eine Klinik oder eine außergerichtliche Einigung um Schadensersatz und Schmerzensgeld anstrebt, kommt nicht um einen Anwalt herum. Schließlich will kein Krankenhaus freiwillig Präzedenzfälle schaffen. Meiden Sie Wald-und-Wiesen-Anwälte, nötig ist ein ausgewiesener Fachanwalt für Medizinrecht. Empfehlungen geben die Selbsthilfegruppen, Auskunft darüber, wer als Fachanwalt firmiert, auch die Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin (E-Mail: zentrale@brak.de).
Bild: dapdRestrisiko hohe Kosten
Kliniken geben oft erst auf, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Verfahren um Behandlungsfehler können sich deshalb über Jahre hinziehen und teuer werden. Ohne Rechtsschutzversicherung sollten Sie sich deshalb vorher mit einem Selbsthilfe-Mitglied oder Anwalt Chance und Risiko einer Klage ausrechnen.
Bild: dpaWarten Sie nicht zu lange
Ist einem Patienten Unrecht geschehen, hat er drei Jahre Zeit sich zu entscheiden, ob er eine Klage in Angriff nehmen will und wie er die Erfolgsaussichten einschätzt. Die Zeit läuft erst ab dem Moment, da er selbst Kenntnis vom Fehler hat. Diese Frist gilt auch, wenn es um eine Spätfolge geht.
Bild: dpaDie Erfolgsaussichten
Es lässt sich nicht schönreden: Weniger als ein Drittel aller Fälle in Deutschland wird zugunsten des Patienten entschieden. Um so wichtiger ist es, sich Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe oder einen Fachanwalt zu suchen.
Suchen Sie eine Fachklinik
Die wichtigste Frage, um ein Operationsrisiko zu vermeiden, lautet: Muss der Eingriff wirklich sein? Holen Sie eine zweite Meinung ein, denn in Deutschland wird das Skalpell nachweislich schnell – viele Mediziner sagen: zu schnell – angesetzt. Krankenkassen bezahlen die Konsultation eines zweiten Experten, zum Teil vermitteln sie ihn auch. Wenn die OP sein muss, setzen Sie bei der Wahl der Klinik nicht auf lokale Nähe zur Verwandtschaft oder den guten Ruf einer anderen Abteilung des Krankenhauses. Entscheidend muss einzig die Expertise der für sie zuständigen Abteilung sein. Hausarzt und Krankenversicherung können weiterhelfen.
Auch bequeme Treter drückten, das Blasenpflaster half nicht mehr: Der Schmerz im linken Fuß ließ einfach nicht nach. Da wusste Silke M., 49, es ist an der Zeit, der Schiefstand des großen Zehs musste beseitigt werden.
Eigentlich ist eine solche Operation ein Routineeingriff, zugleich aber auch ein diffiziles Unterfangen. Geht etwas schief, bleibt der Fuß lebenslang geschädigt. Die Düsseldorferin humpelte zum nächsten Orthopäden. Der maß den Winkel der Fehlstellung und diagnostizierte: ein Fall für den „Fuß-Gott des Ruhrgebiets“, wie er sagte, den renommierten Chefarzt in der gut 50 Kilometer entfernten Klinik.
Privatpatientin Silke M. vertraute dem Rat, legte sich beim Fuß-Gott unters Messer – und quält sich seitdem mit mehr Schmerzen als zuvor. Das liege an ihrer „persönlichen Fehlhaltung beim Laufen“, beschied der Chefdoktor. Blödsinn, hält ein Orthopäde dagegen, den Silke M. um eine Zweitmeinung bat: Die Operation sei schiefgelaufen, nicht die Patientin. Und von einer Freundin, die denselben Arzt in Düsseldorf konsultierte, erfährt Silke M. später auch noch, dass der Düsseldorfer Arzt all seine Patienten zum Supermann ins Ruhrgebiet schicke – man kennt sich.

Der nächstbeste Arzt
Freunde-Wirtschaft unter Medizinern ist Alltag. Oft landen Kranke so nicht beim besten, sondern beim nächstbesten Arzt. 18,3 Millionen Deutsche müssen pro Jahr stationär unters Messer. In Deutschlands rund 2041 Kliniken müssen Kunden auf gute Leistung vertrauen, ohne sie kontrollieren zu können. Zwar gibt es Informationsmaterial über die Qualität von Krankenhäusern und Ärzten.
Doch längst nicht überall, wo Krankenkassen, Klinikführer am Zeitungskiosk oder Bewertungsportale im Internet neutralen Rat versprechen, liefern sie ihn auch. Allzu oft regieren Klinikmarketing, Vetternwirtschaft und Vorgaben, möglichst schnell viele Patienten durchzuschleusen.
Die WirtschaftsWoche schildert die Tricks der Branche und beschreibt, wie Patienten im Labyrinth unterschiedlicher Interessen den richtigen Arzt und die richtige Klinik finden.
Elf Millionen Klinikpatienten pro Jahr
Immerhin elf Millionen Klinikpatienten pro Jahr können in Deutschland selbst entscheiden, wem sie ihre Gesundheit anvertrauen. Sie werden nicht als Notfall eingeliefert, sondern stehen vor einer planbaren Operation (OP). Ihnen bleibt Zeit für die beiden wichtigsten Fragen: Ist der Eingriff an Leib und Leben wirklich nötig? Immerhin wird hierzulande geschnitten, was die Operationssäle hergeben. Und welches Krankenhaus in akzeptabler Nähe hat die besten Spezialisten? In Deutschland können Patienten ihre Klinik frei wählen. Viele Betroffene wissen das gar nicht.
Informationen können lebenswichtig sein. Denn die Fehlerquote ist hoch. Nach den konservativsten Schätzungen unter Medizinern erleiden in Deutschland zwei bis vier Prozent der Klinikpatienten gravierende Schäden, das wären bis zu 730.000 pro Jahr. Mindestens 18.000 verlieren ihr Leben, davon 14.000 durch Klinikinfektionen. Bei der Mortalität steht Deutschland schlechter da als die skandinavischen Länder, die Schweiz und die Niederlande.


























