Lufthansa: Flugbegleiter drohen mit Streik

Lufthansa: Flugbegleiter drohen mit Streik

, aktualisiert 21. Juni 2015, 11:40 Uhr

Nach dem Scheitern eines letzten Vermittlungsversuchs im Tarifstreit zwischen der Lufthansa und den Flugbegleitern werden Streiks wahrscheinlicher. Damit scheiterten jetzt sogar zwei Profi-Schlichter.

Bei der Lufthansa drohen die bislang friedlichen Flugbegleiter mit Streiks. Auch die nun beendete Schlichtung durch die beiden früheren Spitzenpolitiker Herta Däubler-Gmelin und Friedrich Merz habe keine Lösung im Tarifstreit um die Alters- und Übergangsversorgung der Kabinenmitarbeiter der Lufthansa gebracht, teilte die Flugbegleitergewerkschaft Ufo am Samstag mit. Konkrete Schritte kündigte Ufo-Chef Nicoley Baublies zunächst nicht an, sondern verwies auf eine Pressekonferenz am Montag am Frankfurter Flughafen.

Statt einen substantiellen Schlichterspruch abzugeben, appellierten die beiden Vermittler Herta Däubler-Gmelin und Friedrich Merz lediglich an die Tarifparteien, ihre Verhandlungen zur Reform der Versorgungssysteme für rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa unverzüglich wieder aufzunehmen.

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Dies lehnte die Gewerkschaft, die bereits einseitig das Ende der Schlichtung in Gang gesetzt hatte, scharf ab. „Der Versuch einer friedlichen Einigung zur Alters- und Übergangsversorgung der Kabinenmitarbeiter der Lufthansa ist damit gescheitert“, erklärte der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies. Lufthansa halte frühere Vereinbarungen nicht ein „und sprengt mit Ansage den gesamten Prozess“. Lufthansa provoziere so einen weiteren Arbeitskampf.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Das Scheitern der Schlichtung ist nicht überraschend. Ufo lässt seit Wochen durchblicken, dass es keine Fortschritte gibt. Die Empfehlung der Schlichter wurde aber abgewartet, um die Vermittler nicht vor den Kopf zu stoßen. Die Lufthansa begrüßte die Empfehlung, die eine Umstellung der Altersversorgung vorsehe, und erklärte sich jederzeit zu Gesprächen mit Ufo bereit.

Ufo verhandelt seit April 2014 mit der Lufthansa über eine ganze Reihe von Themen, die unter dem Stichwort "Agenda Kabine" zusammengefasst sind. Neben der Forderung von acht Prozent mehr Lohn für zwei Jahre ist vor allem die Altersversorgung umstritten. Der Lufthansa zufolge ist das bisherige System wegen der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten und längeren Rentenzeiten nicht mehr bezahlbar. Eingeführt werden soll deshalb eine Vorsorge, bei der die Mitarbeiter stärker in die Finanzierung eingebunden sind. Angestrebt ist zudem, dass Flugbegleiter, die bereits mit 55 Jahren in Vorruhestand gehen wollen, künftig weniger Geld erhalten.

Es ist nicht der einzige Tarifkonflikt der Kranich-Airline: Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit bestreikte die Lufthansa bis vor kurzem über ein Jahr lang. Dort sind die Ausstände vorerst bis Ende Juli ausgesetzt. Mit der parallelen Schlichtung zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft hat der Kabinenkonflikt nichts zu tun.

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Zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den schwierigen Fragen von Übergangs- und Altersrenten war es in der Schlichtung gar nicht erst gekommen. Ufo hatte dem Unternehmen vorgeworfen, das Angebot noch verschlechtert zu haben und daher einen vorzeitigen Schlichterspruch verlangt. Die Lufthansa begrüßte hingegen den Vorschlag der Schlichter für weitere Gespräche.

Ufo ist nach eigenen Angaben streikbereit, weil eine Urabstimmung der Mitglieder zu einem möglichen Arbeitskampf bereits stattgefunden hat.

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