Lufthansa-Streik: Die Streik-Taktik der Piloten

Lufthansa-Streik: Die Streik-Taktik der Piloten

, aktualisiert 08. September 2015, 15:51 Uhr
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Am Dienstag mussten 84 Langstrecken-Flüge der Lufthansa gecancelt werden.

von Rüdiger Kiani-Kreß und Stephan Happel

In der 13. Streikrunde legen die Lufthansa-Piloten erst gezielt Flüge lahm. Ihre Strategie trifft die Airline an einer empfindlichen Stelle. Wie Lufthansa versucht, den Schaden zu begrenzen.

“Generell ist in jeder Woche mit Streiks zu rechnen”, sagt das Gesicht der Pilotenvereinigung Cockpit, Markus Wahl. “Wir sind entschlossen”, ruft der Gewerkschaftsmann Öffentlichkeit und Konzernspitze zu. Nach Wochen der friedlichen Verhandlungen ist der Konflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten erneut eskaliert. Im Ringen um Altersversorgung für Piloten und Billig-Tochter Eurowings sind die Fronten verhärtet.

Nach dem Streik auf den Langstreckenflügen am Dienstag drohen die Piloten bereits mit neuen Ausständen. Am Mittwoch sollen Kurz- und Mittelstrecke-Flüge bestreikt werden.

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Lufthansa-Streik Fluglinie verklagt Piloten auf Schadenersatz

Im Ringen mit den eigenen Piloten hat die Lufthansa nun das Gericht eingeschaltet. Die Airline will die Pilotengewerkschaft Cockpit wegen eines Streiks im April 2014 auf Schadenersatz verklagen.

Weil Lufthansa nicht auf eine Billigflug-Sparte außerhalb der bestehenden Tarifverträge verzichten will, hat die Vereinigung Cockpit (VC) zum mittlerweile 13. Streik in dem Tarifkonflikt aufgerufen. Quelle: dpa

Die Lufthansa längst in die Gegenoffensive übergegangen und will die Vereinigung Cockpit nicht nur auf Schadenersatz verklagen, sondern macht in einem Schreiben auch deutlich, dass sie sich nicht von den Piloten in die Eurowings-Tarrife reinreden lassen wird.

Die Airline betont zudem, wie sehr sie sich um Alternativen bemüht. Mit Ersatz-Crews könnten alle Frachtflieger starten, verkündete sie am Montag stolz und beklatscht die “vergleichsweise hohe Zahl an freiwilligen Cockpitbesatzungen”, dank derer am Dienstag mehr als die Hälfte der Interkontinentalflüge trotz des Streiks starten kann. Am Mittwoch sollen laut Konzernangaben 500 von 1.520 Lufthansa-Flugzeugen planmäßig fliegen.

Piloten-Streiks bei der Lufthansa

  • 02. bis 04. April 2014

    Mit einem dreitägigen Streik legen Piloten die Lufthansa praktisch lahm. Schärfster Ausstand der Konzerngeschichte, rund 3800 Flugausfälle, 425.000 Fluggäste sind betroffen.

  • 29. August

    Streik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Es fallen 116 Flüge aus, 15.000 Passagiere bekommen die Folgen zu spüren.

  • 05. September

    Piloten bestreiken Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa von Frankfurt. Gut 200 Flüge und 25.000 Passagiere sind betroffen.

  • 10. September

    Die Pilotengewerkschaft streikt am Drehkreuz München. 140 Flüge fallen aus, mehr als 15.000 Passagiere haben Nachteile.

  • 30. September

    Cockpit bestreikt Langstreckenflüge am Drehkreuz Frankfurt. 50 Flüge werden gestrichen, 20.000 Passagiere trifft es.

  • 08. Oktober

    Nun ist das Streikziel die Frachttochter Lufthansa Cargo. Der zweitägige Ausstand hat laut Unternehmen aber kaum Auswirkungen.

  • 16. Oktober

    Germanwings wird deutschlandweit bestreikt. Bilanz: 100 Flüge finden nicht statt, es trifft 13.000 Fluggäste.

  • 20. Oktober

    Ein Streik auf den Kurz- und Mittelstrecken wird einen Tag später auch auf die Langstrecken ausgeweitet. Lufthansa streicht an beiden Tagen über 1500 Flüge, 166.000 Fluggäste haben das Nachsehen.

