Lufthansa: Carsten Spohrs Suche nach der Stabilität

Lufthansa: Carsten Spohrs Suche nach der Stabilität

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Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht auf der Hauptversammlung der Lufthansa Group.

von Stephan Happel

Die Lufthansa kämpft mit großen Problemen. Auf der Hauptversammlung versucht Konzernchef Carsten Spohr Ruhe in den Konzern zu bringen. Er deckelt Investitionen und geht im Tarifkonflikt auf seine streitbaren Piloten zu.

Es hätte Carsten Spohrs großer Moment werden können. Einer, in dem er als großer Lenker gefeiert wird. Als einer, der die Lufthansa wieder auf Kurs bringt und mit den ersten Schritten im größten Investitionsprogramm der Konzerngeschichte den richtigen Weg einschlägt.

Doch bei Spohrs Premiere als Vorstandschef auf der Lufthansa-Hauptversammlung gab es wenig Grund zur Euphorie. Stattdessen ging es vor allem darum, für Ruhe zu sorgen. Sein erstes Jahr als Konzernlenker war ein schwieriges. Mit dem Germanwings-Unglück fand es im März einen schrecklichen Tiefpunkt.

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Der Schock über die Katastrophe ist längst nicht überwunden, die Betroffenheit auch bei den Aktionären groß. "Niemand auf Erden ist in der Lage, das unsagbare Leid wieder gutzumachen", sagt Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber. Spohr spricht von "Fassungslosigkeit, Entsetzen und Trauer".

Die wichtigsten Kennzahlen der Lufthansa

  • Umsatz

    2015: 32,1 Mrd Euro

    2014: 30,011 Mrd Euro
    2013: 30,027 Mrd Euro

    Quelle: Lufthansa

  • Operatives Ergebnis

    2015: 1,8 Mrd Euro

    2014: 954 Mio Euro
    2013: 699 Mio Euro

  • Konzernergebnis (IFRS)

    2015: 1,69 Mrd. Euro

    2014: 55 Mio Euro
    2013: 313 Mio Euro

  • Fluggäste

    2015: 107 Mio

    2014: 106 Mio
    2013: 104,6 Mio

  • Marge

    Vergleichbare operative Marge:

    2015: 5,2 %

    2014: 3,7 %

    2013: 3,0 %

  • Mitarbeiter

    2015: 119.559

    2014: 118.973
    2013: 117.414

Trotzdem muss sich Deutschlands größte Fluglinie wieder mit aller Kraft den Problemen des Kerngeschäfts zuwenden. Und die sind groß: Der Umsatz stagniert. Die Ergebnismarge der Lufthansa liegt mit 3,18 Prozent weiter unter der von Billiglinien wie Ryanair (13,07 Prozent) und Easyjet (12,83 Prozent). Das Betriebsergebnis der Lufthansa ist im vergangenen Geschäftsjahr deutlich gefallen. Nach Berechnung nach dem Handelsgesetzbuch machte Lufthansa 732 Millionen Euro Minus – und strich seinen Aktionären deshalb die Dividende.

Nicht nur die ausbleibende Ausschüttung  treibt diese auf die Barrikaden. Sie wollen wissen, wie Spohr die drängenden Probleme in Griff kriegen will, die die Lufthansa seit Jahren belasten: Die Preiskämpfe mit Billiglinien wie Ryanair haben den Ticketpreis im Passagiergeschäft fallen lassen. Die arabischen Golf-Linien mischen den Wettbewerb zusätzlich auf und setzen die Lufthansa unter Druck. Viele Strecken sind wenig profitabel und die Stimmen, die eine Schrumpfkur im Passagiergeschäft für den richtigen Weg halten, mehren sich.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Von einer grundsätzlichen Kursänderung will Spohr nichts wissen. In seiner Rede vor den Aktionären hielt er am Mittwochmorgen an der Weiterentwicklung des bisherigen Programms fest. „Wir brauchen finanzielle Stabilität mit einer gesunden Profitabilität. Gleichzeitig müssen wir unsere Flotte und unsere Infrastruktur kontinuierlich modernisieren und die dafür notwendigen Investitionen sicherstellen“, sagte der Lufthansa-Chef.

Das Zukunftskonzept fußt auf drei Säulen: Mit der neugeschaffenen Marke Eurowings will Spohr die breite Masse mit Billig-Flügen in Europa und auf der Langstrecke versorgen. Die Kernmarke Lufthansa selbst soll zur Fünf-Sterne-Linie werden und höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Etwas, dass bislang nur einer Handvoll Linien aus Asien und den Konkurrenten aus dem Mittleren Osten gelungen ist. Die Service-Töchter der Lufthansa - darunter Technik, Fracht und Catering - sind schon jetzt Umsatz- und Profitbringer des Konzerns.

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