Bild: PRStefan Koldenhoff und Tobias Timm: "Falsche Bilder. Echtes Geld"
Nach seinem Auftritt vorm Kölner Landgericht im Herbst vergangenen Jahres wurde er als „Filou“ bezeichnet, als „Eulenspiegel“, der dem Kunstmarkt den Spiegel vorgehalten habe. Für Stefan Koldehoff und Tobias Timm indes ist Wolfgang Beltracchi schlicht ein Betrüger, der seit den Achtzigerjahren aus Geldgier systematisch Kunstwerke, vornehmlich der klassischen Moderne, fälschte und in den Kunstmarkt einschleuste. Mit detektivischem Spürsinn rekonstruieren die Autoren die „Methode Beltracchi“: die gezielte Suche in alten Katalogen und Zeitschriften nach verschollenen Werken, die neu gemalt werden konnten, das Fingieren von Herkunftslegenden durch getürkte Sammleretiketten auf der Rückseite der Bilder und der Verweis auf fiktive Privatsammlungen, aus denen die Bilder angeblich stammten. Dass Museen, Sammler und Auktionshäuser bereitwillig auf die Falsifikate hereinfielen, hat, wie die Autoren zeigen, nicht nur mit Arglosigkeit zu tun, sondern auch mit den gewaltigen Gewinnmargen, die locken. Viele verdienen mit, auch korrupte Experten, die sich lieber auf ihr „stilkritisches“ Urteil verlassen als auf die Analyse von Pigmenten. Kein Wunder, so die Autoren, dass nach Schätzungen „mehr als zehn Prozent der Objekte“ auf dem Kunstmarkt gefälscht sind.
Verlag: Galiani Berlin
Preis: 19,99 Euro
Bild: PRTom Hillenbrand: "Rotes Gold"
Wer sich als Leser von den saftigen Beschreibungen der Speisen und dem spannenden Plot nicht völlig blenden lässt, der wird sich vor der Wahl eines Sushi-Restaurants demnächst genauer informieren. In seinem zweiten Fall stößt dem Luxemburger Koch Xavier Kieffer der angebliche Vergiftungsunfalltod eines Sushi-Meisters übel auf. Denn den Anfängerfehler, ein falsches Stück Krake verzehrt zu haben, traut Kieffer dem Sushi-Meister nicht zu. War es im ersten Band eine seltene Frucht, die den Koch zum Kriminalisten macht, ist es diesmal ein Meerestier. Autor Hillenbrand, von Haus aus Wirtschaftsjournalist, deckt en passant zwischen all den mundwässernden Beschreibungen von luxemburgischen Spezialitäten die Hintergründe eines Produkts auf, das durch die industrialisierte Herstellung einen Teil seiner Vorzüge einbüßt: Sushi. Flott und mit der Kunst begabt, seinen Ermittler immer sympathischer erscheinen zu lassen, erzählt der Autor parallel die Liebesgeschichte zwischen Kieffer und einer Pariser Gastrokritikerin, dem Fischbusiness und dem Mord am Sushi-Koch. Kieffer kommt den Plänen des Mordopfers auf die Schliche, der gemeinsam mit portugiesischen Partnern Thunfisch in Aquakultur züchten wollte. Die Belohnung für die Lösung des Falles dürfte allen schmecken, die mit Sushi fremdeln: Gänseleber und Champagner. Da würden auch Japaner sagen: Itadakimasu – Guten Appetit!
Verlag: Kiwi
Preis: 8,99 Euro
Bild: PRJean-Jacques Rousseau: "Träumereien eines einsamen Spaziergängers"
Jean-Jacques Rousseaus letzte Aufzeichnungen füllen den blinden Fleck des Liberalismus: Besteht die größte denkbare Freiheit nicht im ziellosen Traum, im Schwebezustand jenseits von Vernunft und Nutzendenken, in der Weite des interesselosen Daseinsgefühls? Wenn es einen Klassiker gibt, den jeder Manager einmal im Leben gelesen haben sollte, dann diesen. Rousseau, dessen 300. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, flieht hier Zeit und Raum – und spaziert so lange durch das Reich der Träume, bis auch diese sich aufgelöst haben. Die Seelenfülle der Romantik hat hier, in Rousseaus Träumereien am Bielersee, ihren Ursprung, die Existenz- philosophie von Heidegger und Sartre, die Naturmetaphysik der ökologischen Bewegung, aber auch die Entschleunigungslyrik der modernen Ratgeber-Literatur: „Das Hin- und Herfließen des Wassers, sein gleichmäßiges Geräusch… ersetzte die inneren Bewegungen, sodass die Träumerei in mir erlosch, und genügte, um mich mit Lust meine eigene Existenz fühlen zu lassen, ohne mir die Mühe des Denkens zu machen.“
Verlag: Reclam
Preis: 5,40 Euro
Bild: PRRalf Rothmann: "Shakespeares Hühner"
Ralf Rothmann bleibt seinen Themen treu: der Sehnsucht und der Vergänglichkeit, der er Geschichten von atmosphärischer Dichte widmet. Wie die Erzählung „Sterne tief unten“, die von Oswald handelt, den sie alle „Onkel Gabi“ nennen, einem einsilbigen Hünen, der in der Pathologie Leichen umbettet und sich mit einem Nachbarsjungen anfreundet. Wo andere Autoren dem Kitsch erliegen würden, besticht Rothmann durch präzise Beobachtung.
