Lufthansa: Neue Gebühr bestraft Fremdbucher

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Lufthansa: Neue Gebühr bestraft Fremdbucher

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Lufthansa straft Fremdbucher: Die Extrabuchungsgebühr könnte das Unternehmen teuer zu stehen kommen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Lufthansa führt eine neue Extrabuchungsgebühr ein. Das könnte die Fluglinie eine Milliarde Euro Umsatz kosten – und Vielflieger ihre Privilegien bei Miles & More.

Auf wenig reagiert Lufthansa-Chef Carsten Spohr so unwirsch wie auf den Vorwurf, er spare fast nur am Personal: „Wir können gar nicht anders, als in allen Bereichen effizienter zu werden.“ Sein jüngstes Sparprojekt trifft tatsächlich nicht die Belegschaft. Probleme macht es trotzdem: Statt hoher Ersparnisse drohen Umsatzverluste von mehr als einer Milliarde Euro. Und es steht Ärger mit Vielfliegern ins Haus, die Privilegien im Bonusprogramm Miles & More verlieren.

Anfang Juli hatte Spohr eine neue Gebühr für alle Lufthansa-Fluglinien verkündet. 16 Euro muss jeder Passagier zahlen, der vom 1. September an Flüge nicht online auf der Lufthansa Seite bucht, sondern über Reservierungssysteme wie Amadeus, die in Reisebüros, Konzernreisestellen und auf Urlaubs- Web-Sites Standard sind. Das soll gut jährlich 250 Millionen Euro Jahr bringen – ein Drittel des operativen Gewinns im Jahr 2014.

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Dass Online-Reiseseiten wie Expedia über die Gebühr schimpfen, war abzusehen: Sie fürchten, dass andere Fluglinien nachziehen und Urlauber mit der Aussicht auf Ersparnis direkt auf ihre Seiten locken.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Nun aber protestieren auch Lufthansas wertvollste Kunden. „Unsere Mitglieder haben in einer Umfrage die deutliche Bereitschaft gezeigt, Reisen zu anderen Airlines zu steuern, wenn Lufthansa die Pläne wie angekündigt umsetzt“, sagt Dirk Gerdom, Präsident des Geschäftsreiseverbands VDR und Vice President Global Mobility beim Softwareriesen SAP.

Lufthansa droht herber Umsatzverlust

Das träfe die Linie hart. Von den gut zwei Milliarden Euro, die die 550 VDR-Mitglieder der Lufthansa jährlich überweisen, könnten sie künftig bis zu 50 Prozent bei anderen Airlines lassen. Das brächte der Fluglinie gut eine Milliarde Euro Umsatzverlust, vor allem bei den teuren Tickets der First und Businessclass, ohne die sich fast kein Langstreckenflug rechnet.

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Der VDR-Schwenk träfe auch die Vielflieger im Lufthansa-Bonusprogramm Miles & More. Buchen ihre Arbeitgeber sie auf andere Linien, verlieren sie die begehrten Statuskarten mit bevorzugter Abfertigung oder Zugang zu Wartelounges mit Verpflegung. Nachgeben will Lufthansa nicht. „Wir rechnen nicht mit weniger Buchungen“, sagt Vertriebschef Jens Bischof. Er verweist darauf, dass Lufthansa als Amadeus-Alternative künftig eigene Firmen-Web-Seiten anbietet.

Das ist dem VDR zu wenig. Auf den LH-Firmenseiten müssten die Unternehmen Daten für Abrechnung oder Verwaltung manuell eingeben. „Das wäre ein Aufwand in mehrstelliger Millionenhöhe“, erwartet Ralph Rettig, VDR-Vize und Reisemanager beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen.

So droht Spohr eine Machtprobe wie mit den Piloten. „Nur haben bisher Firmenkunden anders als die Piloten solche Konflikte immer gewonnen“, so ein Branchenkenner.

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