Lokführergewerkschaft: Bahn bietet GDL Schlichtung an

Lokführergewerkschaft: Bahn bietet GDL Schlichtung an

Die Deutsche Bahn hat im festgefahrenen Tarifstreit mit der GDL eine Schlichtung vorgeschlagen. Die bei der GDL organisierten Lokführer hatten vergangene Woche das siebte Mal gestreikt.

"Wir müssen mit der GDL zurück an den Verhandlungstisch und eine objektive Bestandsaufnahme machen", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe). "Deswegen sind wir auch weiter offen für eine Schlichtung. Hier sollte die GDL ihr Nein überdenken." Die GDL war für eine Stellungnahme am Wochenende nicht zu erreichen.

Fahrgastrechte während des Bahnstreiks

  • Welche grundsätzlichen Rechte habe ich bei Verspätungen?

    Das hängt von der Verspätung ab. Kommt die Bahn mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, werden 25 Prozent des Fahrpreises erstattet. Die Hälfte des Preises wird bei einer Verspätung ab zwei Stunden zurückgezahlt.

  • Was ist, wenn mein Zug streikbedingt ausfällt?

    "Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten ihre Reise nicht wie geplant durchführen können, können ihre Fahrkarte und Reservierung im DB Reisezentrum oder in den DB Agenturen kostenlos erstatten lassen", schreibt die Bahn. Fahrgäste, die ihre Reise gar nicht antreten, können ihr Ticket auch nach dem ersten Gültigkeitstag erstatten lassen.

    Fahrkarten, die in einem DB Reisezentrum, einer DB Agentur oder am DB Automaten gekauft wurden, können nur dort erstattet werden. Für Online-Tickets gibt es ein Erstattungsformular: http://www.bahn.de/p/view/home/info/streik_gdl_042015.shtml

  • Und wenn ich einen anderen Zug nutzen will?

    Fällt ein Zug streikbedingt aus, können Reisende den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall wird bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen hiervon sind regionale Angebote mit erheblich ermäßigtem Fahrpreis (Schönes Wochenende-, Quer-durchs-Land- oder Länder-Tickets) sowie reservierungspflichtige Züge.


  • Bezahlt die Bahn mein Hotel, wenn es nicht weitergeht?

    Nur im äußersten Notfall: "Wird aufgrund eines Zugausfalls oder einer Verspätung eine Übernachtung erforderlich und ist die Fortsetzung der Fahrt am selben Tag nicht zumutbar, werden dem Fahrgast angemessene Übernachtungskosten erstattet", heißt es von der Bahn. Wichtig: Um die Kosten erstattet zu bekommen, muss das Original der Hotelrechnung eingereicht werden.

  • Wo bekomme Informationen und Hilfe?

    Über die Fahrgastrechte informiert die Bahn auf ihrer Homepage: http://www.bahn.de/p/view/service/fahrgastrechte/faq_fahrgastrechte.shtml

    Details zu den Rechten während des Streiks stehen auf dieser Seite:

    http://www.bahn.de/p/view/home/info/streik_gdl_042015.shtml

    Die kostenpflichtige Servicenummer lautet: 0180/699 66 33

    Wenn es einmal Streit gibt, übernimmt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr: https://soep-online.de/

Im vergangenen Jahr hatte sie eine von der Bahn angebotene Schlichtung bereits abgelehnt. Weber warnte die GDL vor einer weiteren Verschärfung des Tarifkonflikts. "Was wir jetzt brauchen, sind keine neuen Drohungen, sondern Klarheit, was gemeinsam geht."

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Warum die GDL ein siebtes Mal streikt

  • An welchem Punkt sind die Verhandlungen diesmal geplatzt?

    „Es gibt den Knackpunkt, an dem es gescheitert ist: Das sind die Lokrangierführer“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky. „Hier versucht die Deutsche Bahn AG, den billigen Jakob im Tarifvertrag mit der GDL zu verankern.“ Die GDL pocht auf eine weitgehende Gleichstellung der 3100 Lokrangierführer mit den rund 20.000 Lokführern, die im Personen- und Güterverkehr unterwegs sind. Zum Vergleich: Lokführer steuern Züge mit Fahrgästen im Fern- und Nahverkehr oder ziehen mit ihrem Triebwagen Güterwagen. Lokrangierführer sind für das Rangieren auf Bahnhöfen da - also für das Auflösen, Zusammenstellen oder Umsetzen von Zügen sowie für das Kuppeln oder Entkuppeln von Fahrzeugen. Sie können auch Loks zum Rangieren bewegen.

  • Hatte die GDL keine andere Wahl, als ein Scheitern zu erklären?

