Lufthansa & Co.: Fit sparen und wieder abheben

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Lufthansa & Co.: Fit sparen und wieder abheben

von Rüdiger Kiani-Kreß, Andreas Wildhagen und Mark Fehr

Lufthansa-Chef Christoph Franz hat mit seinem Umbauprogramm Score im ersten Jahr mehr Geld gespart als geplant. Wenn das nur alle deutschen Großkonzerne auf Sparkurs von sich sagen könnten.

Josef Bogdanskis wichtigstes Arbeitsmittel hängt direkt hinter seinem Schreibtisch. Es ist ein Plakat zum Lufthansa-Zukunftsprogramm Score, das unter Leitung des früheren Vertriebsmanagers und seines Kollegen Jörg Beißel den Gewinn bis 2015 um 1,5 Milliarden steigern und Europas größter Fluglinie intern mehr Tempo verpassen soll. Das Poster zeigt, um wie viele Millionen die Tochtergesellschaften vom Passagierverkehr über Fracht und Wartung bis zu den Flugküchen ihren Gewinn steigern wollen. Die Ziele haben die Divisions-Chefs per Unterschrift bestätigt. „Der Vorgabe kann sich keiner entziehen“, sagt Bogdanski und lacht.

Ein Jahr nachdem Konzernchef Christoph Franz die Fitnesskur ins Leben rief, hat Score knapp 800 der 2500 geplanten Projekte beendet und das Jahresziel von 280 Millionen Euro Gewinnsteigerung übererfüllt. „Score hat die Reiseflughöhe erreicht“, so Franz. Zwar nennt er offizielle Zahlen erst im März mit der Jahresbilanz 2012. „Doch es könnten gut 400 Millionen Euro werden“, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Auch in Sachen neue Unternehmenskultur gibt es Fortschritte: Laut interner Unterlagen geht gut ein Drittel der Projekte auf Ideen der Belegschaft zurück.

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Die Probleme der Lufthansa

  • Die Lage

    Die Lufthansa fliegt derzeit wie die meisten europäischen Konkurrenten rote Zahlen ein. Im ersten Halbjahr blieb trotz einer deutlichen Erholung im zweiten Quartal ein operativer Verlust von 20 Millionen Euro (2011: plus 114 Mio).

  • Die Gründe

    Grund sind unter anderem die erneut gestiegenen Treibstoffpreise in Verbindung mit dem schwachen Euro, der den Einkauf des Kerosin in US-Dollar verteuert. Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro zu. Europäische Billigflieger und Konkurrenten aus Asien drücken zudem auf die Gewinnmargen bei den Tickets.

  • Die Aussichten

    .Die Aussichten sind nicht rosig: Das Wachstum bei den Buchungen lasse auch wegen der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa nach, hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer kürzlich berichtet. Aktuell reagiert die Gesellschaft auf die schwächelnde Nachfrage mit einem ausgedünnten Flugplan. Zur nachhaltigen Ergebnissteigerung hat Lufthansa das Sparprogramm Score aufgelegt, das im Jahr 1,5 Milliarden Euro bringen soll. 3500 von rund 120 000 Jobs weltweit werden gestrichen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen. Lufthansa muss zudem Milliardeninvestitionen für neue Flugzeuge finanzieren.

Das ist bitter nötig. Die Linie mit dem Kranich im Wappen hat wohl auch 2012 rote Zahlen im Kerngeschäft Passagierverkehr geschrieben. Dafür sorgen steigende Ausgaben für Sprit oder Steuern und die Preiskämpfe mit Wettbewerbern von Billigfliegern bis zu den Airlines vom Golf.

Schleppender Start

Doch trotz der Not startete Score schleppend. Zwar verkündet Franz gebetsmühlenartig, Lufthansa könne sich die bis zu 15 Milliarden Euro Investitionen in sparsame Flugzeuge und mehr Kundenkomfort nur leisten, wenn sie an der Verwaltung mit vielen Doppelstrukturen spart und wie bei Easyjet oder Emirates Verbesserungen bei Kosten und Service zum Alltag macht.

Übersicht zum Score-Programm der Lufthansa (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Übersicht zum Score-Programm der Lufthansa (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Doch Maßnahmen gab es erst im Spätsommer, und sie wirkten wie klassisches Kostendrücken, etwa der Abbau von 3.500 Stellen. „Das deutet auf steuerlose Sparpolitik zulasten von Mitarbeitern und Kunden“, klagte noch Mitte Januar Christine Behle, Verdi-Kandidatin für den Aufsichtsrat. Dazu verlängerte Lufthansa die Sparziele von 2014 auf 2015 und erhöhte den Betrag, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Mitarbeiter klagten, viele Sparprojekte erhielten nicht das Anerkennungssiegel „Score Approved“, weil sie die Kosten nicht dauerhaft, sondern nur einmalig senkten.

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