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Kommentar Lehre aus Elbphilharmonie: Baukonzerne schützen sich vor Luftschlössern

von Harald Schumacher

Hamburger Elbphilharmonie, Flughafen Berlin-Brandenburg, Kölner U-Bahn – bei großen Bauprojekten ist zu oft der Wunsch Vater des Gedankens. Aber die Baukonzerne lernen dazu: sie verzichten auf Umsatz und stärken ihr Risikomanagement.

Deutschlands teuerstes Kulturprojekt, die Hamburger Elbphilharmonie, wird die Steuerzahler laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stolze 789 Millionen Euro kosten. Das Prestigeprojekt würde damit gut zehnmal teurer als 2005 vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) veranschlagt. Damals war von rund 77 Millionen Euro die Rede. Auf der Baustelle im Hafen herrscht mittlerweile seit rund anderthalb Jahren Stillstand, weil sich die Vertragspartner lange nicht einigen konnten. Erst im März hatte Scholz mit Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Baukonzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis Ende Oktober 2016 zum „Globalpauschalfestpreis“ von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Nicht berücksichtigt waren dabei jedoch unter anderem die Finanzierungs- und Baukosten für den kommerziellen Teil und die Vorplanungskosten.

Bild: dpa

Beim Bau von Luftschlössern haben sich Behörden und Konzerne, Politiker und Konzernmanager wenig vorzuwerfen, da sind sie gleichermaßen Profis. Ob beim verunglückten U-Bahn-Bau in Köln, beim ausgebremsten Großflughafen Berlin-Brandenburg, bei den Investitionsruinen am Nürburgring in Rheinland-Pfalz oder beim desaströsen Prestigeprojekt Elbphilharmonie in Hamburg – stets war in der Politik, beim beteiligten Unternehmen oder auf beiden Seiten der Wunsch Vater des Gedankens.

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Eine zu gewinnende Landtagswahl, oder ein günstiger Zeitpunkt für den Aktienkurs oder fürs Image des Konzernchefs, und schon stürzen die Verantwortlichen sich und die ihnen anvertrauten Institutionen in Abenteuer, denen sie nicht gewachsen sind. Für kurzfristige positive Schlagzeilen, feierliche Grundsteinlegungen und schöne Bilanzen werden bauliche Gefahren ignoriert, werden Verträge mit heißer Nadel gestrickt, wird Verantwortung vernebelt, werden Kostenberechnungen zurecht gebogen. Wird schon gut gehen, und nach uns die Sintflut!

Flughafen Leipzig/Halle

1994 wollte Sachsens damaliger Landesvater Kurt Biedenkopf (CDU) Leipzig, der einstigen DDR-Messehochburg ein Tor zur Welt zu bauen. Seit der deutschen Wiedervereinigung hatte der Landeplatz Leipzig/Halle von 600 000 auf gut zwei Millionen Kunden zugelegt. „Bald werden wir mehr als sechs Millionen Passagiere haben“, frohlockte der damalige Geschäftsführer Wolfgang Hesse und investierte eine Milliarde Euro, größtenteils in einen Terminal für 4,5 Millionen Passagiere pro Jahr.

Doch die Hoffnungen entpuppten sich als Größenwahn. Das Passagierwachstum stockte bereits, als der Terminal öffnete. 2011 hatte Leipzig/Halle gerade mal 86 000 mehr als vor eineinhalb Jahrzehnten. 

Bild: Uwe Schoßig

Die gute Nachricht ist, dass zumindest die Unternehmen dabei sind, aus den Fehlern zu lernen. Bilfinger Berger, Strabag, Hochtief – wer Rang und Namen hat in der Bauwirtschaft, schreibt sich längst ein besseres Risikomanagement in die Agenda.

Die Konzerne verzichten auf unsolide ausgeschriebene Prestige-Aufträge, sie setzen nicht mehr erst auf Dumpingpreise, um den Auftrag zu bekommen, und dann auf Nachtragsforderungen, um bei viel zu knapp kalkulierten Projekten anschließend dünne Gewinne zu erstreiten. Sie nehmen dafür Umsatzrückgänge in Kauf, die sich in den Bilanzen ablesen lassen, um Desaster wie bei der Hamburger Elbphilharmonie künftig zu verhindern.

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Bilfinger Berger hat sich gar vom riskanten Kerngeschäft Bau weitgehend verabschiedet. Dort soll das Baugeschäft nur noch Teil einer langen Kette von Dienstleistungen sein.

Am schlimmsten wird derzeit Hochtief von den Sünden der Vergangenheit eingeholt. Die horrenden Verluste der früher lukrativen Hochtief-Tochter Leighton in Australien sind ebenfalls schlechtem Risikomanagement geschuldet. Und ob das frisch verkündete „Weitermachen“ in Hamburg eine gute Nachricht ist, weiß keiner. Die Elb-Metropole und der Essener Konzern haben sich gegen ein Ende mit Schrecken entschieden. Was bleibt, ist die Gefahr, dass aus der verkorksten Partnerschaft ein Schrecken ohne Ende wird.

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