Luftfahrt: Schmerzhaftes Sparprogramm für Lufthansa

Luftfahrt: Schmerzhaftes Sparprogramm für Lufthansa

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Christoph Franz: Der Lufthansa-Chef ist unter Zugzwang

von Rüdiger Kiani-Kreß

Mit dem neuen Umbauprogramm wagt sich Vorstandschef Christoph Franz ans Eingemachte. Die erwarteten Einschnitte treffen fast alle Abteilungen. Widerstand ist programmiert.

Wenn Lufthansa-Mitarbeiter über ihr Unternehmen reden, kreisen die Gespräche normalerweise um Flugzeuge, neuen Service wie die Business Class oder die nächste Gehaltsrunde. Seit Anfang des Jahres gibt es jedoch meist nur noch ein Thema: Was bringt das neue Sparprogramm, das Konzernchef Christoph Franz bald vorstellt. Am 6. Februar will Franz vor Führungskräften und einen Tag später vor mehr als 100 Arbeitnehmervertretern sprechen. Die beiden Auftritte sind die wichtigsten Termine, die der 51-Jährige in diesem Jahr vor sich hat und die er seit seinem Amtsantritt Anfang 2011 absolvierte. Denn Franz wird der umsatzstärksten Fluggesellschaft der Welt nicht nur ein weiteres Sparprogramm mit Kostenreduzierungen von 1,5 Milliarden Euro im Jahr ankündigen. Er wird auch eine Revolution starten.

Die Baustellen bei der Lufthansa

  • Die Probleme der Lufthansa
    • Stückkosten Sie sind bei Lufthansa rund 50 Prozent höher als bei Wettbewerbern
    • Einkauf Jede Tochtergesellschaft beschafft weitgehend selbstständig
    • Angebot Töchter organisieren Service in der Luft und am Boden nach eigenen Regeln
    • Verwaltung Abteilungen wie IT oder Catering existieren mehrfach
    • Unternehmenskultur Zu viele Egoismen und alte Privilegien
    • Marke Es wird immer schwieriger, Premiumpreise durchzusetzen
  • Einkauf

    Jede Tochtergesellschaft beschafft weitgehend selbstständig

  • Angebot

    Töchter organisieren Service in der Luft und am Boden nach eigenen Regeln

  • Verwaltung

    Abteilungen wie IT oder Catering existieren mehrfach

  • Unternehmensskultur

    Zu viele Egoismen und alte Privilegien

  • Marke

    Es wird immer schwieriger, Premiumpreise durchzusetzen

Zwar feilen die gut 20 Mitarbeiter des Programmteams mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group noch an den Details. Doch die Richtung der Umwälzung, die unter dem ungelenken Titel „Profit Improvement“ daherkommt, steht. „Es wird der Start einer Grundsanierung, die uns ebenso verändern wird wie der Umbau nach 1991, als der damalige Konzernchef Jürgen Weber aus der insolventen Flugbehörde das Unternehmen Lufthansa formte“, sagt ein hochrangiger Insider.

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Die Kernpunkte des Programms:

- Zentralisierung des Einkaufs von Waren und Dienstleistungen konzernweit,

- weniger Eigenständigkeit der Unternehmenstöchter,

- Beseitigung doppelter Verwaltungsstrukturen.

Franz ordnet den konzernweiten Abriss und Neubau an, weil die Schwächen unübersehbar sind. Um mit Billigfliegern oder den Fluglinien vom Golf mithalten zu können, soll die Lufthansa den Vorsteuergewinn von rund 500 Millionen Euro in 2011 bis Ende 2013 auf zwei Milliarden Euro steigern. Und der Koloss mit rund 120 000 Beschäftigten muss schlanker, schneller und innovativer werden. „Sonst sind wir in fünf Jahren nur noch eine Airline unter vielen und in zehn Jahren weg vom Fenster“, so ein Vertrauter von Franz.

In Europa Verluste

Auch wenn sich Franz erst in anderthalb Wochen dazu erklären wird, seine Diagnose liegt auf der Hand. „Praktisch der ganze Teil des Fluggeschäfts steht unter Druck“, sagt Jürgen Ringbeck, weltweiter Leiter des Transportgeschäfts der Strategieberatung Booz & Company. Bei Flügen innerhalb Europas bescheren Billigflieger wie Easyjet Lufthansa seit Längerem jährliche Verluste, die sich dem Vernehmen nach auf gut 300 Millionen Euro pro Jahr summieren.

Den Fehlbetrag kann Franz nicht mehr viel länger durch Überschüsse der Langstreckenverbindungen ausgleichen. „Die Gewinne im Interkontinentalverkehr sinken tendenziell“, sagt der selbstständige Unternehmensberater Markus Franke. Dafür sorgen neben der schwächeren Konjunktur vor allem Wettbewerber wie Emirates, Qatar Airways oder Etihad aus den arabischen Emiraten, die immer größere Teile des Verkehrs nach Asien oder Afrika an sich reißen. „Sie haben dank eines überlegenen Geschäftsmodells, niedrigerer Gehälter und staatlicher Hilfen 40 Prozent niedrigere Kosten und nutzen das für Kampfpreise“, sagt Ralf Baron, Partner der Beratung Arthur D. Little.

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