    Das ist schwer zu beurteilen. GDL-Chef Weselsky schimpft, die Bahn spiele in unverantwortlicher Weise auf Zeit. „Was heute auf dem Tisch ist, ist nichts wert, weil alles wieder zurückgenommen werden kann“, sagte er nach der inzwischen 16. Verhandlungsrunde. Dann legte Weselsky noch einmal nach - und warf Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber vor, an diesem Punkt zu lügen.

  • Wie sieht das die Deutsche Bahn?

    Die Bahn stellte den Stand so dar, dass man in Schritten vorankomme, zuletzt sogar schneller als selbst gedacht. Der bundeseigene Konzern räumte ein, dass die Gespräche mit der GDL über die künftige Eingruppierung der Lokrangierführer schwierig waren. Aber auch in diesem Punkt hätten „beide Seiten Grundzüge einer gemeinsamen Lösung erarbeitet“. Es habe also keinen Grund zum Abbruch gegeben.

  • Wie weit waren die Tarifverhandlungen bis zum Freitag gekommen?

    Beide Seiten hatten sich im Februar grundsätzlich auf eine Kombination von Flächentarifvertrag und Haustarifverträgen geeinigt. Dabei soll der Flächentarifvertrag, der bisher für Lokführer gilt, auch auf weitere Berufsgruppen des Zugpersonals ausgedehnt werden - also etwa auf Zugbegleiter und auch Lokrangierführer. Die Details für die diversen Berufsgruppen werden in den Haustarifverträgen geregelt. Den Flächentarifvertrag will die GDL - wie bisher - zur Grundlage von Tarifverhandlungen mit anderen Eisenbahnunternehmen machen. Eine Schlichtung des Tarifstreits lehnte die Gewerkschaft ab.

  • Geht es auch ums Geld?

    Ja. Fünf Prozent mehr Geld, eine Stunde weniger Arbeitszeit und eine Begrenzung von Überstunden lauten die Forderungen der GDL. Doch darüber wurde in der seit Sommer 2014 dauernden Tarifrunde noch gar nicht verhandelt. Erst muss die neue Tarifstruktur stehen. Dieses Projekt ist auch deshalb so kompliziert, weil es nach dem Willen der Bahn am Ende widerspruchsfrei neben dem Tarifwerk stehen soll, das sie mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) aushandelt.

  • Welche Rolle spielt das geplante Gesetz zur Tarifeinheit?

    Eine große, denn es wird voraussichtlich die Tariflandschaft bei der Deutschen Bahn kräftig aufmischen. Künftig soll pro Betrieb nur noch die jeweils größte Gewerkschaft Tarifverträge abschließen, die anderen dürften dann faktisch nicht mehr streiken. Da bestehende Verträge Bestandsschutz erhalten sollen, entsteht Zeitdruck, um noch vor Inkrafttreten des Gesetzes zu einem Abschluss zu kommen.

    Im Bundestag war das Gesetz bislang in der ersten Lesung. Am 4. Mai soll es im Parlament eine Expertenanhörung geben. Der Bundesrat soll sich nach bisheriger Planung spätestens am 10. Juli auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause abschließend mit dem Thema befassen. Das Gesetz tritt am Tag nach seiner Verkündung in Kraft.

  • Welche Ziele verfolgt die GDL mit Blick auf die Tarifeinheit?

    Die GDL-Strategie ist darauf ausgerichtet, den eigenen Einfluss im Fahrbetrieb der Deutschen Bahn auszuweiten. In einem möglichst großen Teilbereich will sie eine realistische Chance erhalten, in späteren Jahren die größere und damit tariffähige Gewerkschaft zu sein. Neben den Lokführern sollen daher aktuell für das gesamte Zugpersonal inklusive der Lokrangierführer gültige Verträge verhandelt werden - das sind insgesamt rund 37.000 Beschäftigte.

Die bei der GDL organisierten Lokführer hatten das siebte Mal im laufenden Tarifkonflikt gestreikt. Die Gewerkschaft erklärte am Freitag, nun sei die Bahn am Zug, ein verbessertes Angebot vorzulegen und weitere Arbeitskämpfe zu vermeiden. Bisher habe der Staatskonzern auf Zeit gespielt, offenbar um auf das Tarifeinheitsgesetz der Bundesregierung zu warten, das im Sommer in Kraft treten soll. Es würde die Rechte von Spartengewerkschaften wie der GDL einschränken.

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Hauptstreitpunkt im bald einjährigen Konflikt ist die Forderung der GDL, nicht nur für Lokführer, sondern auch Zugbegleiter und Rangierführer eigene Verträge abzuschließen. Dies strebt aber auch die größere, konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) an. Die Bahn wiederum will unterschiedliche Abschlüsse für dieselbe Berufsgruppe vermeiden.

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