Bild: Reuters1. Unternehmensorganisation
Während andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen.
Bild: dpa2. Unternehmenskultur
Die Lufthansa gibt fürs Personal pro Flugkilometer rund 50 Prozent mehr aus als wichtige Wettbewerber. Das liegt unter anderem an vielen alten Privilegien. So hat die Linie aus ihrer Zeit als Behörde das System übernommen, dass die Gehälter steigen je länger ein Mitarbeiter zum Unternehmen gehört. Dazu ist die Lufthansa in den vergangenen Jahren eher durch Zukäufe als organisch gewachsen. Dadurch kamen vor allem besser bezahlte Mitarbeiter dazu und weniger Berufseinsteiger, die das Durchschnittsgehalt drücken.
Bild: Pressebild3. Hohe Eigenständigkeit der Tochtergesellschaften
Ob Frachtgeschäft, Cateringküchen oder Fluggeschäft: die einzelnen Tochtergesellschaften dürfen weitgehend ohne Vorgaben aus der Zentrale arbeiten. So leisten sich nicht nur alle Töchter eigene Einkaufsabteilungen, obwohl ein zentraler Einkauf in der Regel bessere Preise bekäme. Die einzelnen Fluglinien organisieren ihren Service auch nach eigenen Regeln. Statt den Ticketverkauf zentral zu koordinieren, jagen sich die einzelnen Gesellschaften gerade in Krisenzeiten gegenseitig Kunden ab.
Bild: dpa4. Umständliche Fliegerei
Billigflieger kommen mit ein oder zwei Flugzeugtypen aus und bekommen dadurch beim Einkauf, der Ausbildung des Personals und der Wartung der Maschinen Mengenrabatte. Die Lufthansa hingegen hat in ihrer Flotte mehr als ein Dutzend verschiedener Typen und fliegt entsprechend teurer.
Bild: Pressebild5. Hohe Fertigungstiefe
Während andere Fluglinien längst ihr Wartungsgeschäft und die Flugküchen abgestoßen haben, legt die Lufthansa Wert auf ihre Rolle als 'Aviationkonzern', zu deutsche: Komplettanbieter. Zwar verdienen die Töchter - allen voran die Werften der Lufthansa Technik - gutes Geld. Doch weil der Kranich seine Maschinen nicht zu anderen Werkstätten schicken kann, zahlt er dem Vernehmen nach im Schnitt mehr als andere Linien.
Bild: dpa/dpaweb6. Zu einheitliches Produkt
Egal ob innerdeutscher Kurzstreckenhüpfer oder eine lange Strecke nach Istanbul: Lufthansa will auf allen Strecken als Lufthansa mit einem Premiumprodukt präsent sein und nicht die konzerneigene Edel-Billiglinie Germanwings fliegen lassen – auch wenn die Kundschaft etwa von Köln nach Berlin vor allem preisbewusst Economy Class bucht und auf Lounges oder Schaumwein an Bord wenig Wert legt.
Bild: AP7. Verlustbringende Zukäufe
Dass Swiss als erste übernommene Fluglinie bis heute eine Ertragsperle ist, erweist sich im Nachhinein als Fluch. Denn die guten Zahlen der Schweizer ließen alle glauben, dass jeder Zukauf mit ein paar Umbauten zu einer kleinen Swiss werden kann. Doch stattdessen schreiben mit Ausnahme der belgischen Brussels Airlines alle anderen anhaltend rote Zahlen.
Bild: Pressebild8. Mäßiger Service
Sicherheit, Zuverlässigkeit, dichtes Netz: Es gibt viele Gründe Lufthansa zu buchen. Der gute Kundendienst gehörte noch nie dazu. Das liegt nicht nur an der im Vergleich zu asiatischen Airlines eher sachlichen Crew. Auch neue Technologien wie Video on demand oder Betten in der Business Class bietet die Lufthansa in der Regel als letzte der großen Airlines an. Der aktuelle First-Class-Sitz stammt sogar aus dem Jahr 1998 und mit Ausnahme der First Class Lounges in Frankfurt und München sind die Warteräume der Lounges eher im Branchenschnitt.
