Malaysia-Airlines-Flug: Flugzeug-Wrackteil stammt von MH370

Malaysia-Airlines-Flug: Flugzeug-Wrackteil stammt von MH370

, aktualisiert 06. August 2015, 06:18 Uhr
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Das von Muscheln übersäte Teil der MH370 das bei Saint-André auf der französischen Insel La Réunion angeschwemmt wurde.

Das im Indischen Ozean angeschwemmte Flugzeug-Wrackteil stammt vom vermissten Malaysia-Airlines-Flug MH370. Dies habe die Untersuchung der Flügelklappe ergeben.

Das auf La Réunion im Indischen Ozean vor einer Woche angeschwemmte Wrackteil gehört nach malaysischen Angaben zum vor 17 Monaten verschollenen Flug MH370. Hoffentlich beende diese Nachricht die „unaussprechliche“ Ungewissheit der Hinterbliebenen der 239 Insassen, sagte der malaysische Ministerpräsident Najib Razak am Mittwoch. Wenige Stunden zuvor hatte in einem Technikzentrum des französischen Verteidigungsministeriums in Balma nahe Toulouse die Untersuchung des als Flaperon bezeichneten Querruders begonnen. Doch Frankreich, die USA und Australien hielten sich zunächst bedeckt und wollten der Bestätigung aus Kuala Lumpur zunächst nicht folgen. Dies löste bei einigen Hinterbliebene Frust aus.

Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 8. März 2014 auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking über der Meerenge von Malakka vom Radar verschwunden. Trotz einer ausgiebigen Suche in einem 4,6 Millionen Quadratkilometer großen Gebiet im Indischen Ozean hatte sich keine Spur ergeben - bis vergangene Woche ein Querruder an einem einsamen Strand von der zu Frankreich gehörenden Insel angespült wurde.

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Wie wahrscheinlich sind die MH370-Theorien?

  • Ein Jahr Stochern im Nebel

    Flug MH370 bleibt verschwunden. Niemand weiß, was sich in den letzten Stunden an Bord abgespielt hat. Die Theorien reichen von unglaublich bis absurd.  Ermittler und Experten, Wichtigtuer und Wahrsager bieten ihre Expertise in Sachen MH370 an. Was geschah mit dem Flug der Malaysia Airlines, der am 8. März 2014 mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwand?

    Quelle: dpa

  • Technischer Defekt

    An Bord war zwar eine Ladung mit gut 200 Kilogramm hoch brennbaren Batterien. Ein Brand hätte womöglich die beiden Kommunikationssysteme zerstören können - aber die Piloten hätten zuvor im Cockpit Alarm gehört und über Funk eine Notsituation gemeldet, sagen Piloten. Hätten toxische Dämpfe oder ein Druckabfall Passagiere und Crew bewusstlos gemacht, hätte die Maschine nach dem letzten Radarkontakt nicht zwei abrupte Kursänderungen nehmen können.

  • Entführung durch Terroristen

    Als die Kursänderungen eine Woche nach dem Verschwinden enthüllt wurden, sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak: „Diese Bewegungen deuten auf absichtliches Eingreifen durch jemanden an Bord hin.“ Die Ermittler haben alle Passagiere und Besatzungsmitglieder unter die Lupe genommen. Niemand hatte Terror-Sympathien oder -Verbindungen, auch die beiden Iraner nicht, die mit gefälschten europäischen Pässen an Bord waren. Sie träumten vom besseren Leben in Europa. