Lufthansa: Finanzchefin Simone Menne legt ihr Amt nieder

Lufthansa: Finanzchefin Simone Menne legt ihr Amt nieder

, aktualisiert 10. Juni 2016, 09:17 Uhr
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Simone Menne, Finanzchefin der Lufthansa, legt ihr Amt nieder.

Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne hat sich schon länger mehr zugetraut. Nun verlässt die Herrin der Zahlen den Dax-Konzern für eine neue, noch nicht genannte Aufgabe.

Die Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne hört auf. Die 55-Jährige habe den Aufsichtsrat um eine vorzeitige Beendigung ihres Vorstandsvertrages zum 31. August gebeten. Sie wolle "eine Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung nutzen", teilte die Fluggesellschaft mit. Menne hatte den Posten seit dem 1. Juli 2012 inne, der Vertrag wäre noch rund vier Jahre gültig gewesen. Über die Nachfolge soll dem Dax-Konzern zufolge zeitnah entschieden werden.

Traditionell ist der Posten Finanzchef bei Lufthansa eine Empfehlung für einen Job als Konzernlenker. Ihr Vorgänger Stephan Gemkow wurde oberster Vermögensverwalter der rheinischen Industriedynastie Haniel. Und dessen Vorgänger Karl-Ludwig Kley ist heute Chef des Merck-Konzerns.

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Auch Menne selbst hat wohl schon länger CEO-Ambitionen. Denn auf die Frage, wann denn der erste Dax-Konzern von einer Frau geleitet wird antwortete sie in einem Interview im vorigen Jahr "2017 würde ich tippen." Und sie ergänzte auch gleich, dass sie sich einen solchen Job als CEO zutraut: "Es gibt viele schöne Unternehmen in Deutschland, ich kann mir einige vorstellen."

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Die Lufthansa bedauerte die Entscheidung von Menne, die seit 1989 für den Konzern tätig war. "Sie hat Kurs gehalten und ist auch schwierigen Entscheidungen nie ausgewichen. Wir verlieren eine erfahrene Managerin", erklärte Wolfgang Mayrhuber, Vorsitzender des Aufsichtsrats. Die Diplom-Kauffrau war eine der wenigen weiblichen Führungskräfte bei einem großen deutschen Unternehmen und startete 1989 ihre Karriere bei der Lufthansa als Revisorin. Anschließend begleitete sie zahlreiche Positionen im In- und Ausland.

Auch wenn sich die Aktie im Frankfurter Späthandel kaum bewegte, reagierten Experten überrascht. "Menne war bei Analysten und Investoren eine Schlüsselfigur in einer Zeit, in der die Lufthansa versucht, die Kosten zu senken", sagte der unabhängige Luftfahrt-Experte John Strickland.

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