Mainzer Bahnchaos: FDP fordert Börsengang der Bahn

Mainzer Bahnchaos: FDP fordert Börsengang der Bahn

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Wegen Personalmangel herrscht großes Chaos an Mainzer Bahnhöfen. Nun greift auch die Politik ein

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn wird zum Wahlkampfthema. Einige halten den einst geplanten Börsengang als Ursache für die Personalprobleme. Andere halten ihn für die Lösung. Klar ist, dass seit Jahren zu wenig in die Stellwerkstechnik investiert wurde.

Inzwischen ist Mainz Chefsache. Bahnchef Rüdiger Grube hat seinen Urlaub unterbrochen, um heute und morgen bei den kurzfristig anberaumten Bahngipfeln Besserung zu geloben. Inzwischen muss er sich gegen heftige Kritik aus der Politik wehren.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisierte wegen der massiven Probleme in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt die Personalpolitik der Deutschen Bahn. "Hier wurde offenbar falsch gespart. Das rächt sich jetzt", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Die Bahn-Mitarbeiter zu bestrafen und aus dem Urlaub zurückzuholen, sei der falsche Weg. "Die Fahrdienstleiter brauchen auch ihre Erholung, sonst betreibt man Raubbau an ihnen. Sie sind nicht für diese Fehlplanung verantwortlich", sagte Steinbrück der Zeitung. Von der Bahn forderte er schnelle Lösungen.
Steinbrück sieht die Ursache für die Personalprobleme damit offenbar beim einst geplanten Börsengang. Die Zahl der Beschäftigten sank bei der Konzerntochter DB Netz von 57.000 im Jahr 2000 auf rund 35.000 im vergangenen Jahr – ein Abbau von 38 Prozent.

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Zum richtigen Zeitpunkt an die Börse

Die FDP hält die aktuelle Konzernstruktur derweilen als Grundübel. Rainer Brüderle, FDP-Fraktionschef im Bundestag, sprach sich im Interview mit der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" für eine grundsätzlich neue Struktur der Bahn aus. Im Zusammenhang mit den Zugausfällen attestierte er dem Unternehmen eine "internationale Blamage". "Hier wird eine ganze Region in Geiselhaft genommen", sagte er der Zeitung. Nach den Worten von Brüderle müsse die Bahnstruktur mit ihrer staatlichen Absicherung grundlegend unter die Lupe genommen werden. "Ein freies Unternehmen im Wettbewerb könnte sich so etwas nicht leisten", erklärte er. Die Bahn an die Börse zu bringen hält der Politiker demnach "zum richtigen Zeitpunkt für überlegenswert".

Weil sich das Mainzer Bahnchaos offenbar gut als Wahlkampfthema eignet, springen nun auch andere Politiker auf den Zug. Um 14 Uhr will auch Renate Künast, Vorsitzende der Bundestagsfraktion und Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl der Berliner Grünen, ein "Statement zum Bahn-Debakel" abgeben.

Die Personalprobleme bei der Bahn könnten künftig noch an Schärfe zunehmen, sagt Ronald Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), der WirtschaftsWoche. Grund ist die teils völlig veraltete Stellwerkstechnik. Jedes dritte Stellwerk sei im Schnitt 93 Jahre alt. Viele Werke stammen noch aus der Kaiserzeit nach 1885. „Der Bedarf an Fachpersonal für die Steuerung von bis zu hundert Jahre alten Stellwerke wird sich auch durch engagierte Rekrutierungsanstrengungen nur schwer decken lassen. Durch die immer älter werdende Gesellschaft stehen dem doch sehr speziellen Arbeitsfeld immer weniger in Frage kommende Arbeitskräfte zur Verfügung.“

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