Luftfahrt: Lufthansa saniert sich nach amerikanischem Vorbild

Luftfahrt: Lufthansa saniert sich nach amerikanischem Vorbild

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Bei der Lufthansa gibt es einige Neuregelegungen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die neuen Sparpläne von Lufthansa-Chef Christoph Franz sind keine Überraschung, sondern eine überfällige Reform. Sie belasten jedoch eher die Belegschaft als die Kunden.

Die Lufthansa wird zum Billigflieger – dieses Gespenst schwebt über der Fluglinie seit Christoph Franz vor knapp drei Jahren Chef wurde und zuerst das Fluggeschäft und schließlich den ganzen Konzern leitete. Zuerst ging es um Leiharbeiter, dann folgte eine engere Kooperation mit dem konzerneigenen Billigflieger Germanwings und jetzt soll der Flugdiscounter sogar das ganze Europageschäft übernehmen. Gleichzeitig soll nun die First Class aus einem Teil der Flotte geschraubt werden.

Doch die Aufregung um das Programmpaket mit dem Namen Score ist überzogen. Die Veränderungen, die Franz und sein Nachfolger als Flugchef Carsten Spohr am Freitag in einem Brief an die Belegschaft angekündigt hat, sind nicht überraschend, sondern überfällig. Franz muss nach 16 Monaten an der Spitze allmählich mal konkret werden. Sonst kommt er am Ende in den Ruf eines Zauderers und verspielt den Vorteil die Veränderungen in relativ guten Zeiten umzusetzen, bevor die Verluste wachsen und härtere Maßnahmen nötig machen wie stärkere Einschnitte etwa beim Personal und den nötigen Neuanschaffungen in der Flotte.

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Dazu geht es derzeit noch vor allem um eine dritte Runde von Tabubrüchen und dem allmählichen Abschaffen der den Glaubenssätze aus der Ära Wolfgang Mayrhuber, der Lufthansa vor Franz leitete. Den Anfang macht der schonungslose Umgang mit unprofitablen Konzerntöchtern. Sie werden entweder verkauft wie die britische BMI, geschlossen wie Lufthansa Italia und die chinesische Frachtlinie Jade oder radikal umgebaut wie Austrian Airlines, wo die Lufthansa die Tarifverträge einseitig kündigte und die Beschäftigten zur Regionaltochter Tyrolean mit ihren niedrigeren Löhnen schieben will.

Dass nun auch das Fluggeschäft unter Marke Lufthansa dran ist, kann da nicht überraschen. Zum einen ist es Psychologie. Der Konzern kann kaum von allen Gesellschaften inklusive der profitableren Töchter im Frachtgeschäft (Lufthansa Cargo), Wartung (Lufthansa Technik) oder der Swiss Sparbeiträge verlangen, wenn das Kerngeschäft komplett ungeschoren bleibt. Ein wenig privilegiert ist es am Ende ja trotzdem. Mit 900 Millionen soll die Kern-LH zwar den Löwenanteil an den 1,5 Milliarden im Sparprogramm Score. Doch gemessen an ihrem Umsatzanteil im Konzern hätte das Fluggeschäft eigentlich ein Viertel mehr bringen müssen.

Dazu ist bei der Fliegerei der Marke Lufthansa der Druck wahrscheinlich bald genauso groß wie bei den anderen Konzernlinien. Der Lufthansa-Europaverkehr ist unter dem Druck der Billigflieger bereits genauso defizitär wie der von BMI und Austrian.

Und die bislang profitable Lufthansa-Langstrecke leider unter dem zunehmenden Kampfpreisen durch Linien, die deutlich niedrigere Kosten haben: Die einen weil sie wie die Linien vom persischen Golf oder aus Ostasien niedrigere Löhne und weniger Steuern zahlen müssen, die anderen weil sie wie die grundsanierten US-Airlines die Änderungen bereits hinter sich haben. Darum musste die Lufthansa bereits einige Flugziele in Indien und China streichen, weil sie Verluste brachten. Noch vor fünf Jahren brachte diese Region mit weniger als zehn Prozent der Flüge fast 40 Prozent des Gewinns.

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