Lufthansa-Streik: Piloten dürfen weiterstreiken

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Lufthansa-Streik: Piloten dürfen weiterstreiken

, aktualisiert 08. September 2015, 19:22 Uhr
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Vor allem Streiks bei Langstreckenflügen treffen die Lufthansa schmerzhaft.

Wegen des neuen Pilotenstreiks bei der Lufthansa fallen am Mittwoch Tausend Flüge aus. 140.000 Passagiere seien betroffen, teilte der Konzern am Dienstag mit. Eine Klage der Lufthansa wies das Gericht ab.

Die Lufthansa ist mit einer Eil-Klage gegen den Pilotenstreik vor Gericht vorerst gescheitert. Das Arbeitsgericht Frankfurt wies den Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Dienstagabend zurück. Der Konzern wollte damit den für Mittwoch geplanten Ausstand der Piloten auf den Deutschland- und Europaverbindung der Lufthansa verbieten lassen.

Endgültig ist die Entscheidung nicht - die unterlegene Partei geht üblicherweise vor der nächsten höheren Instanz - dem Hessischen Landesarbeitsgericht - in Berufung.

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Wegen des verschärften Pilotenstreiks bei der Lufthansa fallen nach Angaben des Konzerns am Mittwoch fast zwei Drittel aller geplanten Flüge aus. Es treffe rund 1000 der insgesamt 1520 vorgesehenen Verbindungen, teilte das Unternehmen am Dienstag zu seinem Sonderflugplan in Frankfurt mit. Betroffen seien etwa 140.000 von 180.000 gebuchten Passagieren.

Für innerdeutsche Strecken wurden die Fluggäste auf die Bahn verwiesen, zudem sollten auch Jets anderer Gesellschaften aus dem Lufthansa-Konzern eingesetzt werden. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wollte ab Mitternacht ihren Ausstand auf den Kurz- und Mittelstrecken fortsetzen, nachdem von Dienstagmorgen an zunächst die Langstrecke betroffen war. Weitere Arbeitsniederlegungen sind laut Cockpit jederzeit möglich.

Den Vorschlag einer Frankfurter Arbeitsrichterin zu einer gütlichen Einigung des Tarifkonflikts wurde von Lufthansa und Pilotengewerkschaft abgelehnt. Das erklärten die Anwälte beider Seiten am Dienstag vor dem Arbeitsgericht Frankfurt. Zuvor hatte Richterin Gesine Brackert gesagt, dass Streiks keine Probleme lösten und beiden Seiten doch über einen Kompromiss sprechen sollten.

Lufthansa-Streik Die Streik-Taktik der Piloten

In der 13. Streikrunde legen die Lufthansa-Piloten erst gezielt Flüge lahm. Ihre Strategie trifft die Airline an einer empfindlichen Stelle. Wie Lufthansa versucht, den Schaden zu begrenzen.

Am Dienstag mussten 84 Langstrecken-Flüge der Lufthansa gecancelt werden. Quelle: REUTERS

Die Lufthansa klagt ebenfalls gegen die Gewerkschaft Cockpit auf Schadenersatz: Wegen eines aus Sicht der Lufthansa unrechtmäßigen Streiks sei 2014 ein Schaden von rund 60 Millionen Euro entstanden. Die Gewerkschaft belaste "die Kunden des Unternehmens erneut in unzumutbarer Art und Weise", warf die Lufthansa den Piloten vor. Da es derzeit offenbar nicht möglich sei, in konstruktive Verhandlungen einzutreten, habe sich der Konzern zu den Klagen entschlossen.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens appellierte angesichts des seit Monaten andauernden Tarifstreits auch direkt an die Piloten, jetzt ihrer persönlichen Verantwortung gerecht zu werden. Zu den im Konzern geltenden Tarifbedingungen will die Lufthansa aber keine Piloten mehr einstellen. Grund sei "mangelnde Wettbewerbsfähigkeit".

Streiks bei Langstreckenflügen besonders schmerzhaft

Die Piloten befanden sich seit Dienstagmorgen erneut im Streik, es ist die 13. Arbeitsniederlegung in eineinhalb Jahren. Ziel des Ausstands war die Langstrecke - 84 Flüge wurden gestrichen. Am größten Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt blieb es bis mittags ruhig. Schlangen vor den Umbuchungsschaltern bildeten sich nicht.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Über 20.000 Reisende waren von den Ausfällen betroffen. Streiks bei Langstreckenflügen sind besonders schmerzhaft für die Lufthansa, treffen sie doch den lukrativsten Teil des Fluggeschäfts. In diesem Jahr ging der Lufthansa wegen der Streiks bereits 100 Millionen Euro Gewinn verloren. Ohne die Kosten des Streiks erwartet Lufthansa-Chef Carsten Spohr bislang einen Gewinn von mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Vergangene Woche waren Tarifgespräche zwischen der Lufthansa und den Piloten nach langwierigen Verhandlungen gescheitert. Grund für das Aus war Cockpit zufolge die Tatsache, dass die Lufthansa den Ausbau des Billigfliegers Eurowings in Österreich auch während der Gespräche nicht auf Eis legen wollte.

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Aus Sicht der Lufthansa-Spitze ist der rasche Ausbau von Eurowings aber überlebenswichtig, um den Vormarsch der Billigrivalen Ryanair und Easyjet zu stoppen. Cockpit hatte erklärt, die Gewerkschaft habe Lufthansa in den Verhandlungen rund 500 Millionen Euro Einsparungen angeboten. Trotzdem seien diese gescheitert.

Am Mittwoch rücken nun Kurz- und Mittelstreckenflüge in den Fokus. Die Tochter Germanwings sei aber nicht betroffen. Germanwings-Flüge fänden planmäßig statt, betonte die Gesellschaft. Über die anderen Lufthansa-Flüge musste auch das Arbeitsgericht Frankfurt entscheiden. Ein Beschluss wurde am Abend erwartet.

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