Lufthansa: Kunden drohen strengere Kontrollen beim Handgepäck

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Lufthansa-Kunden drohen rigidere Kontrollen beim Handgepäck.

von Stephan Happel und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Lufthansa wird nach Einführung der neuen Tarifstruktur bei Flügen innerhalb Deutschlands und Europas das Gewicht des Handgepäcks konsequent kontrollieren.

Passagiere der Lufthansa müssen sich darauf einstellen, dass ihr Handgepäck schärfer kontrolliert werden könnte. Mit der Umstellung der Tarifstruktur werde die Lufthansa stärker auf die Einhaltung der Gewichtsgrenzen von acht Kilogramm achten, kündigte die Fluggesellschaft gegenüber der WirtschaftsWoche an. „Mit der Einführung der neuen Tarife werden wir einerseits noch besser über die Handgepäckregeln informieren, andererseits auch deren Einhaltung sicherstellen“, erklärte die Lufthansa. „Es wird bei uns nicht dazu kommen, dass künftig große Gepäckstücke mit in die Kabinen genommen werden.“

Bislang profitierten vor allem Geschäftsreisende häufig davon, dass die Lufthansa ihre eigentlich zu großen und zu schweren Trolleys mit Laptop, Geschäftsunterlagen und Wechselkleidung im Handgepäck tolerierte.

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Zuletzt hatte Lufthansa ihre Tarifstruktur für Europa-Flüge angepasst und drei Preisstufen für Tickets der Economy-Klasse eingeführt. Im günstigen Light-Tarif ab 89 Euro ist nur die Mitnahme von Handgepäck bis maximal acht Kilogramm erlaubt. Wer einen größeren Koffer aufgeben will, muss den teureren Classic-Tarif für mindestens 129 Euro buchen oder Zuschläge auf den Light-Tarif zahlen.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Beim Maximalgewicht ist Lufthansa schon heute strenger als etwa Billigflieger Ryanair, der zehn Kilo erlaubt, und Easyjet, wo ganz auf eine Gewichtsbeschränkung für Handgepäck verzichtet wird.

Nur im nochmals teureren „Economy-Flex-Tarif“ ist kostenloses Umbuchen möglich und die Möglichkeit zur Erstattung des Flugpreises gegen Gebühr enthalten.

Bei Vielfliegern und Geschäftsreisenden stoßen die neuen Economy-Tarife auf Kritik. Sie befürchten Preissteigerungen und mangelnde Transparenz. „Nun muss man mehr zahlen, um Nachteile zu vermeiden“, sagte Hans-Ingo Biehl, Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), der WirtschaftsWoche.

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