Lufthansa-Streik: Flugbegleiter streiken am Samstag in Frankfurt

Lufthansa-Streik: Flugbegleiter streiken am Samstag in Frankfurt

, aktualisiert 06. November 2015, 13:50 Uhr
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Streikende Lufthansa-Flugbegleiter stehen 2012 am Flughafen in Frankfurt am Main.

Die Flugbegleiter der Lufthansa setzen ihren Streik am Samstag ausschließlich am Drehkreuz Frankfurt fort. Dort sind die Flugbegleiter der Mittelstreckenflugzeuge von 6 bis 23 Uhr zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Der erste Streiktag der Lufthansa-Flugbegleiter am Freitag durchkreuzt bereits die Reisepläne von Zehntausenden Passagieren. Europas größte Fluggesellschaft strich wegen des Ausstands des Kabinenpersonals ab Freitagnachmittag an den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf insgesamt 290 Flüge. Von den Annullierungen sind knapp 38.000 Passagiere betroffen. Und es dürften noch mehr werden: Nicoley Baublies, Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, kündigte für Samstag bereits den nächsten Streik an: Von sechs bis 23 Uhr soll das Kabinenpersonal in Frankfurt auf den Kurz- und Mittelstreckenflügen der A320- und 737-Flotte die Arbeit niederlegen.

Ob am Samstag neben Frankfurt weitere Standorte oder auch Langstreckenflüge von den Streiks betroffen sind, ließ die Gewerkschaft zunächst offen. Insgesamt will die Spartengewerkschaft bis Freitag nächster Woche streiken. Es wäre der längste Streik in der 60-jährigen Geschichte der Lufthansa.

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Damit verschärft sich der seit zwei Jahren tobende Streit um die Altersversorgungen für die 19.000 Stewards und Stewardessen der Kranich-Fluglinie deutlich. Eigentlich hatte sich Ufo im Vergleich zur streikfreudigen Piloten-Vereinigung Cockpit in den Tarifverhandlungen mit der Lufthansa wesentlich kompromissbereiter gezeigt.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Doch nach zwei Jahren Verhandlungen seien alle Mittel ausgeschöpft, sagte Baublies. "Wir bedauern diesen Schritt sehr, doch sehen wir keine Alternative." Ein Last-Minute-Vermittlungsversuch war am Donnerstag gescheitert. Die Lufthansa bedauerte den Streik. Um gestrandete Passagiere unterzubringen, seien in Frankfurt vorsorglich 2500 Hotelzimmer gebucht worden. Die Lufthansa-Töchter Germanwings, Eurowings, Swiss und Austrian Airlines sind von dem Streik nicht betroffen.

Am Freitag legen die Flugbegleiter die Arbeit von 14 bis 23 Uhr nieder. Ärgerlich ist für die Lufthansa vor allem, dass ihr größtes Flugdrehkreuz in Frankfurt lahmgelegt wird. Dort startet üblicherweise ein Großteil der lukrativen Langstreckenflüge. Insgesamt fallen 15 der geplanten 23 Verbindungen nach Übersee aus. Zudem trifft der Ausstand die Airports mitten im Hochbetrieb - am Freitagnachmittag und -Abend sind besonders viele Wochenendpendler unterwegs. Nicht streiken will Ufo zunächst in München wegen der Herbstferien in den südlichen Bundesländern. Auch am Sonntag soll der Ausstand bundesweit ausgesetzt werden, da an diesem Tag hauptsächlich Privatleute fliegen.

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Ein Streitpunkt in dem Tarifkonflikt sind die Regelungen zur Frührente für die Flugbegleiter. Die Fluglinie argumentiert, dass die bisherige Finanzierung wegen der niedrigen Zinsen und der im Branchenvergleich hohen Kosten der Lufthansa nicht mehr tragbar sei. Ärgerlich ist aus Sicht von Ufo auch, dass die Lufthansa vorige Woche vermeldete, dass in diesem Jahr ein Rekordgewinn erwirtschaftet wird. Harte Einschnitte wie von der Konzernspitze geplant seien unnötig, da die die Lufthansa kein Sanierungsfall sei. Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens argumentierte hingegen vor wenigen Tagen, dass die Kosten der Kranich-Fluglinie nicht noch weiter steigen könnten. "Wir wollen die Mitarbeiter aber am Rekordergebnis beteiligen."

Im Hintergrund köchelt bei dem Tarifclinch noch ein zweiter Konflikt. Dabei geht es um den Ausbau der früheren Lufthansa-Regionalflugline Eurowings zur Billig-Airline. Dagegen ging auch die Piloten-Gewerkschaft Cockpit auf die Barrikaden und bestreikte die Lufthansa seit Frühjahr 2014 insgesamt 13 mal. Auch mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ringt der Konzern derzeit um einen Tarifabschluss für 33.000 Angestellte. Diese Gespräche wurden am Donnerstag ergebnislos vertagt. Den Streik der Piloten hatte im Sommer das Landesarbeitsgericht Hessen überraschend gestoppt.

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