Bild: Reuters9. Kommunikation
So nüchtern und unemotional wie der Service ist auch das öffentliche Auftreten. Wie sehr das gerade in Krisenzeiten die Problem verstärkt, haben die vergangenen Wochen gezeigt. Für großes Aufsehen sorgte, dass die Lufthansa zuerst klammheimlich die Preise für Gratisreisen in ihrem Vielfliegerprogramm Miles & More verteuerte und dadurch ihre wichtigsten Kunden verärgerte. Dann sorgte die scheibchenweise Information zum Sparprogramm Score für den Eindruck, die Lufthansa wolle sich zum Billigflieger wandeln.
Bild: dpa10. Wenig politischer Rückhalt
Die Lufthansa kann nur davon träumen, bei der deutschen Politik einen ähnlich starken Rückhalt zu haben wie Emirates in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Während dort in Rekordzeit neue Flughäfen mit subventionierten Landegebühren entstehen, leidet Lufthansa darunter, dass die Bundesregierung Flughafenausbauten bremst und zusätzliche Steuern wie die Luftverkehrsabgabe erhebt. Das ist aus Sicht von Experten nicht nur Schicksal, sondern auch die Folge der politischen Arbeit der Lufthansa, die ihre Rolle als Jobmaschine weniger gut verkauft als Emirates – in Deutschland.
1. Unternehmensorganisation
Während andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen.
Die vierteljährlichen Aufsichtsratssitzungen der Deutschen Lufthansa waren für Vorstandschef Christoph Franz bislang Routine-Termine. Ob im schön gelegenen LH-Schulungszentrum in Seeheim im Odenwald oder im modernen Aviation Center am Frankfurter Flughafen: Kontroversen waren selten. „Den klaren Analysen von Franz haben die Arbeitnehmer wenig entgegenzusetzen. Und mit den Vertretern der Kapitalseite klärt Aufsichtsratschef Jürgen Weber kritische Fragen meist am Vorabend im kleinen Kreis“, heißt es im Umfeld des Gremiums, dem unter anderem Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht, Adidas-Lenker Herbert Hainer und Nicola Leibinger-Kammüller, geschäftsführende Gesellschafterin des Maschinenbauers Trumpf, angehören.
Bild: dpaLufthansa
Programm: Miles&MoreWer mit Lufthansa fliegt, kann auf jedem Flug sogenannte Meilen sammeln. Im Rahmen von Miles & More erhalten Fluggäste Prämienmeilen, die sie für bestimmte Prämien eintauschen können. Auf innereuropäischen Flügen gelten dabei feste Meilenwerte je nach Buchungsklasse. Für einen Flug der günstigsten Kategorie erhält der Fluggast 125 Meilen, ein Flug in der Business Class erhöht das Guthaben-Konto um ganze 2.000 Meilen. Noch - denn ab dem 1. September reduziert sich die Anzahl auf 1.250 Meilen.
Nach Antritt des Flugs können die Prämien 36 Monate lang eingetauscht werden. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Filme und Bücher ab 7.500 Meilen, eine ADAC-Clubmitgliedschaft ab 12.000 Meilen oder eine Übernachtung im Hilton für 13.500 Meilen. Wer genügend Meilen gesammelt hat, kann sie sogar für einen innereuropäischen Flug eintauschen: 30.000 Meilen sind dafür nötig.
Allerdings gilt: Wer mit Lufthansa fliegt, muss das Guthaben nicht unbedingt seinem Miles&More-Konto gutschreiben lassen. Das geht auch bei anderen Fluggesellschaften, die mit der Lufthansa in der Star Alliance verbunden sind. So lassen sich unter Umständen sogar höhere Guthaben erzielen.
Bild: dpaAir Berlin
Programm: topbonusDie Anzahl der Meilen richtet sich beim Vielfliegerprogramm der Air Berlin nach der Beförderungsklasse, dem gebuchten Tarif und der tatsächlichen Distanz bei Langstrecken. Für Inlandsflüge gibt es mindestens 250 Prämienmeilen, für Auslandsflüge 500 Prämienmeilen. Hinzu kommen die Entfernungsmeilen, die sich nach der Länge des Fluges richten. Bei Hotel- und Mietwagenpartner gibt es pro Aufenthalt beziehungsweise Anmietung noch mal 500 Prämienpunkte extra.
