Lufthansa: Carsten Spohr sagt SAS-Übernahme ab

Lufthansa: Carsten Spohr sagt SAS-Übernahme ab

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Die Lufthansa will den skandinavischen Konkurrenten SAS doch nicht übernehmen.

Deutschlands größte Airline will doch nicht den skandinavischen Konkurrenten SAS übernehmen. Statt einer Übernahme will Lufthansa-Chef Carsten Spohr jetzt eine "intensivere Kooperation" ausloten.

Die Lufthansa legt die Pläne für eine Übernahme der skandinavischen Fluglinie SAS vorerst zu den Akten. "Wir haben uns entschieden, nicht zu investieren", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstagabend auf einem Branchenkongress in Dublin. "Stattdessen suchen wir nach Wegen für eine intensivere Kooperation."

Nach Bekanntwerden der Absage musste die Lufthansa-Aktie den Großteil ihres Tagesgewinns von bis zu 1,5 Prozent wieder abgeben. Aktuell notiert das Papier 0,16 Prozent im Plus.

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Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Mitte April aus Konzernkreisen berichtet, dass Lufthansa mit SAS seit Herbst über einen Schulterschluss verhandelt. Diskutiert wurden nicht nur eine Übernahme, sondere auch andere Formen der Zusammenarbeit. So könnte SAS etwa an die neue Lufthansa-Billigtochter Eurowings angedockt werden, hatten Insider gesagt. Firmenintern waren die Pläne aber auch kritisiert worden, da SAS sanierungsbedürftig ist.

SAS-Chef Rickard Gustafson sagte nun, dass sein Unternehmen sich mit der deutschen Airline im ständigen Austausch befinde. Beide Seiten wollten jetzt ausloten, wie die Zusammenarbeit fortgeschrieben werden könnte. "Derzeit ist es noch zum früh, um über Details der Zusammenarbeit zu sprechen", sagte er. Die Fluggesellschaften sind alte Bekannte, da sie beide dem Flugbündnis Star Alliance angehören.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Für die Tochter Eurowings hat Lufthansa-Chef Spohr große Pläne: Die Flotte soll Unternehmens-Insidern zufolge auf 220 bis 230 Flugzeuge wachsen von derzeit knapp 90, damit die Gesellschaft mit den Marktführern Ryanair und Easyjet mithalten kann. Zudem sieht der 49-jährige Eurowings als Mittel, um bei einer Neuordnung der Branche mitzumischen. "Wir als Europas Nummer eins wollen bei einer Konsolidierung dabei sein und nicht nur zugucken", hatte der ausgebildete Pilot auf der Hauptversammlung des Konzerns Ende April gesagt. Im Visier ist dabei zunächst Brussels Airlines - an der Gesellschaft hält die Kranich-Linie bereits 45 Prozent und prüft den Kauf der restlichen Anteile.

Hinter den Kulissen arbeitet das Management nach Aussagen von Insidern noch an einem weiteren Deal: Seit Monaten verhandelt die Lufthansa mit dem Rivalen Condor über eine Partnerschaft, hatten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen Ende April zu Reuters gesagt. Die Gespräche könnten in einer Übernahme resultieren. Für die Lufthansa wäre die Einkaufstour ein Strategieschwenk: Seit dem Kauf von Austrian Airlines 2009 war der Konzern damit beschäftigt, Töchter zu sanieren oder zu verkaufen.

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