Logistik: Das Selbstbewusstsein der Deutschen Post

KommentarLogistik: Das Selbstbewusstsein der Deutschen Post

Bild vergrößern

Hauptversammmlung der Deutschen Post: Es gab viele gute Nachrichten - und die von der Preiserhöhung

von Christian Schlesiger

Bei der vorletzten Frage eines Analysten musste Finanzvorstand Larry Rosen etwas zugeben, was die Deutsche Post wohl lieber für sich behalten hätte.

Der Konzern prognostiziert für die Briefsparte stabile Betriebsergebnisse von rund einer Milliarde Euro bis 2015. Ob in der Berechnung auch Preiserhöhungen enthalten seien, fragte der Analyst.

Finanzvorstand Larry Rosen antwortete prompt: „Wir berücksichtigen dabei höhere Preise ab kommenden Jahr.“

Anzeige

Die Portoerhöhung im Briefbereich scheint also 2013 zu kommen. In diesem Jahr hatte die Post noch darauf verzichtet, obwohl ihr die Bundesnetzagentur die Möglichkeit dazu gab. Doch angesichts zunehmend sinkender Sendungen und steigender Kosten kann sich auch die Deutsche Post einer Preiserhöhung wohl nicht entziehen.

Geschäfte laufen blendend

Zwar könnte Rosen theoretisch auch die Paketpreise gemeint haben. Doch angesichts eines intensiven Wettbewerbs ist das unwahrscheinlich. Die Deutsche Post hatte beispielsweise im Dezember 2011 selbst mit Preissenkungen reagiert, um keine Marktanteile an Konkurrent Hermes zu verlieren. Offiziell heißt zu möglichen Portoerhöhungen aus der Presseabteilung des Konzerns: „Im Herbst werden wir unsere Möglichkeiten vor dem Hintergrund der Wettbewerbssituation und Inflationsrate prüfen und erst dann eine Entscheidung hierzu treffen.“ Seit 15 Jahren wurde das Porto aber nicht mehr erhöht.

Überraschend käme eine Portoerhöhung sicher nicht. Verwunderlicher muss man schon über die ehrgeizigen Ziele der Deutschen Post sein. Der Logistiker aus Bonn strotzt vor Kraft und will in Zukunft noch weiter strotzen. 2015 erwartet Konzernchef Frank Appel ein operatives Konzernergebnis in Höhe von 3,4 bis 3,6 Milliarden Euro. Das wäre mal eben eine Steigerung von 45 Prozent im Vergleich zu heute. So etwas nennt man Selbstbewusstsein.

weitere Links zum Artikel

Tatsächlich laufen die Geschäfte offenbar blendend. Nahezu alle Geschäftsbereiche wachsen. Der Briefbereich konnte dank des boomenden innerdeutschen Paketgeschäfts die Talfahrt beenden. Sehr erfreulich entwickelt sich die Sparte DHL Express. Sie erzielt von allen Divisionen die höchste Marge und ist stark aufgestellt in den Wirtschaftszentren der Zukunft. Die Länder Russland, China, Brasilien, Indien und Mexiko tragen inzwischen rund 14 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei und überall scheint sich DHL als (Mit)Marktführer festzusetzen. Appel fährt so die Ernte dafür ein, dass der Konzern bereits in den Achtzigerjahren in den chinesischen Markt eingestiegen ist. Statt Problemlösung gehe es ihm nun um „die Beschleunigung von Wachstum“.

Trotz aller Zuversicht: Eine große Unsicherheit bleibt. Die Deutsche Post ist zwar solide finanziert und hat die Kosten im Griff. Doch eine weltweite Konjunkturdelle würde der Konzern überproportional zu spüren bekommen. Appel wies darauf hin, dass die Logistikbranche schneller wächst als der Welthandel. Das Gegenteil ist aber auch der Fall sein. Geht der Welthandel zurück, tut das auch der Logistikumsatz, nur im größeren Maße. Erstaunlich, dass kein Analyst danach fragte, welche Konjunkturszenarien der Konzern bei der Berechnung der Ziele für 2015 unterstellte.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%