Lufthansa-Streik: Flugbegleiter und Lufthansa starten neuen Einigungsversuch

Lufthansa-Streik: Flugbegleiter und Lufthansa starten neuen Einigungsversuch

, aktualisiert 24. November 2015, 17:52 Uhr
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Ein Mitglied der Flugbegleitergewerkschaft Ufo

Lufthansa-Passagiere können Hoffnung schöpfen: Die Flugbegleiter und die Lufthansa gehen vor dem nächsten Streik des Kabinenpersonals aufeinander zu.

Kurz vor dem nächsten Streik treffen sich die Flugbegleiter und die Lufthansa zu neuen Gesprächen. Ufo und die Lufthansa versuchten derzeit, den Tarifstreit zu entschärfen und den nächsten Ausstand möglicherweise abzuwenden, teilte die Flugbegleitergewerkschaft Ufo am Dienstag mit. Weitere Informationen sollen am Mittwoch folgen. Die Lufthansa wollte sich nicht äußern. Damit entspannt sich die Lage in dem mit harten Bandagen ausgetragenen Tarifkonflikt wieder deutlich.

Eigentlich hatte Ufo dem Konzern und seinen Passagieren mit neuen Arbeitsniederlegungen am Donnerstag und Freitag gedroht. Ufo-Chef Nicoley Baublies begründete den Streikaufruf damit, dass die Lufthansa kein neues Angebot für die Frührenten und die Altersversorgung der 19.000 Kabinenmitarbeiter vorgelegt habe. Die Arbeitnehmerorganisation hatte ihr Schlagkraft vor zwei Wochen bewiesen, als sie die Fluggesellschaft sieben Tage lang lahmlegte.

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Es war der härteste Arbeitskampf in der 60-jährigen Lufthansa-Geschichte. Auch mit der Großgewerkschaft Verdi und der Pilotenvereinigung Cockpit ringt das Unternehmen seit langem um neue Tarifverträge.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Im Hintergrund schwelt neben den offiziellen Tarifgesprächen ein Clinch über die Ausrichtung der Lufthansa unter Carsten Spohr. Der vor anderthalb Jahren angetretene Vorstandschef treibt Kostensenkungen und den Ausbau der Konzernfluglinie Eurowings zur Billig-Airline voran. Umstritten ist dabei vor allem der Eurowings-Ableger in Wien. Einige Gewerkschafter fürchten nun, dass die Unternehmensspitze künftig nur noch die Expansion solcher Töchter ohne Tarifverträge fördert, während die Aushänge-Fluglinie Lufthansa schrumpft.

Den Lufthansa-Aktien half der neue Kompromissversuch nicht auf die Sprünge: Wegen der verschärften Terrorwarnung der USA lagen die Titel 4,7 Prozent im Minus. Auch die Anteilsscheine anderer Fluglinien verloren deutlich an Wert.

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