Lufthansa-Flugbegleiter setzen letzte Frist: Das steckt hinter dem Streit zwischen UFO und Lufthansa

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Lufthansa-Flugbegleiter setzen letzte Frist: Das steckt hinter dem Streit zwischen UFO und Lufthansa

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Drohender Stillstand bei der Lufthansa: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO ist streikbereit.

von Rüdiger Kiani-Kreß und Stephan Happel

Der Streit zwischen Lufthansa und der Gewerkschaft UFO ist eskaliert, ein neuer Arbeitskampf steht bevor. Warum die Schlichtung zwischen Flugbegleitern und Airline kein Erfolg war und welche Folgen ein Streik hätte.

Am mangelnden Kontakt kann es nicht gelegen haben, wenn die Flugbegleiter der Lufthansa bald wieder streiken. Denn Nicoley Baublies, Vorstandsvorsitzender der UFO genannten Gewerkschaft der Flugbegleiter, rief Lufthansa-Chef Carsten Spohr sogar auf dem Handy an, als der vor zwei Wochen am Flughafen Miami auf seinen Rückflug von der Jahrestagung des Weltluftfahrtverbands wartete. Es war wohl einer der letzten Versuche, den Zwist zwischen Fluglinie und Flugbegleitern friedlich zu lösen.

Geholfen hat der enge Draht ebenso wenig wie die gut neunmonatigen Verhandlungen der Tarifparteien. Wenn Spohr seiner Kabinenbesatzung bis Mittwoch kommender Woche kein neues Angebot macht, droht ihm der 13. Streik innerhalb von gut einem Jahr. Und erstmals könnte ein Ausstand zur Hauptreisezeit Tausende Passagiere an Flughäfen im In- und Ausland festsetzen.

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Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist passiert?

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO (19.000 Mitglieder) hat Deutschlands größter Airline Lufthansa am Montag nach gescheiterten Verhandlungs- und Schlichtungsversuchen mit einem Streik des Kabinenpersonals gedroht. „Das wird kein kurzer Arbeitskampf“, kündigte Baublies an. Kommt die Lufthansa den Forderungen der Gewerkschaft nicht nach, soll es mindestens bis zum 16. September Arbeitsniederlegungen geben. Das besondere am Flugbegleiter-Streik: UFO will bereits am 1. Juli alle Streiktermine nennen und empfiehlt Passagieren „an diesen Tagen nicht die Lufthansa zu nutzen“. Erst am jeweiligen Streiktag wird die Gewerkschaft jedoch sagen, in welchen Bereichen gestreikt wird. Der angedrohte Streik fällt damit genau in die Zeit der Sommerferien. Er würde tausende Reisende treffen.

Welche Auswirkung hätte ein Streik?

Stillstand. Flugbegleiter sind schon rechtlich für den Luftverkehr entscheidend. Pro angefangene 50 Passagiere muss eine ausgebildete Kraft an Bord sein. Nicht um Saft zu bringen, sondern um die Sicherheit zu gewährleisten. Im Ernstfall müssen alle Fluggäste in maximal 90 Sekunden aus dem Flieger gebracht werden könne. Das geht nur mit gut ausgebildetem Personal.

Als die Lufthansa-Flugbegleiter im September 2012 bundesweit streikten, musste die Airline weit mehr als die Hälfte ihrer Flüge streichen. Über 100.000 Reisende waren damals von dem eintägigen Ausstand betroffen. In jüngster Vergangenheit hatten die Pilotenstreiks gezeigt, was passiert, wenn zentrale Kräfte bei der Lufthansa streiken.

Wie lang kann ein Streik dauern?

Derzeit ist rasches Einlenken von keiner der beiden Seiten zu erwarten. Gestreikt wird in der Regel, bis der Arbeitskampf für das Unternehmen teurer wird als das Nachgeben. Die Last der Personalaufwendungen ist für die Lufthansa so hoch, dass die Fluglinie lange durchhalten muss, will sie den geplanten Konzernumbau wie geplant stemmen.

Auch UFO dürfte sich einen Streik länger leisten können, in den vergangenen Jahren war die Gewerkschaft bei Arbeitskämpfen zurückhaltend. In der Streikkasse dürfte noch ein ordentliches Polster liegen. Zudem hilft das Tarifeinheitsgesetz wenig. Anders als bei der Lokführer-Gewerkschaft GDL braucht UFO das neue Gesetz nicht zu fürchten. Flugbegleiter stellen die Mehrheit beim Personal und sind überwiegend bei UFO Mitglied.

Kann der Streik noch abgewendet werden?

Ja. UFO hat der Lufthansa eine Frist gesetzt: Bis zum 30. Juni, Punkt 9 Uhr, hat die Airline noch Gelegenheit entscheidenden Forderungen bei der Altersversorgung nachzukommen und der Gewerkschaft ein neues Angebot vorzulegen. Passiert das nicht, wird gestreikt.

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Worum geht es überhaupt?

Die Kabinen-Gewerkschaft UFO verhandelt seit April 2014 mit der Lufthansa. Unter der Überschrift „Agenda Kabine“ geht es um ein ganzes Bündel von Ansprüchen: Für Streit sorgen insbesondere die Forderung von acht Prozent mehr Lohn für die kommenden zwei Jahre und die sogenannte Übergangsversorgung. Der Streit tobt nur am Rande um höhere Gehälter. Im Kern geht es um die Sanierung der Lufthansa. Hier streiten die Gewerkschaft UFO und die Lufthansa, wer welchen Beitrag zur Sanierung der Fluglinie leistet. Weil die Lufthansa trotz aller Probleme ihren Anteilseignern für dieses Jahr noch 1,5 Milliarden Euro operativen Gewinn und eine ordentliche Dividende verspricht, bluten aus Sicht der Beschäftigten die Mitarbeiter zu viel und die Investoren zu wenig.

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