Mainzer Bahnchaos: Das Versagen von Konzern und Gewerkschaften

KommentarMainzer Bahnchaos: Das Versagen von Konzern und Gewerkschaften

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Ausfälle im Bahnverkehr in Mainz

von Christian Schlesiger

Die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz bleibt tagsüber vom Fernverkehr abgekoppelt, weil der Deutschen Bahn Stellwerker fehlen. Ein Armutszeugnis für den Konzern. Auch die Gewerkschaften machen keine gute Figur.

Wenn ein Unternehmen in die Krise rutscht, sind nicht nur die Führungskräfte gefragt, sondern auch die Mitarbeiter. Wenn Produkte zur Gefahrenquelle werden, die Absätze einbrachen oder der Betrieb nicht mehr gewährleistet werden kann, muss jeder im Unternehmen Verantwortung übernehmen. Eine gute Unternehmenskultur zeichnet sich dadurch aus, das selbst einfache Mitarbeiter in solchen Situationen bereit sind, einzuspringen, wenn Not am Mann ist.

Doch bei der Deutschen Bahn ist die Stimmung nicht gut. Das wird spätestens jetzt in Mainz offensichtlich. Weil das Stellwerk in Mainz mit 18 Mitarbeitern nur zur Hälfte besetzt ist, fahren Regionalzüge nur noch stündlich und die meisten Fernverkehrsverbindungen fallen aus. Reisende müssen in Bischofsheim, Wiesbaden oder Frankfurt-Flughafen umsteigen. Urlaub und Krankheit haben das Stellwerk-Team dezimiert. Die Einschränkungen gelten bis Ende August. Fahrdienstleiter von anderen Stellwerken können in Mainz nicht eingesetzt werden, weil ihn die notwendige Ortskenntnis fehlt.

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Statt die Probleme zu lösen, liefern sich Konzern und Gewerkschaften nun aber ein peinliches Schwarzer-Peter-Spiel - auf Kosten der Fahrgäste. Den Quell allen Übels finden Beobachter beim Management. Die Personalplanung der Konzerntochter DB Netz scheint offenbar so realitätsfern gewesen, dass kleinste Eruptionen das System zum Einsturz bringen. Ein paar Mitarbeiter sind im Urlaub, andere werden krank und schon geht gar nichts mehr in Mainz. Auch in Breba und Worms in Hessen, Friedrichssegen in Rheinland-Pfalz und Zwickau in Sachsen hat es Zugausfälle wegen Personalmangels gegeben. Und Frank Sennhenn, Vorstandschef der DB Netz AG, sagte heute im ARD-Morgenmagazin: „Wir haben bundesweit eine angespannte Situation, das ist richtig.“

Chaos am Mainzer Bahnhof Bahn zieht personelle Konsequenzen

Verkehrsminister Ramsauer hat sich in die Probleme am Mainzer Hauptbahnhof eingeschaltet. Kommende Woche sollen noch mehr Züge im Rhein-Main-Gebiet ausfallen. Die Bahn hat inzwischen einen Manager entlassen.

Das Chaos am Mainzer Bahnhof hat unangenehme Konsequenzen für die Deutsche Bahn. Quelle: dpa

Die Deutsche Bahn reagiert hektisch. Statt Mitarbeiter auf kluge Weise aus dem Urlaub zu locken, holt sie gleich zum ganz großen Schlag aus: Hansjörg Hess, Produktionsvorstand bei DB Netz, muss seinen Posten räumen. Bahnchef Rüdiger Grube will sich so als knallharter Druchgreifer positionieren, als professioneller Krisenmanager, so wie er fast den gesamten Bahnvorstand entlassen hat als er 2009 auf Vorgänger Hartmut Mehdorn folgte und die Spitzelaffäre aufarbeiten musste.

So richtig die damalige Freisetzung der Führunsgriege war, so wenig bringt sie im aktuellen Fall. Mainz bleibt weiter vom Zugverkehr abgekoppelt. Ein unhaltbarer Zustand für einen Konzern, der spätestens 2020 zu Deutschlands beliebtesten Arbeitgebern aufsteigen möchte. Doch an der Problemlösung ändert sich nichts. FDP-Generalsekretär und Bahn-Aufsichtsrat Patrick Döring forderte den Konzern auf, die Mitarbeiter aus dem Urlaub zurück zu holen. Klar ist, dass ein Unternehmen die Mitarbeiter dazu nicht zwingen kann. Doch in einem Notfall ist eine solche Forderung eigentlich selbstverständlich.

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