Lufthansa, Air China und Air Berlin: Carsten Spohrs Tanz mit dem Teufel

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Lufthansa, Air China und Air Berlin: Carsten Spohrs Tanz mit dem Teufel

, aktualisiert 20. September 2016, 10:43 Uhr
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Lufthansas Allianzen sind ein gewagtes Risiko.

von Rüdiger Kiani-Kreß und Lea Deuber

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will durch Kooperationen mit Air Berlin und Air China das bröckelnde Geschäft in Europa und Asien retten. Die beiden Deals haben viel gemeinsam – vor allem das hohe Risiko.

Wer den Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Verlegenheit bringen wollte, musste ihn zuletzt nur auf zwei Probleme ansprechen: Wann bekommt der konzerneigene Billigflieger Eurowings die versprochenen neuen Partner? Und warum wehrt sich Lufthansa nicht gegen die übermächtige Konkurrenz der Fluglinien vom Golf? „Glauben Sie mir bitte, da kommt bald was“, beschwor der 49-Jährige regelmäßig seine Zuhörer.

Nun kann er endlich Antworten liefern. In den kommenden Tagen wird er beide Probleme mit den gleichen Mitteln angehen: neue Kooperationen.

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Am Dienstag unterschrieb Spohr in Chinas Hauptstadt Peking einen Vertrag, der sein Fluggeschäft ins bevölkerungsreichste Land der Welt in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der staatlichen Air China packt.

Eine Woche später soll sein Aufsichtsrat eine Kooperation mit Air Berlin und deren Haupteigentümer Etihad beschließen. Der Kern: Die rund 40 Flugzeuge der Hauptstädter in Köln, Hamburg, München und Stuttgart fliegen künftig inklusive Besatzung für Eurowings. Dazu will Lufthansa mit Air-Berlin-Hauptaktionär Etihad aus Abu Dhabi zusammenarbeiten. Offiziell äußert sich derzeit keines der beteiligten Unternehmen.

Die Abkommen haben scheinbar wenig miteinander zu tun. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt drei Gemeinsamkeiten.

1. Die Deals sollen lästige Angreifer bremsen

Die aktuellen Verkehrsstatistiken der Lufthansa zeigen vor allem zwei Problemfelder: Europa und Asien. Wegen der wachsenden Konkurrenz sind in beiden Regionen zuletzt die Zahl der Passagiere und die Auslastung der Maschinen gesunken. Letzteres trifft Airlines besonders hart. Angesichts der hohen Fixkosten im Fluggeschäft, drückt ein Umsatzrückgang beim Ticketverkauf in fast voller Höhe den Gewinn. Das sollen die Kooperationen zumindest bremsen.

Wie es bei der Lufthansa besser werden soll

  • Verbesserung des Services

    Service:andere sind besser
    Lösung:mehr und besser maßgeschneiderte Angebote

  • Hohe Kosten

    Kosten:sind zu hoch
    Lösung:schlankere Abläufe und neue Ansätze

  • Notwendige Veränderungen

    Veränderungen:dauern viel zu lange
    Lösung:Probierkultur statt perfekt geplanter Programme

  • Probleme mit der Wartungstochter

    Wartungstochter:Technologievorsprung bröckelt
    Lösung:neue Geschäftsfelder mit anspruchsvolleren Produkten

  • Umgang mit Frachten

    Fracht:wachsende Billigkonkurrenz
    Lösung:automatisierte Abfertigung und neuer Hightechservice

Klappt die Zusammenarbeit mit Air Berlin, hilft das Lufthansa vor allem in Deutschland. Dann fällt die Hauptstadtlinie nicht nur in München oder Hamburg als lästiger Konkurrent aus und sichert der Lufthansa so vor allem den lukrativen Verkehr mit Geschäftsreisenden morgens und abends.

Der Pakt sichert Lufthansa auch deren wertvolle Startrechte bevor sie sich andere nehmen. Mit ihrem anhaltenden Schrumpfkurs hat Air Berlin zuletzt vor allem in Köln und München Platz für Wettbewerber wie Ryanair oder Transavia gemacht. Bei einem plötzlichen Kollaps der Berliner könnten auch weitere aggressive Angreifer mit vollen Taschen, wie Easyjet, die Lücke füllen. Das würde Lufthansa mehr zusetzen als die finanzschwache Air Berlin. Die Gefahr wäre nach einer Übernahme nun erstmal gebannt.

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