Lufthansa: Carsten Spohr verteidigt neue Preisstrategie

Lufthansa: Carsten Spohr verteidigt neue Preisstrategie

Bild vergrößern

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Während die Lufthansa mit neuen, umstrittenen Preissystemen daran arbeitet, wettbewerbsfähiger zu werden, gibt es zumindest an der Pilotenfront Hoffnung: in Tarifverhandlungen nähern sich Airline und Piloten wieder an.

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hat seine neue Preisstrategie erneut verteidigt. Es handele sich dabei um einen wichtigen Schritt im "Kampf um die Zukunftsfähigkeit", sagte der Konzernchef am Dienstagabend im Gespräch mit Journalisten in Frankfurt. Nur so sei die Lufthansa auch zukünftig dem harten Wettbewerb in der Branche gewachsen. "Wenn die Low-Cost-Airlines in die Drehkreuze gehen, sind wir vorbereitet", sagte Spohr.

Grund für den höheren Wettbewerbsdruck ist unter anderem die Deutschland-Expansion des Billigrivalen Ryanair. Während auf den Strecken innerhalb Europas die Billigflieger der Lufthansa das Leben schwer machen, sind es auf der Langstrecke die Airlines aus den Golfstaaten wie Emirates oder Ethihad. In Europa will die Lufthansa dem Problem mit einem neuen Ticketsystem begegnen. Dieses ist umstritten, vor allem Geschäftskunden sorgen sich, in Zukunft mehr zahlen zu müssen.

Anzeige

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Für Spohr überwiegen dagegen die Vorteile der Dreiteilung des Economy-Tarifs innerhalb Deutschlands und Europas in Light, Classic und Flex. "Die Kunden bezahlen nur, was sie nutzen", sagt Spohr. Er glaube, dass viele das so wollen. Dennoch räumt er ein, dass der Wettbewerbsdruck für die Kranich-Airline immer größer wird. Für einige Flugzeuge habe man keine Strecken mehr und entsprechend auch zu viele Piloten, erklärt der Lufthansa-Chef. Es gäbe Strecken, die die Fluglinie gerne anbieten würde, die aber aufgrund der großen Konkurrenz nicht wirtschaftlich wären.

Gespräche mit Piloten wieder aufgenommen

Grund zur Sorge der Geschäfts- und Vielflieger waren auch immer wieder die streikfreudigen Lufthansa-Piloten. Hier gab Spohr leichte Entwarnung. "Ich bewerte es sehr positiv, dass Cockpit nach mehreren Jahren der Verhandlungen erstmals mit einem Angebot auf uns zugekommen ist, das Kosteneinsparungen beinhaltet", sagte der Konzern-Chef. Cockpit habe eingesehen, dass die Lufthansa in dem Streit um die Frühpension für 5400 Piloten und den Ausbau der Billigfluglinie Eurowings auch nach zahlreichen Streiks nicht nachgebe.

Lufthansa Warum Zoff mit Vielfliegern und Geschäftsreisenden droht

Die Lufthansa stellt ihre Ticketpreise um. Das stößt der treuesten Kundengruppe sauer auf. Für viele Geschäftsreisende und Vielflieger bringen die neuen Tarife steigende Kosten und Zoff ums Handgepäck.

Lufthansa stimmt seine Mitarbeiter und Passagiere auf einen strikten Sparkurs ein. Quelle: dpa Picture-Alliance

Nach einer schnellen Einigung sieht es dennoch nicht aus. Die Gespräche mit der Gewerkschaft seien wieder aufgenommen. An die von Cockpit erhoffte schnelle Einigung in einem Monat glaube er aber nicht. "Der Termin Anfang September für eine Lösung des Konflikts ist nicht realistisch aufgrund der Komplexität der Themen", sagte Spohr.

Anfang Juli war eine Schlichtung zuletzt in der Vorbereitung gescheitert. Wenige Wochen später boten die Piloten an, ein vom Vorstand angebotenes Bündnis für Wachstum und Beschäftigung mitzutragen. So ist Cockpit bereit, die Pilotengehälter mit anderen Airlines zu vergleichen. Auch bei der Frührente kommt die Gewerkschaft der Kranich-Fluglinie entgegen. Im Gegenzug soll die Lufthansa Jobs und Aufstiegsperspektiven für alle in Deutschland bei Lufthansa angestellten Piloten garantieren und das Ausflaggen von Cockpitarbeitsplätzen stoppen. Knackpunkt ist hier, dass der Vorstand die neue Billigtochter Eurowings in Österreich ansiedelt. Cockpit fürchtet dort niedrigere Löhne und einen Verlust an Mitsprache, da die Gewerkschaft nur in Deutschland Tarifverträge abschließen kann.

weitere Artikel

Aus Sicht der Lufthansa ist der rasche Ausbau von Eurowings allerdings überlebenswichtig, um den Vormarsch der Billigrivalen Ryanair und Easyjet zu stoppen. Eurowings soll mit 30 bis 40 Prozent niedrigeren Kosten fliegen als die Lufthansa selbst - also auf Easyjet-Niveau.

Eine Einigung mit der Gewerkschaft wäre auch kostenseitig positiv, denn die bisherigen Streiks waren für die Lufthansa teuer. Im ersten Halbjahr 2015 summierten sich die Gewinneinbußen auf 100 Millionen Euro. Ohne die Belastungen will die Lufthansa in diesem Jahr einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) von mehr als 1,5 Milliarden Euro einfliegen. "Es wäre das beste Ergebnis in der Lufthansa-Geschichte", sagte Spohr.

Verständlich, dass der Konzernchef den hohen Gewinn mehrfach nannte. Unerwähnt blieb allerdings der Hauptgrund für das gute Ergebnis: der niedrige Ölpreis. Kerosinpreise sind der größte Kostentreiber, die Airline dürfte im laufenden Jahr rund 200 Millionen Euro an Treibstoffkosten einsparen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%