Kreuzfahrtbranche: Der harte Kampf der schwimmenden Ferienparks

Kreuzfahrtbranche: Der harte Kampf der schwimmenden Ferienparks

von Stephan Happel

Kreuzfahrten sind so beliebt wie nie, umso höher ist der Wettbewerb der Anbieter. Jetzt will Tui Cruises mit einem neuen Schiff angreifen - inklusive Luxus- und Wohlfühlversprechen.

Klirrend schlägt die Champagnerflasche gegen den Schiffsbug. Das Glas zerspringt, Helene Fischer singt, im Anschluss gibt es Feuerwerk. Mit großem Tamtam hat Tui Cruises am Donnerstag sein neues Kreuzfahrtschiff getauft.

Hinter dem wenig innovativen Namen "Mein Schiff 3" verbirgt sich die wichtigste Kreuzfahrtpremiere in diesem Jahr: Mit ihrem ersten Eigenbau will die Reederei-Tochter von Europas größtem Reiseanbieter auf einem stark boomenden Markt mitmischen. Kein anderer Tourismuszweig wächst so rasant wie die Kreuzfahrt-Branche. In Deutschland betrug der Passagierzuwachs zuletzt 9,2 Prozent. 2,5 Milliarden Euro Umsatz machten die Kreuzfahrtreedereien 2013 hierzulande. Gemessen am Gesamtumsatz aller Reiseveranstalter in Deutschland kommen Kreuzfahrten mittlerweile auf einen Marktanteil von zwölf Prozent. Und die Branche will mehr.

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Hohe Wachstumsziele

"Wir erwarten ein Wachstum von jährlich zehn Prozent", sagt Benjamin Krumpen, Kreuzfahrt-Experte beim Deutschen Reiseverband (DRV). Kein Wunder, dass Europas größter Reisekonzern Tui davon etwas abhaben will. Parallel zu einem harten Sparkurs in anderen Unternehmenszweigen hat Tui-Chef Friedrich Joussen der Kreuzfahrt-Tochter Wachstum verordnet. So lukrativ scheint ihm der Markt.

Die Mein Schiff 3: Das neueste Kreuzfahrtschiff der Hamburger Reederei Tui Cruises wird am Nachmittag getauft und bricht am 13. Juni 2014 zur Jungfernfahrt nach Mallorca auf. Quelle: dpa

Die Mein Schiff 3: Das neueste Kreuzfahrtschiff der Hamburger Reederei Tui Cruises wird am Nachmittag getauft und bricht am 13. Juni 2014 zur Jungfernfahrt nach Mallorca auf.

Bild: dpa

Mit bislang drei Kreuzfahrtschiffen gehört Tui Cruises zu den Kleinen der Branche. In Deutschland dominiert Marktführer Aida das Club-Schiff-Segment, Hapag-Lloyd beherrscht den Markt für teure Luxus-Kreuzfahrten.
Neben den internationalen Größen wie Royal Caribbean und Carnival Cruise Lines mischen zudem Neueinsteiger den Markt auf. Der exzentrische Milliardär Richard Branson legt etwa für 1,7 Milliarden Dollar seine eigene Kreuzfahrtreederei Virgin auf.

Sind das zu viele Spieler auf einem überschaubaren Markt? "Ewig wird dieses Wachstum nicht anhalten", warnt zumindest Alexis Papathanassis, Professor für Kreuzfahrt- und Tourismusmanagement an der Hochschule Bremerhaven. "Der Wettbewerb in der Branche steigt", sagt Kreuzfahrt-Experte. "Auch über den Preis. Der geht kontinuierlich nach unten."

Die Kreuzfahrt-Branche

  • Wachstum

    Der Branchenverband der Kreuzfahrtindustrie Cruise Lines International Association (CLIA) geht für das Jahr 2013 von weltweit 21,3 Millionen Kreuzfahrtpassagieren aus. 6,4 Millionen davon kamen aus Europa. 2008 waren es gerade mal 4,5 Millionen Europäer, die eine Kreuzfahrt buchten. Auch für 2014 gehen Branchenkenner von steigenden Passagierzahlen aus.

