Lufthansa-Streik: Jetzt haben die Piloten selbst das Kabinenpersonal gegen sich

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Lufthansa-Streik: Jetzt haben die Piloten selbst das Kabinenpersonal gegen sich

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Die Flugbegleiter der Lufthansa fürchten bei neuen Streiks der Piloten einen Jobabbau.

von Stephan Happel

Erneut droht die Vereinigung Cockpit der Lufthansa mit Streik. Das stößt selbst Gewerkschafts-Kollegen sauer auf. Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals, UFO, findet kritische Worte für die Drohung zur 13. Streikrunde.

Die Lufthansa-Führung ist sauer, die Passagiere sind genervt. Und nun reagieren auch die Vertreter der Kabinen-Crews gereizt. Zu den jüngsten Streikdrohungen der Vereinigung Cockpit (VC) findet die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO deutliche Worte. 

Dass es keinen Einstieg in die Verhandlungen zu einer Gesamtlösung gegeben hat, sei “nicht hilfreich” wettert Uwe Hien, Tarifverantwortlicher bei UFO. “Verhärtete Positionen, die weiter einzementiert werden, führen letztlich dazu, dass Arbeitsplätze der gesamten Lufthansa bedroht werden. In diesen turbulenten Zeiten des Konzernumbaus braucht es einen starken Einigungswillen auf beiden Seiten des Verhandlungstisches.“ Es bestünde die Gefahr, so Hien, dass weitere Arbeitskämpfe als einzige Antwort die Richtung der arbeitgeberseitigen Hardliner im Konzern unnötig befeuert. 

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Mit anderen Worten: Das starrsinnige Verhalten der Piloten gefährdet in den Augen des UFO-Gewerkschafters die finanzielle Lage des Konzerns - und damit auch Arbeitsplätze, die rigiden Sparmaßnahmen zum Opfer fallen könnten.

Piloten-Streiks bei der Lufthansa

  • 02. bis 04. April 2014

    Mit einem dreitägigen Streik legen Piloten die Lufthansa praktisch lahm. Schärfster Ausstand der Konzerngeschichte, rund 3800 Flugausfälle, 425.000 Fluggäste sind betroffen.

  • 29. August

    Streik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Es fallen 116 Flüge aus, 15.000 Passagiere bekommen die Folgen zu spüren.

  • 05. September

    Piloten bestreiken Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa von Frankfurt. Gut 200 Flüge und 25.000 Passagiere sind betroffen.

  • 10. September

    Die Pilotengewerkschaft streikt am Drehkreuz München. 140 Flüge fallen aus, mehr als 15.000 Passagiere haben Nachteile.

  • 30. September

    Cockpit bestreikt Langstreckenflüge am Drehkreuz Frankfurt. 50 Flüge werden gestrichen, 20.000 Passagiere trifft es.

  • 08. Oktober

    Nun ist das Streikziel die Frachttochter Lufthansa Cargo. Der zweitägige Ausstand hat laut Unternehmen aber kaum Auswirkungen.

  • 16. Oktober

    Germanwings wird deutschlandweit bestreikt. Bilanz: 100 Flüge finden nicht statt, es trifft 13.000 Fluggäste.

  • 20. Oktober

    Ein Streik auf den Kurz- und Mittelstrecken wird einen Tag später auch auf die Langstrecken ausgeweitet. Lufthansa streicht an beiden Tagen über 1500 Flüge, 166.000 Fluggäste haben das Nachsehen.

  • 01. bis 02. Dezember

    Deutschlandweiter Streik trifft 1350 Flüge und rund 150.000 Passagiere.

  • 04. Dezember

    Streik auf Langstrecken- und Frachtmaschinen der Lufthansa, 60 Flüge gestrichen, 12.000 Passagiere betroffen.

  • 12. bis 13. Februar 2015

    Zweitägiger Streik bei Germanwings. Es werden 338 Flüge gestrichen. Es trifft gut 30.000 Passagiere.