Verlag: Suhrkamp
Preis: 19,95 Euro
Bild: PRSten Nadolny: "Weitlings Sommerfrische"
Was wäre, wenn? Wenn etwa ein Zufall erlaubte, der eigenen Kindheit einen Besuch abzustatten? Das erlebt Sten Nadolnys Romanheld, nachdem ihn ein Bootsunfall auf die Zeitreise in die Fünfziger schickt. Weitling muss feststellen, dass es im Durchlaufen seiner Vita zu Kursänderungen kommt, die eine Rückkehr ins alte Leben unmöglich machen. Die Vergangenheit wiederzufinden, so Nadolnys Pointe, heißt, Abschied zu nehmen von der vertrauten Zukunft.
Verlag: Piper
Preis: 17,50 Euro
Bild: PRFelicitas Hoppe: "Hoppe"
„Ich bin nicht Stiller“ – der erste Satz von Max Frischs „Stiller“- Roman war auch das Programm eines um seine eigene Identität ringenden Schriftstellers. Felicitas Hoppe wendet das Pathos dieser „Wer bin ich?“-Frage ins Schelmische: Mit Flunkerei und Fabulierlust streift „Hoppe“ durch ihre fiktiven Biografien als Hockeyspielerin oder Dirigentin in Kanada, Amerika oder Australien. Das hat eine sommerliche Geläufigkeit ohne Narzissmus und Innenrummel.
Verlag: S. Fischer
Preis: 19,90 Euro
Bild: PRJan Caeyers: "Beethoven"
ist reich an Abbildungen und Notenbeispielen, es enthält pointierte Werkanalysen und ist mit Akkuratesse geschrieben. Beethoven wird als Genie und Kärrner zugleich geschildert, mit sich selbst ringend um Anerkennung und Ausdruck, voller Selbstbewusstsein und Selbstzweifel, die Gedanken seiner revolutionären Zeit in Musik fassen zu können.
Verlag: C.H. Beck
Preis: 29,95 Euro
Bild: PRNicola Bardola: "Utopien"
Ob das Paradies auf Erden als fernes Ideal skizziert wird oder im Gegenteil als Hölle, um die Menschheit von ihrem Weg dorthin abzuhalten. Utopia, die Imagination einer anderen Welt, dient immer auch der Kritik der Gegenwart. Das war bei Swifts „Gullivers Reisen“ der Fall, bei Bradburys „Fahrenheit 451“ und erst recht bei Orwells „1984“. Das Lesebuch mit Auszügen aus 19 Texten gibt einen Überblick über die wirklichkeitsverändernde Kraft des Ideals.
Verlag: S. Fischer
Preis: 8,00 Euro
Bild: PRPaul Auster: "Sunset Park"
Beschädigte Seelen sind sie alle: Miles Heller, Sohn eines Verlegers, der sich darauf spezialisiert hat, das Interieur aufgegebener Häuser zu fotografieren, Bing Nathan, ein Nonkonformist, der die Welt im Kleinen zu retten versucht, indem er in seiner „Klinik der kaputten Dinge“ Röhrenradios repariert, oder Alice Bergstrom, Amerikanistikstudentin, die in ihrer Dissertation zeigen will, wie die traumatischen Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs den amerikanischen Alltag umkrempelten. Der große Menschendarsteller Paul Auster führt die „wandelnden Versehrten“ vorm Hintergrund der Wirtschaftskrise in New York zusammen, in einem verlassenen Haus in Sunset Park am Rand von Brooklyn, und beschreibt in einfühlsamen Porträts die geistige Obdachlosigkeit einer ganzen Generation.
Verlag: Rowohlt
Preis: 19,95 Euro
Bild: PRMichael Althen: "Meine Frau sagt..."