  • Beliebte Kreuzfahrtziele

    Das beliebteste Reiseziel ist – gemessen an der Anzahl der auf der Route eingesetzten Schiffe – ist laut CLIA die Karibik. Wie der Branchenverband berichtet, werden dort 37,3 Prozent der globalen Reiserouten angeboten. Darauf folgen das Mittelmeer (18,9 Prozent), Nordeuropa (11,1 Prozent ), Australien/Neuseeland (5,9 Prozent), Alaska (4,5 Prozent ), Asien (4,4 Prozent ) und Südamerika (3,3 Prozent).

  • Zahl der Kreuzfahrtschiffe

    2014 umfasst die CLIA-Flotte insgesamt 410 Schiffe der unterschiedlichsten Kategorien (2013: 393 Kreuzfahrtschiffe) – von Megadampfern über mittelgroße bis hin zu kleinen und sehr kleinen Kreuzfahrtschiffen. 24 neue Schiffe mit einem Investitionsvolumen von insgesamt acht Milliarden US-Dollar sollen 2014 und 2015 hinzukommen.

  • Kreuzfahrt-Giganten 2014

    Auch 2014 wollen die Reedereien mit neuen, riesigen Kreuzfahrtschiffen neue Kunden gewinnen. Unter anderem befahren so Giganten wie die Norwegian Getaway ( 4.000 Passagiere, 612,8 Millionen Euro), die Regal Princess ( 3.600 Passagiere, 554 Millionen Euro), die Mein Schiff 3 ( 2.500 Passagier, 392,4 Millionen Euro), die Costa Diadema (3.700 Passagiere, 582,2 Millioenen Euro) und Schiff: Quantum of the Seas (4.180 Passagiere, 690,7 Millionen Euro) erstmals die Meere.

Fallende Preise
1500 Euro kostet eine knapp neuntägige Reise auf einem Kreuzfahrtschiff im Schnitt. Noch vor wenigen Jahren waren die Tickets einige hundert Euro teurer. Was ihnen beim Fahrtpreis verloren geht, gleichen die Kreuzfahrtanbieter aus, in dem sie den Umsatz an Bord steigern: Zusatzangebote und besondere Speisen kosten meist extra.

Kreuzfahrten Deutschland hat noch Nachholbedarf

Der deutsche Kreuzfahrtmarkt hat noch erhebliches Wachstumspotenzial und wird nach Einschätzung der Reederei MSC in den nächsten Jahren weiterzulegen.

Kreuzfahrtschiff Quelle: Presse


Trotzdem lässt sich an der Preisschraube nicht drehen, um die Nachfrage künstlich zu steigern, glaubt Experte Papathanassis: "Schon in einigen Jahren wird der Markt stagnieren." Darauf müssten sich die Reedereien schon jetzt einstellen, Nischen besetzen und mit Innovationen neue Marktsegmente besetzen.

Das wissen auch die Reedereien. Um neue Kunden zu locken, preist Tui Cruises das neue Aushängeschild Mein Schiff 3 laut als "Wohlfühlschiff" an und positioniert sich zwischen Aidas Club-Schiffen und den Premium-Anbietern.

Billig wird die Kreuzfahrt nie

Die Tui-Preise sind moderat und mit einem All-Inclusive-Angebot zum Festpreis lockt der Anbieter auch sparsamere Urlauber an - kassiert dann aber bei Ausflügen, SPA-Anwendungen und in Restaurants. "Ganz billig war eine Kreuzfahrt noch nie", sagt Reiseverbandsmann Krumpen, "und wird es auch nicht sein."

Für ihr Geld erwarten die Gäste aber auch einiges. "Luxus ist der große Trend", sagt Ralf Claussen über die Kreuzschifffahrt-Branche. Der Hamburger ist Geschäftsführer des Design-Büros cm-Design und verantwortlich für das "Look & Feel" der "Mein Schiff 3". Mehr als drei Jahre lang hat er sich mit Dutzend Designern auf ganzen Welt Gedanken über die Farben der Teppiche, das Muster der Tapeten und die Form der Stühle gemacht.

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