Lufthansa: Airline droht im Streit um neue Buchungsgebühr Milliarden-Loch

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Die Ankündigung zur Einführung einer neuen Ticketgebühr bringt der Lufthansa Ärger ein.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Lufthansa droht ein Umsatzverlust von bis zu einer Milliarde Euro bei ihrer wichtigsten Kundengruppe, den Geschäftsreisenden deutscher Unternehmen. Hintergrund sind neue Richtlinien des Konzerns für Buchungsgebühren.

„Unsere Mitglieder haben in einer Umfrage die deutliche Bereitschaft gezeigt, Reisen zu anderen Airlines zu steuern, wenn Lufthansa die Pläne wie angekündigt umsetzt“, sagte Dirk Gerdom, Präsident des Geschäftsreiseverbands VDR und Vice President Global Mobility beim Softwareriesen SAP, der WirtschaftsWoche.

Laut Branchenkennern könnten die VDR-Mitglieder, darunter Großunternehmen wie Siemens und der Pharmakonzern Merck, bis zur Hälfte ihrer gut zwei Milliarden Euro Jahresumsatz von der Lufthansa zu anderen Fluglinien oder der Bahn verlagern.

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Grund des Ärgers ist die von Lufthansa-Chef Carsten Spohr angekündigte neue Ticketgebühr. 16 Euro muss jeder Passagier zahlen, der vom 1. September an Flüge nicht online auf einer der Lufthansa-Seiten bucht, sondern über Reservierungssysteme wie Amadeus, die in Reisebüros, Konzernreisestellen und auf Urlaubs-Web-Sites Standard sind. Damit will Lufthansa jährlich 250 Millionen Euro einsparen. Das wäre etwa ein Drittel des operativen Gewinns im Jahr 2014.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Eine Abkehr der VDR-Mitglieder von der Lufthansa träfe auch die Vielflieger im Lufthansa-Bonusprogramm Miles & More. Buchen ihre Arbeitgeber sie künftig vermehrt auf andere Linien, sammeln sie weniger Lufthansa-Meilen.

Die Lufthansa glaubt jedoch, dass die Geschäftsleute nicht wechseln werden. „Wir rechnen nicht mit weniger Buchungen“, sagte Vertriebschef Jens Bischof der WirtschaftsWoche. Er verweist darauf, dass Lufthansa als Amadeus-Alternative künftig eigene Firmen-Webseiten anbietet.

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