LOS-Franchisenehmer: Nachhilfe-Institute werden von Pleitewelle erfasst

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LOS-Franchisenehmer: Nachhilfe-Institute werden von Pleitewelle erfasst

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Eine Klagewelle erschüttert die Milliardenbranche.

von Andreas Macho

Die Paukerei mit Schülern ist ein riesiges Geschäft. Nun wird die Branche der privaten Nachhilfe-Anbieter von einer Pleite- und Klagewelle erschüttert.

Es ist der Beginn einer flotten Karriere. Als Jürgen Matlé 1995 im hessischen Lauterbach eine Filiale der deutschlandweiten Nachhilfeunterrichtskette LOS eröffnet, erweist die sich schnell als Goldgrube. Rund 200 Schüler akquiriert der gelernte Pädagoge in den ersten sechs Jahren.

Gerd Bohr, gemeinsam mit seiner Frau Gisela Gründer von LOS mit Sitz in Saarbrücken, ist begeistert von seinem Franchisenehmer. Im Frühjahr 1999 ernennt er Matlé zum Regionalberater für Hessen und Thüringen. In einem schicken Restaurant unweit der Unternehmenszentrale feiern Bohr und enge Mitarbeiter die Inthronisation.

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Das nächste Treffen Bohrs mit Matlé dürfte ungleich ernüchternder ausfallen. Vor dem Landgericht Gießen werden sich beide Parteien, flankiert von ihren Anwälten, Ende September gegenübersitzen. Die Bohrs verlangen von Matlé offene Franchisegebühren in Höhe von rund 70.000 Euro, nachdem der Hesse seine LOS-Filiale 2013 schließen musste. Zudem unterstellen die Bohrs Matlé, er habe Umsätze künstlich gedrückt, um ihnen weniger Franchisegebühren bezahlen zu müssen.

Dem widerspricht der Beklagte vehement. Die Verträge von LOS mit den Franchisenehmern, so sein Argument, hätten ihre Geschäftsgrundlage verloren. Sie würden auf einer hohen Zahl von Nachhilfeschülern basieren, die durch die zunehmende Ganztagesbetreuung an deutschen Schulen illusorisch sei. Zudem habe Bohr ihm bei der Vertragsunterzeichnung verschwiegen, dass die Geschäfte in einigen LOS-Filialen schlecht liefen und diese dichtmachen mussten.

Jeder Fünfte kriegt Nachhilfe

Die Paukerei mit Schülern ist ein riesiges Geschäft. Jeder fünfte Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren bekommt Nachhilfeunterricht, bei den 13- bis 15-Jährigen ist es gar jeder Vierte, ergab eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Experten schätzen die Ausgaben der Eltern in Deutschland auf bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr.

LOS, die Abkürzung steht für Lehrinstitut für Orthografie und Schreibtechnik, ist ein vor 32 Jahren gegründetes Franchisesystem. 200 Franchisenehmer im deutschen Sprachraum hat das Ehepaar Bohr seit den Achtzigerjahren um sich geschart. Sie dürfen gegen eine Franchisegebühr von mindestens 595 Euro, ab dem sechsten Jahr mindestens 1190 Euro pro Monat unter der Marke LOS segeln. Dafür bietet ihnen LOS Unterrichtsmaterialien, Werbung und Fortbildungskurse.

Die Saarbrücker, deren Ursprung in der Nachhilfe für lese- und rechtschreibschwache Kinder und Jugendliche liegt, sind nicht irgendwer in der Branche. „Eigentlich heißt Lese- und Rechtschreibschwäche im Fachjargon LRS“, sagt Cornelia Sussieck, Vorsitzende des Bundesverbands der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen in Erftstadt bei Köln. „Doch viele Eltern sagen LOS dazu, so bekannt ist dieses Institut in Deutschland.“

Schulleiter Achim Fischer über den Sinn und Unsinn von Nachhilfe.

Lange schien es, als verliefe das Geschäft mit faulen oder schlecht betreuten Pennälern in Deutschland endlich wieder in ruhigeren Bahnen. Für Aufregung sorgte Ende der Neunzigerjahre etwa der Bochumer Nachhilfeanbieter Studienkreis. Der Franchisegeber band seine Partner mit Knebelverträgen an sich, die Laufzeiten von bis zu 20 Jahren vorsahen und den Franchisenehmern nach deren Ansicht nicht genügend Rechte einräumten. Erst nachdem eine Klägerin ein letztinstanzliches Urteil erwirkt hatte, das ihr den Ausstieg aus dem Vertrag ermöglichte, zeigte sich der Franchisegeber einsichtig. Rund 50 Franchisenehmer verließen daraufhin Studienkreis.

Nun wirft der Fall LOS neue Schatten auf die Branche. Vieles spricht dafür, dass das Geschäftsmodell der Saarländer dazu beiträgt, dass Franchisenehmer in die Insolvenz schlittern. Die Klage gegen Matlé ist Teil einer Reihe von Verfahren, die LOS gegen Franchisenehmer quer durch die Republik führt, die aus Verträgen aussteigen wollen, weil diese ihrer Ansicht nach unerfüllbar sind. 14 Prozesse wurden bereits geführt, fast alle endeten mit Vergleichen. Mehr als ein halbes Dutzend stehen noch zur Verhandlung.

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