Lufthansa: Ein Verspätungsproblem namens Eurowings

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Lufthansa: Ein Verspätungsproblem namens Eurowings

Die Lufthansa versucht, massive Verspätungen beim Billigableger Eurowings in den Griff zu bekommen. Stundenlange Verzögerungen vergrätzen derweil so manchem Passagier den Urlaub – und der Fluglinie den Ruf.

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Der Ruf des Lufthansa-Billigablegers Eurowings leidet derweil unter massiven Verspätungen.

Die Lufthansa-Spitze bemüht sich um Schadenbegrenzung. Man werde alles tun, „um diese Dinge schnellstmöglich abzustellen“, erklärt Lufthansa-Vorstandsmitglied Karl Ulrich Garnadt dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

„Diese Dinge“, das sind die eklatanten Verspätungen, mit denen die neugestartete Billig-Tochter für Unmut sorgt. Dass der Vorstand sich persönlich dafür entschuldigt, zeigt, wie belastend sie für den Konzern sind.

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Mehr als zwei Monate nach dem Start des Billigabelgers kämpft die Lufthansa noch immer mit Problemen bei Eurowings. Zuletzt hatte der Internetdienstleister Fairplane vorgerechnet, dass im November und Dezember von insgesamt 126 Langstreckenflügen der Eurowings 31 verspätet waren, im Schnitt um 5,8 Stunden. Schlimmer als die Deutsche Bahn, spotten sie bereits.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Wie die Lufthansa jetzt einräumte, haben 13 Prozent der Langstreckenflüge sogar eine Verspätung von mehr als drei Stunden. Trauriger Negativ-Rekord: In der vergangenen Woche landete ein Eurowings-Flieger aus Kuba erst mit 68 Stunden Verspätung in Köln.

Solche Zwischenfälle sind Wasser auf die Mühlen der Kritiker des Eurowings-Konzepts. Von Beginn an wurde die Billiglinie konzernintern skeptisch betrachtet. Vor allem die Piloten befürchteten den Verlust vieler Privilegien, weil die Billiglinie nicht an den Haustarif gebunden ist, - und liefen gegen Eurowings Sturm.

Auch der Plan, mit Eurowings die Langstrecke zu Niedrigpreisen zu fliegen, wurde früh kritisiert. So einfach sei es nun mal nicht, mit Sparmaßnahmen auf der Langstrecke zu punkten. „Wenn man beim Aufbau einer Fluggesellschaft die Flugzeuge zu hundert Prozent verplant und keine Reserven hat, wundert es nicht, dass es Probleme gibt“, kommentierte jüngst ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

Auch Lufthansa-Vorstand Garnadt muss jetzt einräumen, einzelne Aspekte nicht richtig eingeschätzt „und offenbar nicht genug Reserven eingebaut“ zu haben. Jetzt soll eine eigens gegründete Task Force die Probleme lösen.

„Ich bin sicher, dass wir die Anfangsschwierigkeiten überwinden werden“, so Garnadt. Die Task Force solle analysieren, „was schiefgelaufen ist“ und rasch dafür sorgen, dass das Angebot „stabiler, zuverlässiger und damit berechenbar ist“. Die Langstreckenflüge von Eurowings werde man „bald auf ein Pünktlichkeitsniveau bringen, das die Kunden zu recht von uns erwarten“.

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Trotz der Probleme sei Eurowings sehr gut am Markt angekommen. „Die Flugzeuge sind voll, die Buchungen liegen über unseren Erwartungen“, sagte der Manager. Doch die Verzögerungen kommen  die Lufthansa teuer zu stehen. Zusätzlich zu den ohnehin entstandenen Kosten der Verspätung wollen auch die Kunden entschädigt werden. Passagiere, die die Tortur des verspäteten Kuba-Flugs erhielten etwa 600 Euro pro Person und einem Fluggutschein im Wert von 250 Euro.

Zudem kratzen die Verspätungen am Image von Eurowings – und wohl auch an dem des gesamten Lufthansa-Konzerns. Die Verbindung nach Dubai stellt das Unternehmen als Reaktion auf die Verspätungen bereits ein, die Flüge übernimmt die Muttergesellschaft Lufthansa.

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