Luftfahrtriese vor entscheidendem Umbau: So schlecht steht es wirklich um Lufthansa

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Luftfahrtriese vor entscheidendem Umbau: So schlecht steht es wirklich um Lufthansa

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Flugbegleiter-Streik, das Frankfurter Nachtflugverbot, der Konjunkturrückgang und der harte Wettbewerb machen den notwendigen Umbau des Konzerns zur Schicksalsfrage – auch für LH-Chef Christoph Franz.

Die vierteljährlichen Aufsichtsratssitzungen der Deutschen Lufthansa waren für Vorstandschef Christoph Franz bislang Routine-Termine. Ob im schön gelegenen LH-Schulungszentrum in Seeheim im Odenwald oder im modernen Aviation Center am Frankfurter Flughafen: Kontroversen waren selten. „Den klaren Analysen von Franz haben die Arbeitnehmer wenig entgegenzusetzen. Und mit den Vertretern der Kapitalseite klärt Aufsichtsratschef Jürgen Weber kritische Fragen meist am Vorabend im kleinen Kreis“, heißt es im Umfeld des Gremiums, dem unter anderem Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht, Adidas-Lenker Herbert Hainer und Nicola Leibinger-Kammüller, geschäftsführende Gesellschafterin des Maschinenbauers Trumpf, angehören.

Beim nächsten Treff am Mittwoch in der Frankfurter LH-Zentrale wird es lebhafter zugehen. „Franz will dem Gremium erstmals Details vorstellen, wie er sich die Neuorganisation des hochdefizitären Fluggeschäfts abseits der großen Drehkreuze Frankfurt und München vorstellt, doch das dürfte vor allem uns Arbeitnehmern kaum akzeptable Opfer abfordern“, heißt es aus arbeitnehmernahen Aufsichtsratskreisen. Noch kontroverser könnte die Nachbereitung des Streiks werden, bei dem ab Ende August die 18.000 deutschen Flugbegleiter den Betrieb gut eine Woche lang durcheinanderbrachten. „Franz und sein Team haben die Gewerkschaft unterschätzt und am Ende eine teure Niederlage eingefahren“, sagt ein Vertreter der Kapitalseite.

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Der Streik ist nicht die einzige Sorge. Zurzeit kommt es für die Lufthansa von allen Seiten knüppeldick: Auch das strenge Nachtflugverbot in Frankfurt, die nachlassende Konjunktur und der immer härtere Wettbewerb machen einen schnelleren Umbau des Konzerns zur Schicksalsfrage – auch für Franz selbst.

Übersicht zu den Betriebskosten der Lufthansa, Emirates und Easyjet (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Übersicht zu den Betriebskosten der Lufthansa, Emirates und Easyjet (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Teurer Streik

Laut einem Insider könnte der Ausstand die Lufthansa gut 100 Millionen Euro gekostet haben. Auch bei abgesagten Flügen muss die Airline Flughafengebühren, Personal sowie Hotel und Verpflegung für gestrandete Passagiere bezahlen. Dagegen mindert der Ausstand die Einnahmen, auch wenn keine Flüge ausfielen: Viele Kunden hatten vorsichtshalber gleich bei der Konkurrenz gebucht.

Besonders ärgerlich für die Lufthansa-Manager: Der wichtigste Streitpunkt – der Einsatz von Leiharbeitskräften auf einem Teil der Flüge von und nach Berlin – hat am Ende deutlich mehr geschadet als gebracht. Zum einen war das Mietpersonal von der Agentur Aviation kaum billiger als Stammkräfte, sagen Insider. Zum anderen berichten Kunden und Gewerkschafter von Ausbildungsmängeln und fehlenden Deutschkenntnissen: Eine Kraft soll etwa den Trockeneisnebel an einer Cola-Dose für ein Feuer gehalten haben und zur Bekämpfung mit Feuerlöscher und Brandschutzausrüstung angerückt sein.

So endete der Ausstand für Lufthansa mit einer krachenden Niederlage. Sie musste kleinlaut auf Leiharbeiter verzichten, allen Mietarbeitern feste Jobs anbieten – und jetzt wohl einem deutlich höheren Abschluss als den angebotenen 3,5 Prozent zustimmen.

Denn im Gegensatz zu vergangenen Streiks der Fluglotsen und Piloten gehörten die Sympathien der Öffentlichkeit weitgehend der Belegschaft. Das verdanken die Gewerkschafter aus Sicht eines Insiders auch Bundessozialministerin Ursula von der Leyen. Die hatte mitten im Streik verkündet, Beschäftigte mit Einkommen von 2200 Euro und weniger seien von Altersarmut bedroht. „Da unsere Einstiegslöhne deutlich niedriger sind, standen wir so da, als ob wir unsere Leute als Rentner an den Bettelstab zwingen“, schimpft der Insider.

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