Malaysia Airlines: Die tragische Krise eines Vorzeigeunternehmens

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Malaysia Airlines: Die tragische Krise eines Vorzeigeunternehmens

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Für Malaysia Airlines könnte die Unglücksserie das Aus in ihrer derzeitigen Gestalt bedeuten.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Nach zwei Katastrophen in vier Monaten droht Malaysia Airlines die Rückverstaatlichung. Doch die Probleme der Fluglinie liegen deutlich tiefer - und erinnern an die Sorgen europäischer Linien.

Von allen Jobs in der Flugbranche hat Ahmad Jauhari Yahya derzeit sicher den schwersten. Der Chef der Fluglinie Malaysia Airlines (MAS) musste in den vergangenen vier Monaten zwei der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Luftfahrt verarbeiten. Im März verschwand ein Großraumflugzeug mit fast 200 Passgieren spurlos auf dem Flug von der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking. Und in der vergangenen Woche wurde ein weiteres Flugzeug mit fast 300 Menschen über der Ukraine abgeschossen.

Zwar gab es Unglücksserien bereits bei anderen Fluglinien wie bei American Airlines. Damals brachten Terroristen bei den Anschlägen am 11. September 2001 gleich zwei Maschinen zum Absturz, gefolgt von einem Absturz infolge einer Fehlreaktion eines Piloten im November 2001.

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Doch die MAS-Serie ist die wohl tragischste. Denn das Verschwinden des Flugs MH370 im Frühjahr ist das bisher mysteriöseste Unglück der Fluggeschichte. Bis heute besteht keine Klarheit über den Ablauf und Experten erklären sich den Vorfall hinter vorgehaltener Hand an ehesten damit, dass jemand die Maschine absichtlich zum Absturz brachte, wenn auch die Gründe völlig unklar sind. Und der Abschuss von MH17 über der Ukraine ist ein noch schlimmeres Verbrechen, denn die Maschine war klar als Zivilflugzeug zu erkennen.

Vor dem Komplettumbau

Für MAS könnte die Unglücksserie das Aus in ihrer derzeitigen Gestalt bedeuten. Bereits vor den Unglücken schrieb die Linie mehrere Jahre lang Verlust. Nun sinken die Buchungen weiter und es gibt Berichte, nach denen der bisherige Mehrheitseigentümer - ein Staatsfonds der malaysischen Regierung - die Linie von der Börse nehmen und komplett umbauen könnte.

Das wäre das unrühmliche Ende eines Vorzeigeunternehmens. Immerhin gehört die Linie vom Service her zu den besten der Welt. Sie trägt neben Top-Namen wie Singapore Airlines, Cathay Pacific aus Hongkong oder der japanischen ANA als eine von lediglich sieben Airlines weltweit die 5-Star-Wertung des Marktforschungsinstituts Skytrax aus Großbritannien. Besonders der Umsteigeservice und die Lounges am Drehkreuz Kuala Lumpur gelten als vorbildlich.

Erst stürzt eine Passagiermaschine und ist unauffindbar. Und nun ist die Malaysia-Airlines durch die Flugkatastrophe in der Ukraine belastet. Welche Folgen ergeben sich nun für die Airline?

Doch so sehr die aktuellen Katastrophen die Linie auch in Bedrängnis bringen und zur Trauer mahnen: Nicht zuletzt die Tatsache, dass MAS in den vergangenen zehn Jahren fünf Chefs verschlissen hat, zeigt die tiefe Misere. Die Linie ist im Wettbewerb mit überlegenen Konkurrenten zu schnell gewachsen, hat das Kerngeschäft aus den Augen verloren und nicht zuletzt aus Rücksicht auf die Politik ihres Heimatlandes die Kosten nicht ausreichend gedrückt. Damit erinnert MAS an die Probleme der großen europäischen Airlines wie Lufthansa oder British Airways.

Harte Konkurrenz

Erstes Problem von MAS ist die extrem harte Konkurrenz. MAS leidet auf kürzeren Strecken unter Billigfliegern und auf der Langstrecke unter wirtschaftlich effizienteren Fluglinien wie Singapore Airlines, den Golflinien - und dem erfolgreichsten Langstrecken-Billigflieger Air Asia X.

Dabei ist der Wettbewerb noch härter als in Europa. British Airways hatte die Billigkonkurrenz in ihrer Heimstadt London nicht am eigenen Flughafen Heathrow, sondern zunächst nur an den schlechter und teurer erreichbaren Flughäfen Stansted und Luton. Lufthansa hat am Heimatflughafen Frankfurt keine und am Zweitairport München nur begrenzte Discountkonkurrenz.

MAS hingegen fliegt seit etwa zehn Jahren im eigenen Drehkreuz Kuala Lumpur gegen Air Asia. Bei dem Billigflieger liegen die Kosten noch rund ein Viertel unter denen von Geizmeister Ryanair. Und Air Asia bekämpfte MAS nicht nur im Regionalverkehr, sondern auch auf der Langstrecke mit dem Interkontinental-Ableger Air Asia X, der vor allem bei preissensiblen Touristen punktete.

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