Lufthansa-Streik: Billigjobs oder gar keine Jobs

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KommentarLufthansa-Streik: Billigjobs oder gar keine Jobs

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Für die Lufthansa-Beschäftigten gibt es nur eine Alternative zu niedrigeren Löhnen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Lufthansa-Beschäftigten müssen eine Abwertung ihrer Jobs und niedrigere Gehälter hinnehmen. Der Streik wird daran nichts ändern – sonst sind die Arbeitsplätze in Gefahr.

Lufthansas Kabinenpersonal als „fliegende Kellner“ zu bezeichnen galt als verpönt. Schon vom Gehalt her wurden die Flugbegleiter mit dem Kranich an der Uniform als qualifizierte Facharbeiter für Sicherheit und Service eingestuft.

Künftig ist der Begriff – schon vom Gehalt her – wohl angemessen. Denn auch wenn sich die Flugbegleiter der Lufthansa-Gruppe durch den für heute angekündigten Streik gegen die Abwertung ihrer Jobs und Gehälter wehren: Am Ende werden die meisten von ihnen künftig kaum besser bezahlt als Kellner, und das ohne Trinkgeld. Ihre Tätigkeit wird von einer Lebensstellung mit Rentenanspruch und Absicherung bei Arbeitsunfähigkeit zum Job auf ein paar Jahre.

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Lufthansa-Streik Flugbegleiter geben Streikpläne erst Freitag bekannt

Der für Freitag geplante Streik der Flugbegleiter wird wahrscheinlicher. Am Nachmittag scheiterten Verhandlungen mit der Gewerkschaft Ufo. Eines ist bisher klar: Bis 12 Uhr soll es keine Arbeitsniederlegung geben.

Streiks bei der Lufthansa werden immer wahrscheinlicher. Quelle: REUTERS

Das liegt nicht an Konzernchef Carsten Spohr, auch wenn ihn die Gewerkschaft angesichts des diesjährigen Rekordgewinns als herzlosen Aktionärsbüttel darstellt, der Mitarbeiter mit rüden Methoden in Zweitjobs und Altersarmut zwingt. Schuld ist schlicht der Markt, zuvorderst die effizienteren Konkurrenten. Ausländische Wettbewerber, allen voran Billiglinien wie Ryanair, fliegen günstiger, weil bei ihnen die von den Lufthanseaten so heftig verteidigten Gehälter und Betriebsrenten noch nie galten. Und uns Kunden ist der teuer produzierte Service einer Lufthansa eben keinen nennenswerten Aufpreis mehr wert. Hinzu kommt – und das hat nichts mit Markt zu tun –, dass viele Staaten ihre Airlines subventionieren.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Für die Lufthansa-Beschäftigten gibt es nur eine Alternative zu niedrigeren Löhnen: weniger Jobs, durch Streichung unrentabler Flüge wie bei Air France oder durch Verlagerung von Strecken auf schlechter zahlende Lufthansa-Töchter wie Swiss und Austrian. Die Veränderungen kämen im Galopp und erstmals in der Konzerngeschichte mit Kündigungen im großen Stil. Damit verengt sich für die Flugbegleiter das komplizierte Problem auf eine einfache Frage: Soll Lufthansa künftig vor allem Billigpersonal einstellen – oder gar keins mehr?

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