  • 18. bis 20. März

    Streikaufruf in Etappen. Am ersten Tag sind bei Kurz- und Mittelstreckenflügen der Lufthansa rund 80.000 Passagiere betroffen, am zweiten Tag 18.000 Passagiere auf der Langstrecke sowie die Frachtflüge. Am dritten Tag erneut Mittel- und Langstreckenflüge.

  • 06. Juli

    Die Piloten erklären die im Mai begonnene Schlichtung für gescheitert. Drei Wochen später bieten sie dem Konzern Einsparungen von mehr als 400 Millionen Euro, um die Verlagerung von Arbeitsplätzen zu verhindern. Streiken wollen sie vorerst nicht.

  • 05. August

    Lufthansa-Chef Spohr bewertet die Vorschläge der Gewerkschaft positiv, die beiden Lager scheinen sich anzunähern.

  • 02. September

    Für die Pilotengewerkschaft sind die Gespräche gescheitert. Streiks sind wieder möglich.

  • 08. September

    Die Piloten der Lufthansa treten erneut in den Streik. Betroffen sind zunächst alle Langstreckenverbindungen aus Deutschland. Zusätzlich werden alle Abflüge der Lufthansa Cargo aus Deutschland bestreikt. Am Abend kündigt die Pilotengewerkschaft VC eine Verlängerung des Streikes an.

  • 09. September

    Diesmal wird von den Piloten auch der Kurz- und Mittelstreckenverkehr bestreikt. Hier ist die Zahl der Maschinen wesentlich höher als im Interkontinentalverkehr.

Dass UFO öffentlich so auf Distanz zu Cockpit geht, überrascht. Auch zwischen dem Kabinenpersonal und der Kranichlinie drohte noch im Juni die Eskalation des lange schwelenden Tarifkonflikts. Der gemeinsame Feind schien mit Konzernlenker Carsten Spohr ausgemacht. 

Doch die als gemäßigt geltende Kabinen-Gewerkschaft und der Luftfahrt-Konzern kehrten ohne Streik an den Verhandlungstisch zurück. Einen Ort, an dem zuletzt auch Lufthansa und VC aufeinander trafen. 

Sah es im August noch so aus, als könnten sich beide Seiten einigen, ist nun klar: die Fronten sind verhärtet. Zwar hat VC der Lufthansa nach eigenen Angaben Einsparmöglichkeiten in Höhe von einer halben Milliarde Euro angeboten. Doch in mindestens einem entscheidenden Punkt war bislang keine Einigung zu erzielen. 

Der Streit dreht sich nur zum Teil um die Frage, bis zu welchem Alter Lufthansa-Piloten fliegen müssen, ehe sie in den finanziell gesicherten Vorruhestand gehen können - und wie der Job vergütet wird. VC kritisiert auch, dass Flugzeuge im Rahmen des Konzernumbaus bei der Lufthansa ins Ausland ausgeflaggt werden. Damit würden nämlich auch Arbeitsplätze aus Deutschland verschoben werden - und dadurch aus der Tarifbindung fallen.

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Im Juli hatte VC angeboten, innerhalb des Lufthansa-Tarifvertrags niedrigere Gehaltstarife für Piloten der geplanten Billig-Plattform Eurowings zu akzeptieren, aber darauf bestanden, dass Lufthansa die geplante Ausflaggung von Fliegern an ausländische Gesellschaften aufgibt. In diesem Punkt scheint es auf beiden Seiten keine Bewegung zu geben. 

Lufthansa-Chef Spohr hat bereits deutlich gemacht, dass er so schnell nicht klein beigeben wird. “Ich hoffe, es wird keine neuen Streiks geben; aber wenn wir das durchstehen müssen, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen, dann werden wir das tun", sagte er am Mittwoch. 

Machen die Piloten ernst, wäre es der 13. Streik seit April 2014. Die Gewerkschaft will den neuerlichen Arbeitskampf wie bislang einen Tag zuvor ankündigen. In bisherigen zwölf Streikrunden hat sie dem Unternehmen nach Lufthansa-Angaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt.

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