Luftverkehrsabgabe: Airlines lassen Kunden gegen Ticketsteuer kämpfen

Luftverkehrsabgabe: Airlines lassen Kunden gegen Ticketsteuer kämpfen

Bild vergrößern

"Luftverkehrs-teuer - Für alle zu teuer!". Mit einer breit angelegten Kampagne wollen die deutschen Airlines und Flughäfen für eine Abschaffung der Luftverkehrssteuer kämpfen.

von Rebecca Eisert

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft will Flugpassagiere gegen die Luftverkehrssteuer aufhetzen. Ein geschickter Plan.

Wenn die eigenen Schreie ungehört verhallen, lässt man eben andere noch lauter schreien. Nach diesem Prinzip geht derzeit die Vertretung der Luftverkehrswirtschaft vor. Eine Million Flyer hat der Präsident des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) drucken lassen. Stappelweise sollen die Blätter auf Flughäfen ausliegen und in Bordmagazine gesteckt werden. Die Kunden der Airlines sollen endlich erfahren, so BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch, "dass die ganze Luftverkehrssteuer eine Milchmädchenrechnung ist".

Die Luftverkehrssteuer wurde zum 1. Januar 2011 eingeführt. Die Steuer fällt auf Flüge an, die von deutschen Flughäfen starten, und ihre Höhe richtet sich nach der Entfernung des Fluges und des Reiselandes. Mit der Steuer wollte die Regierung zusätzlich eine Milliarde Euro einnehmen. Um zu prüfen, was die Steuer denn nun bringt, hat der BDL eine eigene Studie in Auftrag gegeben. Demnach hat der Bund zwar rund einer Milliarde Euro eingenommen, doch im selben Zeitraum seien den Luftfahrtbranche 600 Millionen Euro Einnahmen wie zum Beispiel Flughafengebühren entgangen. Doch damit nicht genug.

Anzeige

Geld, das anderswo fehlt

Der Studie nach belastet die Steuer vor allem innerdeutschen Flüge, weil bei denen sowohl das Hin- als auch das Rückflugticket besteuert wird. Airlines wie die Lufthansa und Air Berlin, die besonders viele Routen innerhalb Deutschlands anbieten, müssen also besonders tief in die Tasche greifen. Die höheren Ticketpreise können sie wegen des hohen Konkurrenzdrucks nur zum Teil an die Kunden weitergeben.

Damit zahlen die sechs deutschen Fluggesellschaften mehr Steuern als alle andere Airlines. 565 Millionen Euro haben die sechs im BDL vertretenen Unternehmen wie Air Berlin und die Deutsche Lufthansa 2011 gezahlt. Die restlichen rund 100 ausländischen Airlines, die von Deutschland aus starten, haben gemeinsam "nur" 396 Millionen Euro Steuern gezahlt. Das sei nicht nur wettbewerbsverzerrend schimpfen die deutschen Fluggesellschaften, die Steuer sauge Geld ab, das an anderer Stelle dringend gebraucht würde. So beklagte Lufthansa-Chef Christoph Franz, dass sein Konzern 361 Millionen Euro wegen der Ticketsteuer an den Fiskus überweisen musste. "Die bräuchten wir dringend für unsere Investitionen in eine moderne und umweltfreundliche Flotte", sagte er auf der Hauptversammlung in Köln. Air Berlin begründete das schlechte Ergebnis für 2011 ebenfalls mit der Einführung der Verkehrssteuer und gestiegenen Treibstoffpreisen.

Luftverkehrssteuer vertreibt Passagiere

BDL-Präsident Siegloch berichtet, bei der Studie vom Verband on Auftrag gegebenen Studie sei die Luftverkehrssteuer glatt „durchgefallen“. Sie helfe nicht, die Umweltbelastung einzudämmen, sondern habe vielmehr dazu geführt, dass 2011 in Deutschland fünf Millionen Passagiere „gefehlt“ hätten. Die seien in Nachbarländer ausgewichen, wo keine Abgabe erhoben werde. Der deutsche Alleingang vertreibe somit Passagiere ins Ausland. Der Druck auf die deutschen Airlines werde immer größer. Die Lufthansa schreibe derzeit nicht zuletzt wegen der Luftverkehrssteuer rote Zahlen, sagte Siegloch und betonte, ohne die Abgabe hätte die Branche viel stärker wachsen können.

Mit der Informationskampagne spannt der Luftfahrtverband nun die Kunden vor den Karren. Auch wenn die Airlines nur einen Bruchteil des Steuerbetrags auf die Tickets aufschlagen, Flugpassagiere müssen seit 2011 deutlich mehr für ihre Tickets bezahlen. Deshalb hat der BDI für die Kampagne das Motto "Luftverkehrssteuer - für alle zu teuer" gewählt.

weitere Links

Unzufriedene Passagiere sollen Berlin Dampf machen. „Die Politik reagiert nur, wenn die Wähler anfangen, Fragen zu stellen“, argumentiert der BDL-Präsident. Eine geschickte Taktik. Aber ob kritische Wählerfragen ausreichen werden, um die Bundesregierung davon zu überzeugen, die Steuer wieder abzuschaffen? Am 30. Juni befasst sich der Bundestag mit dem Thema. Anderthalb Jahre nach der Einführung sollen die Abgeordneten überprüfen, ob die Steuer ihren Zweck erfüllt. Sollte alles bleiben wie es ist, wird Lufthansa-Chef Franz wohl recht behalten. Der sagte auf der Bilanzpressekonferenz im März, er erwarte auch einen Beitrag der Kunden. Zu deutsch: Fliegen muss teurer werden.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%