  • 01. bis 02. Dezember

    Deutschlandweiter Streik trifft 1350 Flüge und rund 150.000 Passagiere.

  • 04. Dezember

    Streik auf Langstrecken- und Frachtmaschinen der Lufthansa, 60 Flüge gestrichen, 12.000 Passagiere betroffen.

  • 12. bis 13. Februar 2015

    Zweitägiger Streik bei Germanwings. Es werden 338 Flüge gestrichen. Es trifft gut 30.000 Passagiere.

  • 18. bis 20. März

    Streikaufruf in Etappen. Am ersten Tag sind bei Kurz- und Mittelstreckenflügen der Lufthansa rund 80.000 Passagiere betroffen, am zweiten Tag 18.000 Passagiere auf der Langstrecke sowie die Frachtflüge. Am dritten Tag erneut Mittel- und Langstreckenflüge.

  • 06. Juli

    Die Piloten erklären die im Mai begonnene Schlichtung für gescheitert. Drei Wochen später bieten sie dem Konzern Einsparungen von mehr als 400 Millionen Euro, um die Verlagerung von Arbeitsplätzen zu verhindern. Streiken wollen sie vorerst nicht.

  • 05. August

    Lufthansa-Chef Spohr bewertet die Vorschläge der Gewerkschaft positiv, die beiden Lager scheinen sich anzunähern.

  • 02. September

    Für die Pilotengewerkschaft sind die Gespräche gescheitert. Streiks sind wieder möglich.

  • 08. September

    Die Piloten der Lufthansa treten erneut in den Streik. Betroffen sind zunächst alle Langstreckenverbindungen aus Deutschland. Zusätzlich werden alle Abflüge der Lufthansa Cargo aus Deutschland bestreikt. Am Abend kündigt die Pilotengewerkschaft VC eine Verlängerung des Streikes an.

  • 09. September

    Diesmal wird von den Piloten auch der Kurz- und Mittelstreckenverkehr bestreikt. Hier ist die Zahl der Maschinen wesentlich höher als im Interkontinentalverkehr.


Was die Lufthansa aushält

Tatsächlich ist es der Lufthansa so gelungen, dem Auftakt zur 13. Streikrunde seit Frühjahr 2014 einiges an Wucht zu nehmen. Die wichtigste Stütze sind flugwillige Piloten, die entweder nicht in der Vereinigung Cockpit sind oder denen der Kurs der Gewerkschaft missfällt. Das Angebot ist groß. Rein rechnerisch beschäftigt die Lufthansa für jede Langstreckenmaschine im Schnitt zehn Besatzungen, darunter gut 20 Piloten. Dazu kommen Manager aus anderen Teilen des Betriebs mit einer Pilotenlizenz.

Gleichzeitig bucht die Lufthansa ihre Kunden im großen Stil auf andere Fluglinien um. Partnerschaften in der Star Alliance mit United Airlines, SAS oder Singapore Airlines erweisen sich in der Situation als wertvoll.

Lufthansa-Streik So verhärtet sind die Fronten zwischen Piloten und Konzern

Der Lufthansa-Streik geht weiter. Wochenlange Gespräche haben nichts am Kern des Konflikts geändert. Der Konzern hat Angst, seine Zukunft zu verspielen - die Piloten sorgen sich um ihren Einfluss.

Flugreisende müssen sich auf Turbulenzen einstellen. Die Piloten haben zum wiederholten Mal einen Streik bei der Lufthansa angekündigt. Quelle: dpa

Die Fluglinien müssen nicht erst die tatsächliche Streikankündigung abwarten. Nach den Erfahrungen der vergangenen Monate liegen Notfallpläne in den Schubladen der Airlines. Schon beim ersten Anzeichen für Streiks wird durchgerechnet, welche Strategie bei Streiks auf der Langstrecke, im gesamten Europaverkehr oder bei Beschränkung auf einzelne Flughäfen am besten greift. Dank der ausgefeilten Prognosesysteme der Airlines ist ein solches Arsenal an Ausweichplänen inzwischen kein großer Aufwand mehr.

Dabei nutzt die Lufthansa nicht nur Flüge aus ihren Drehkreuzen Frankfurt und München, sondern auch von anderen Orten wie London oder Paris. Dorthin bringt die Lufthansa die Kundschaft dann – entweder mit ihren eigenen Maschinen oder mit Zubringern der Konkurrenten wie British Airways oder Air France.

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