Die gesammelten Prämien kann der Kunde gegen Freiflüge oder Schnäppchentickets ab 3.000 Meilen eintauschen. Wer plant, seine Meilen in nächster Zeit einzulösen, sollte sich allerdings beeilen: Die günstigen Tarife gelten nur noch bis Ende Juni. Einen Gratisinlandsflug gibt es bis dahin noch für 12.500 Prämienmeilen, einen Europa-Flug für 16.000 Meilen. Ab dem 1. Juli sind für einen Inlandsflug 15.000 Prämienmeilen fällig und für einen Freiflug innerhalb Europas für 22.500.
Bild: APAir France-KLM
Programm: Flying Blue
Wie viele Meilen gutgeschrieben werden, hängt beim System der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Air France-KLM von der zurückgelegten Strecke, dem Ticketpreis und der Reiseklasse ab. Jeder Fluggast wird einer von vier Mitgliedsstufen zugeordnet: Bei Erstanmeldung erhält der Kunde den „Ivory“ Status, später dann den „Silver“, „Gold“ und „Platinum“ Status. Jede Stufe bringt weitere Privilegien mit sich, etwa erhöhte Freigepäckmengen oder Vorzugssitzplätze im Flieger. In welche Klasse der Fluggast eingeteilt wird, richtet sich nach der Kontostand am Ende eines jeden Jahres.
Das Programm lohnt sich vor allem für Geschäftsreisende: Über Flying Blue erhält man exklusiven Zutritt zum Online-Portal www.profitrip.de, dass sogenannte Corporate Rates anbietet. Hier gibt es attraktive Firmentarife für Übernachtungen in Hotels und günstige Restplätze.
Bild: REUTERSBritish Airways
Programm: Avios
Im November letzten Jahres änderte British Airways das bestehende Programm Airmiles in das heutige Avios. Gleichzeitig kürzte die Fluggesellschaft die Prämien, verlangte Steuern und Gebühren für Freiflüge und Zusatzkosten auf bestimmten Flugrouten. Die Kundschaft reagierte "not amused".
Ähnlich dem Programm von Air Berlin, berechnen sich die Avios Punkte bei British Airways über die Länge der Flugstrecke, der Flugklasse und der Art des Tickets. Hinzu kommt der 'Executive Club Status': Umso höher der Status, desto mehr Punkte werden gutgeschrieben. Für einen Flug von Frankfurt nach Madrid erhält ein „einfaches“ Mitglied so 883 Punkte, ein Bronze-Mitglied 1.044 Punkte und ein Silver, Gold oder Premium-Mitglied 1766 Punkte.
Avios Punkte lassen sich allerdings nicht nur auf Flügen der British Airways, sondern auch beim täglichen Einkauf, bei der Kreditkartennutzung oder beim Tanken sammeln: Wer monatlich etwa 300 Euro für Lebensmittel ausgibt, 100 Euro mit der Kreditkarte bezahlt und etwa 90 Liter tankt, kann sich so zum Beispiel einen Freiflug nach Paris ersammeln. Wert: 9.000 Avios Punkte.
Bild: REUTERSAmerican Airlines
Programm: AAdvantage
Bereits 1981 entwickelt, gilt AAdvantage als das älteste noch existierende Vielfliegersystem der Welt. Zusammen mit den Partnern der OneWorld Alliance lassen sich auf allen Flügen, bei Hotelbuchungen und Autovermietungen Meilen sammeln. Jeder ausgegebene Euro entspricht dabei zwei Meilen.
Wie bei Air France, gibt es auch bei American Airlines verschiedene Statuslevel. Nach der Anmeldung wird der Fluggast als vorläufiges Mitglied geführt und kann sich dann die Status „Gold“ (ab 25.000 Meilen), „Platinum“ (ab 50.000 Meilen) und „Executive Platinum“ (ab 100.000 Meilen) ersammeln. Die gesammelten Meilen lassen sich zum Beispiel gegen Freiflüge, Zeitungsabonnements oder Gutscheine einlösen. Für einen interkontinentalen Gratisflug von Europa nach Nordamerika zahlt der Fluggast allerdings mindestens 25.000 Meilen plus 267 Euro.
Lufthansa
Programm: Miles&More
Wer mit Lufthansa fliegt, kann auf jedem Flug sogenannte Meilen sammeln. Im Rahmen von Miles & More erhalten Fluggäste Prämienmeilen, die sie für bestimmte Prämien eintauschen können. Auf innereuropäischen Flügen gelten dabei feste Meilenwerte je nach Buchungsklasse. Für einen Flug der günstigsten Kategorie erhält der Fluggast 125 Meilen, ein Flug in der Business Class erhöht das Guthaben-Konto um ganze 2.000 Meilen. Noch - denn ab dem 1. September reduziert sich die Anzahl auf 1.250 Meilen.
