Lufthansa: Darum droht Zoff mit Vielfliegern und Geschäftsreisenden

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Lufthansa: Darum droht Zoff mit Vielfliegern und Geschäftsreisenden

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Lufthansa stimmt seine Mitarbeiter und Passagiere auf einen strikten Sparkurs ein.

von Stephan Happel und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Lufthansa stellt ihre Ticketpreise um. Das stößt der treuesten Kundengruppe sauer auf. Für viele Geschäftsreisende und Vielflieger bringen die neuen Tarife steigende Kosten und Zoff ums Handgepäck.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlt die glückliche Hand. Kaum hat er seine neue Tarifstruktur in die Welt gesetzt, hagelt es auch schon Protest. Die Lufthansa verliere ihren Status als Premium-Airline, ätzt ein Kunde. Und Hans-Ingo Biehl, Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) und Interessenvertreter der Geschäftsreisenden, sagt gegenüber der WirtschaftsWoche. „Nun muss man mehr zahlen, um Nachteile zu vermeiden.“

Lufthansa "Light", "Classic" und "Flex" Das ist die neue Lufthansa

Traditionelle Ticketpreise ade: Lufthansa-Kunden können ab Oktober in der Economy-Class mit verschiedenen Tarifen fliegen. Was die neuen Angebote beinhalten – und warum die Annäherung an die Billig-Airlines nötig ist.

Die Lufthansa bietet neue Tarife für die Economy Class. Quelle: dpa

Mit der neuen Dreiteilung des Economy-Tarifs innerhalb Deutschlands und Europas in Light, Classic und Flex droht Spohr sich Ärger ausgerechnet mit seinen wertvollsten Kunden einzuhandeln: den Vielfliegern und Geschäftsreisenden. Zwar setzen nicht nur Billig-Airlines, sondern auch klassische Wettbewerber wie Air France und British Airways auf diese Strategie: Wer mehr Service möchte, zahlt auch mehr. Indem Spohr auf diese Strategie einschwenkt, beraubt er sich jedoch eines bisherigen Wettbewerbsvorteils, zulasten seiner treuesten Fluggäste.

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„Für die meisten Geschäftsreisenden dürfte der Flug mit Lufthansa in Zukunft teurer werden“, sagt Gerd Pontius von der Luftfahrt-Beratung Prologis. Zwar wirbt die Lufthansa im Light-Tarif mit Tickets ab 89 Euro für Hin- und Rückflug. Doch das ist kaum mehr als ein Lockangebot. „Der Light-Tarif dient vor allem dazu, sich beim Kunden im Preisvergleich attraktiver zu machen“, sagt Pontius. „Während der Buchung werden aber viele in die teureren Tarife wechseln.“

Rigidere Gepäckregeln

Grund sind die Fluggewohnheiten dieser Kunden. Geschäftsreisende benutzen meist dickere Trolleys, in denen sie Laptop, Unterlagen und gern auch die Zweitgarderobe verstauen. Obwohl das alles meist mehr als die erlaubten acht Kilo wiegt, waren Lufthansa-Mitarbeiter bislang meist kulant - auch im Wissen, dass selbst Billig-Flieger wie Ryanair und Easyjet großzügigere Maßstäbe anlegen.

Doch: „Beispiele aus den USA zeigen, dass Airlines solche Tarifumstellungen dazu benutzen, rigidere Gepäckregeln einzuführen“, sagt Branchenkenner Pontius. Auch bei der Lufthansa ist künftig offenbar Schluss mit allzu viel Großzügigkeit. „Mit der Einführung der neuen Tarife werden wir einerseits noch besser über die Handgepäckregeln informieren, andererseits auch deren Einhaltung sicherstellen“, erklärte die Lufthansa gegenüber der WirtschaftsWoche. „Es wird bei uns nicht dazu kommen, dass große Gepäckstücke mit in die Kabinen genommen werden.“

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Lufthansa-Fluggästen mit dickem Trolley bleibt so nur, einen Koffer für 15 bis 30 Euro hinzuzubuchen oder in den Tarif „Classic“ zu wechseln. Der kostet mindestens 129 Euro. Das sind 30 Euro mehr als der bisherige Tarif, der die Aufgabe eines Koffers einschloss.

Damit ist Zoff vorprogrammiert. Das lehren die Erfahrungen von Lufthansa-Wettbewerberin Air Berlin, die 2012 im Zuge einer ähnlichen Tarifumgestaltung auf Einhaltung der Handgepäckregel pochte. Die Kontrollen machten das Gate zum Nadelöhr, weil die Abfertigung länger dauerte. Das sorgte für Frust bei den Kunden. Als die Verzögerungen die Kosten erhöhten, ruderte Air Berlin zurück.

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