Luftfahrt: Das große Flughafen-Sterben beginnt

Luftfahrt: Das große Flughafen-Sterben beginnt

von Rüdiger Kiani-Kreß

Nach dem Ärger durch Extrasteuern und Flugbeschränkungen drohen den deutschen Airports jetzt Probleme durch strengere EU-Subventionsregeln. Etliche Standorte stehen vor dem Aus.

Beim Neujahrsempfang des deutschen Flughafenverbands ADV Ende Januar im Berliner Kronprinzenpalais hätte die Stimmung unter den anwesenden Airportchefs eigentlich deutlich fröhlicher sein müssen. Schließlich gab es erneut einen Rekord zu feiern: Gut 200 Millionen Passagiere starteten 2013 auf den deutschen Airports – gut die Hälfte mehr als im Jahr 2000. Doch trotz launiger Reden, Freibier von der Brauerei Airbräu des Münchner Flughafens und Livemusik fehlte im Gründerzeitbau Unter den Linden besonders den Chefs kleinerer Landeplätze der Schwung früherer Feten.

Dafür sorgte die Erwartung an eine Leitlinie der EU für alle nicht privaten Flughäfen. Die regelt seit Mitte Februar, dass Staaten und Regionalregierungen ihre Flughäfen künftig deutlich weniger fördern dürfen. Um mit weniger Staatsgeld überleben zu können, müssen die Airports nun mehr sparen sowie die Einnahmen ihrer Läden und Restaurants steigern. Dies wird wohl nicht allen gelingen. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Hälfte der Regionalflughäfen in Deutschland verschwinden wird“, sagt Yvonne Ziegler, Professorin für Internationales Luftverkehrsmanagement an der Fachhochschule Frankfurt.

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Fast alle Flughäfen mussten Verbindungen streichen

Denn die strengeren Subventionsregeln treffen die deutschen Flughäfen hart. Das Wachstum im Jahr 2013 war mit einem halben Prozent mager und extrem ungleich verteilt. Von den 22 größten ADV-Airports hatten nur vier ein Plus von mehr als zwei Prozent – aber 14 ein Minus von bis zu 18 Prozent. Und selbst dieser Zuwachs trügt.

Denn angesichts von Extrasteuern wie der deutschen Luftverkehrsabgabe und im Vergleich zu anderen Ländern strengen Sperrstunden wie in Frankfurt haben die Airlines mit Ausnahme von Berlin-Tegel fast überall Verbindungen gestrichen. Das Kundenplus rührt vor allem daher, dass die Gesellschaften ihre Flieger voller packen denn je. „Der Trend ist nicht der Freund der Airports“, kommentiert Alexander Tamdjidi, Luftfahrtspezialist der Beratung PA Consulting Group in Frankfurt, trocken.

Verkehrsentwicklung an deutschen Flughäfen

Verkehrsentwicklung an deutschen Flughäfen

Nun rechnet der Verband mit gut zwei Prozent mehr Passagieren in 2014. Doch das rettet die Airports nicht auf Dauer. „Die Neuregelung ist ein Tod mit Ansage“, fürchtet ein Airport-Chef.

Zwar verbietet die EU-Leitlinie nicht wie befürchtet alle Subventionen. Ausgleichszahlungen für operative Verluste sind aber nur noch eingeschränkt und für maximal zehn Jahren möglich. Investitionshilfen sind ebenfalls nur noch begrenzt und für Airports mit maximal fünf Millionen Passagieren erlaubt. Ausnahmen gibt es für den Neubau größerer Flughäfen. „Der Anspannungsgrad für die Flughäfen bleibt unverändert hoch“, sagt Ralph Beisel, als ADV-Chef oberster deutscher Airportlobbyist.

Flughäfen wären ohne Staatshilfen am Ende

Das ist noch diplomatisch ausgedrückt. Ohne öffentliche Hilfe müsste das Gros schließen. „In Deutschland verdient nur ein halbes Dutzend Flughäfen Geld“, sagt Michael Garvens, Chef des Kölner Flughafens. Dem Vernehmen nach sind das Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Köln und Stuttgart. Die anderen fast 20 verdienen bestenfalls die Betriebskosten sowie einen Teil der Investitionen und wären ohne Staatsgeld 2024 am Ende.

Der Kahlschlag träfe nicht nur notorische Geldverbrenner wie den Flughafen Dortmund, der 2012 einen Verlust von 18,5 Millionen Euro schrieb – bei 23,5 Millionen Umsatz. Das Aus droht trotz aller Sanierungsmaßnahmen wohl auch dem angeschlagenen Flughafen Hahn. Und fast sicher wäre die deutsche Hauptstadt – außer für Regierungsjets – von 2024 an wohl nur noch per Bus, Bahn und Auto erreichbar. Zinsen und Tilgung für die erwarteten Baukosten des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg von gut sechs Milliarden Euro könnten dann fast doppelt so hoch sein wie der aktuelle Umsatz aller Berliner Airports.

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