Ich treffe Leute, die ich immer schon gekannt habe, und weiß plötzlich ihren Namen nicht mehr.“ Das ist einer dieser beiläufigen Sätze, in denen der Leser sich sofort wiedererkennt. Ob es ums Zugfahren geht, um Tangokurse, um Steuererklärungen oder Rasierwasser im Fluggepäck – wie nur wenige Autoren schafft es der im vergangenen Jahr verstorbene Filmkritiker Michael Althen, unsere Alltagswirklichkeit in ihrer absurden Komik zu erfassen.
Verlag: Blessing
Preis: 14,95 Euro
Stefan Koldenhoff und Tobias Timm: "Falsche Bilder. Echtes Geld"
Nach seinem Auftritt vorm Kölner Landgericht im Herbst vergangenen Jahres wurde er als „Filou“ bezeichnet, als „Eulenspiegel“, der dem Kunstmarkt den Spiegel vorgehalten habe. Für Stefan Koldehoff und Tobias Timm indes ist Wolfgang Beltracchi schlicht ein Betrüger, der seit den Achtzigerjahren aus Geldgier systematisch Kunstwerke, vornehmlich der klassischen Moderne, fälschte und in den Kunstmarkt einschleuste. Mit detektivischem Spürsinn rekonstruieren die Autoren die „Methode Beltracchi“: die gezielte Suche in alten Katalogen und Zeitschriften nach verschollenen Werken, die neu gemalt werden konnten, das Fingieren von Herkunftslegenden durch getürkte Sammleretiketten auf der Rückseite der Bilder und der Verweis auf fiktive Privatsammlungen, aus denen die Bilder angeblich stammten. Dass Museen, Sammler und Auktionshäuser bereitwillig auf die Falsifikate hereinfielen, hat, wie die Autoren zeigen, nicht nur mit Arglosigkeit zu tun, sondern auch mit den gewaltigen Gewinnmargen, die locken. Viele verdienen mit, auch korrupte Experten, die sich lieber auf ihr „stilkritisches“ Urteil verlassen als auf die Analyse von Pigmenten. Kein Wunder, so die Autoren, dass nach Schätzungen „mehr als zehn Prozent der Objekte“ auf dem Kunstmarkt gefälscht sind.
Verlag: Galiani Berlin
Preis: 19,99 Euro
Es soll die schönste Zeit des Jahres sein, endlich raus aus dem Alltag, hinein ins Ferienparadies. Doch die Hoffnungen auf einen perfekten Urlaub werden häufig enttäuscht. Mal hebt der Flieger zu spät ab, mal ist das Hotel überbucht und mal können die ersehnten Ausflugsziele nicht angesteuert werden. Das müssen Urlauber nicht einfach hinnehmen. Wer eine Pauschalreise bucht, kann sich auf das umfangreiche Pauschalreiserecht stützen.
Preisminderung bis Schadenersatz
Mängel meldet der Urlauber zuerst an seinen zentralen Ansprechpartner, den Reiseveranstalter. Kann dieser keine Abhilfe schaffen, steht dem Reisenden in vielen Fällen zumindest ein Preisnachlass zu. Das gilt auch, wenn sich der Abflug verzögert und der Urlauber zu spät am Reiseziel ankommt. "Bis zu vier Stunden Verspätung sind bei Pauschalreisen noch als Unannehmlichkeit hinzunehmen", sagt der renommierte Reiseexperte Ernst Führich. Jede weitere Stunde berechtigt aber zur Minderung des Tagespreises um fünf Prozent – maximal jedoch 20 Prozent des Gesamtreisepreises. "Kommt der Urlauber durch eine Verzögerung erst mitten in der Nacht am Zielort an, so dass sein erster Urlaubstag wesentlich beeinträchtigt wird, kann er zusätzlich Schadenersatz wegen eines nutzlos aufgewendeten Urlaubstages verlangen", sagt Sabine Fischer-Volk, Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg.
Für den Anspruch auf Reisepreisminderung und Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden spielt es keine Rolle, ob der Reiseveranstalter oder seine sogenannten Erfüllungsgehilfen den Reisemangel wie eine verspätete Ankunft verschuldet haben. So steht auch bei höherer Gewalt, etwa durch ein Unwetter, dem Reisenden eine Reisepreisminderung zu, wenn die Reise dadurch mangelhaft wird. Unabhängig davon gilt auch für Pauschalreisende die EU-Fluggastverordnung. Die Fluggesellschaft muss beispielsweise dafür aufkommen, wenn sich ein Flug verspätet oder ganz ausfällt. Außerdem muss sie gegenüber dem Kunden auch Betreuungsleistungen erbringen und dafür sorgen, dass er eine Unterkunft bekommt, falls er über Nacht auf den Weiterflug warten muss.
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- Seite 2: Wann ein Storno möglich ist
- Seite 3: Kakerlaken-Urteile sind nicht bindend
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