KommentarLufthansa: Tabu-Bruch in Stuttgart

Bild vergrößern

Attacke gegen die Billigflieger - Ab Februar nächsten Jahres wird Germanwings, das Tochterunternehmen der Lufthansa, nach und nach alle europäischen Strecken übernehmen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Lufthansa verlagert wichtige Verbindungen im Europaverkehr auf ihren Billigflieger Germanwings. Ein überfälliger Schritt und eine Attacke gegen den Erzrivalen Air Berlin.

Beim vorigen Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber galt jahrelang ein eisernes Gesetz. „Unsere Vielflieger wollen Premiumservice und keinen Billigflieger, selbst wenn er aus unserem Unternehmen stammt“, wehrte er Vorschläge ab, doch auf den Strecken abseits der Drehkreuze vermehrt die Billigtochter Germanwings einzusetzen statt mit kleinen Regionalmaschinen immer höhere Verluste zu produzieren.

Dieses Tabu hat das neue Lufthansa-Führungsduo aus Konzernchef Christoph Franz und Carsten Spohr, Chef des Fluggeschäfts, heute Vormittag endgültig beerdigt. Ab Februar wird Germanwings von der Konzernmutter nun nach und nach alle europäischen Strecken übernehmen. Den Anfang macht London, dann folgen Brüssel, Manchester und Mailand. Insgesamt wird Germanwings im Sommer dann 48 statt der bisher 39 Strecken ab Stuttgart anbieten. Und damit die edle Klientel nicht traurig  wird, weil sie künftig für’s Weckle oder den Kaffee zahlen muss oder gar durch die Billigfliegerei ihre Privilegien als Lufthansa-Topkunden verliert, ist Germanwings nun fester Teil des Lufthansa Vielfliegerprogramms Miles &/ More. Nun können auch Germanwingskunden nicht nur Prämienmeilen, sondern auch für den Aufstieg und Erhalt der begehrten Statuskarten sammeln, die zu Loungezugang, Gratismeilen und Freigepäck berechtigen.

Anzeige

Lufthansa und Germanwings zeigen Flagge

Das tun Franz und Spohr nicht nur weil die Bewohner der Schwaben beim Fliegen als knickerig gelten und den Konkurrenten Air Berlin nebst deren Gratis-Laugenstange schätzen gelernt haben. Der Tabubruch zu Stuttgart ist Teil einer Großoffensive, das eigene Terrain gegen Easyjet, Ryanair und die sträflich unterschätzte Norwegian abzuschotten, die dank ihrer starken Finanzen ohnehin eine größere Gefahr sind als „Rotweiß Berlin“, wie Lufthanseaten Air Berlin intern nennen. Bereits im November haben Lufthansa und Germanwings mit ihren neuen Preiswertangeboten in Berlin Flagge gezeigt. Nun – und schneller als erwartet ist Baden-Württemberg dran.

Denn Europas Billig-Marktführer sind derzeit in Baden-Württemberg eher unterrepräsentiert und  könnten die gut 200 neuen Maschinen, die sie in den nächsten Jahren bekommen im Spätzle-Land zu deutlich besseren Preisen füllen als auf Urlauberrouten oder in Ost-Europa, wo sie in den vergangenen Monaten bevorzugt neue Routen aufgelegt haben.

Nun wird es für die Billiggrößen nicht nur unendlich teuer in Deutschlands Südwesten Fuß zu fassen. Der Lufthansakonzern wird jeden Neuling mit Kampfpreisen begrüßen, die er dank seines Milliardenvermögens noch länger durchhalten kann als die ebenfalls solventen Billiggrößen. Durch das größere Angebot gerät der Stuttgarter Flughafen nicht nur zu den für Geschäftsreisende interessanten Flugzeiten morgens und abends an seine Kapazitätsgrenze. Auch am Rest des Tages wird es eng, so dass ein Neuling kaum noch Platz hat.

Ein kluger Schritt, der zwar spät kommt, aber für Lufthansa nicht zu spät. Unangenehm wird es nur für die Normalkunden. Denn so billig wie in Berlin wird Fliegen dadurch erst mal nicht in Stuttgart.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%