Lufthansa setzt auf Eurowings: Billig-Revolution mit drei Überraschungen

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KommentarLufthansa setzt auf Eurowings: Billig-Revolution mit drei Überraschungen

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Die Computer-Darstellung zeigt zwei Eurowings-Flugzeuge der künftigen Billigsparte der Lufthansa.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Lufthansa-Aufsichtsrat hat grünes Licht für die neue Billigflug-Familie „Eurowings“ gegeben und einige Überraschungen präsentiert. Doch die Neuerungen sind nicht nur überfällig, sondern auch zu zaghaft.

Wenn Lufthansa-Chef Carsten Spohr seine wichtigsten Angestellten ein wenig ärgern wollte, dann war der Mittwoch sicher ein erfolgreicher Tag. Denn der 46-Jährige und sein Aufsichtsrat beschlossen wie erwartet den Start ihrer neuen Billigplattform „Eurowings“. Dabei ließen sie sich kein Stück vom Streik der Flugzeugführer beeindrucken.

Spohr verkündete am Nachmittag zuerst in die Telefonkonferenz und dann vor den Kameras das erwartete Programm: Mehr Billigflug in Europa und erstmals auch auf der Langstrecke, gepaart mit einem Schwur auf mehr Qualität und besseren Service im Premiumverkehr unter der Marke Lufthansa. Das Unternehmen bestellt zudem erstmal keine weiteren Flugzeuge ab und verpasst endlich dem auf bis zu zehn Plattformen zersplitterten Ticketverkauf eine einheitliche Führung und eine ähnliche Technik.

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Drei kleine Überraschungen gab es dennoch: Eine harmlose, eine für das Rheinland und eine für Nerds.

1. Die harmlose Überraschung

Neben dem Billigfluggeschäft bekommt der ganze Umbau um Eurowings und der Zentralisierung eine neue Dachmarke. Statt unter dem noch von Spohrs Vorgänger Christoph Franz gestarteten Namen Score, läuft die Renovierung jetzt unter dem etwas kryptischen Titel „7 to 1“. Was genau die Umtaufe ändert, wird der Konzernlenker sicher noch nachliefern.

2. Die rheinische Überraschung

Die Lufthansa startet ihren Langstrecken-Discounter in Köln, wo die heutige Billigtochter Germanwings sitzt – und damit abseits ihrer wichtigsten Flughäfen Frankfurt, München und Düsseldorf. Die Flieger dafür holt die Airline – zum Zorn der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit – von einem Dienstleister, der Ferienlinie SunExpress.

Dies streichelt nicht nur das Selbstwertgefühl der Karnevalsmetropole und erfüllt einen Traum ihres umtriebigen Flughafen-Chefs. Es erspart dem Konzern ein allzu großes konzerninternes Nebeneinander von Billig und Premium. Die klassische Lufthansa hat Köln – bis auf die zehn täglichen Maschinen nach München – dem Hausdiscounter Germanwings, Air Berlin und anderen überlassen.

3. Die nerdige Überraschung

Der in der ganzen Flugbrache für olympiareife Fertigkeiten bei der Excel-Kalkulation bewunderte Konzern erfreute alle Finanz-Freaks durch eine neue Steuergröße für den Unternehmenserfolg: „Earnings after Cost of Capital“ (EACC - Gewinn nach Kapitalkosten) gilt ab dem nächsten Jahr statt „Cash Value Added“ ( CVA - Hinzugefügter Barwert).

Wer da mit Worten wie „wer es denn wissen will“ abwinkt, unterschätzt die Signalwirkung der Veränderung – nicht zuletzt im aktuellen Arbeitskampf mit den Piloten. Denn im Gegensatz zum CVA können nun auch Mathematiker der Kreisklasse sowie sicher die meisten Flugzeugführer schnell ausrechnen, was der Konzern verdient. Und sehen, ob es nicht wirtschaftlicher wäre, die knapp 20 Milliarden Euro Aktiva aus hunderten Flugzeugen, Gebäuden und anderem zu verkaufen und das Geld anderweitig zu investieren.

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