Nach Antritt des Flugs können die Prämien 36 Monate lang eingetauscht werden. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Filme und Bücher ab 7.500 Meilen, eine ADAC-Clubmitgliedschaft ab 12.000 Meilen oder eine Übernachtung im Hilton für 13.500 Meilen. Wer genügend Meilen gesammelt hat, kann sie sogar für einen innereuropäischen Flug eintauschen: 30.000 Meilen sind dafür nötig.
Allerdings gilt: Wer mit Lufthansa fliegt, muss das Guthaben nicht unbedingt seinem Miles&More-Konto gutschreiben lassen. Das geht auch bei anderen Fluggesellschaften, die mit der Lufthansa in der Star Alliance verbunden sind. So lassen sich unter Umständen sogar höhere Guthaben erzielen.
Beim nächsten Treff am Mittwoch in der Frankfurter LH-Zentrale wird es lebhafter zugehen. „Franz will dem Gremium erstmals Details vorstellen, wie er sich die Neuorganisation des hochdefizitären Fluggeschäfts abseits der großen Drehkreuze Frankfurt und München vorstellt, doch das dürfte vor allem uns Arbeitnehmern kaum akzeptable Opfer abfordern“, heißt es aus arbeitnehmernahen Aufsichtsratskreisen. Noch kontroverser könnte die Nachbereitung des Streiks werden, bei dem ab Ende August die 18.000 deutschen Flugbegleiter den Betrieb gut eine Woche lang durcheinanderbrachten. „Franz und sein Team haben die Gewerkschaft unterschätzt und am Ende eine teure Niederlage eingefahren“, sagt ein Vertreter der Kapitalseite.
Der Streik ist nicht die einzige Sorge. Zurzeit kommt es für die Lufthansa von allen Seiten knüppeldick: Auch das strenge Nachtflugverbot in Frankfurt, die nachlassende Konjunktur und der immer härtere Wettbewerb machen einen schnelleren Umbau des Konzerns zur Schicksalsfrage – auch für Franz selbst.

Teurer Streik
Laut einem Insider könnte der Ausstand die Lufthansa gut 100 Millionen Euro gekostet haben. Auch bei abgesagten Flügen muss die Airline Flughafengebühren, Personal sowie Hotel und Verpflegung für gestrandete Passagiere bezahlen. Dagegen mindert der Ausstand die Einnahmen, auch wenn keine Flüge ausfielen: Viele Kunden hatten vorsichtshalber gleich bei der Konkurrenz gebucht.
Besonders ärgerlich für die Lufthansa-Manager: Der wichtigste Streitpunkt – der Einsatz von Leiharbeitskräften auf einem Teil der Flüge von und nach Berlin – hat am Ende deutlich mehr geschadet als gebracht. Zum einen war das Mietpersonal von der Agentur Aviation kaum billiger als Stammkräfte, sagen Insider. Zum anderen berichten Kunden und Gewerkschafter von Ausbildungsmängeln und fehlenden Deutschkenntnissen: Eine Kraft soll etwa den Trockeneisnebel an einer Cola-Dose für ein Feuer gehalten haben und zur Bekämpfung mit Feuerlöscher und Brandschutzausrüstung angerückt sein.
So endete der Ausstand für Lufthansa mit einer krachenden Niederlage. Sie musste kleinlaut auf Leiharbeiter verzichten, allen Mietarbeitern feste Jobs anbieten – und jetzt wohl einem deutlich höheren Abschluss als den angebotenen 3,5 Prozent zustimmen.
Denn im Gegensatz zu vergangenen Streiks der Fluglotsen und Piloten gehörten die Sympathien der Öffentlichkeit weitgehend der Belegschaft. Das verdanken die Gewerkschafter aus Sicht eines Insiders auch Bundessozialministerin Ursula von der Leyen. Die hatte mitten im Streik verkündet, Beschäftigte mit Einkommen von 2200 Euro und weniger seien von Altersarmut bedroht. „Da unsere Einstiegslöhne deutlich niedriger sind, standen wir so da, als ob wir unsere Leute als Rentner an den Bettelstab zwingen“, schimpft der Insider.
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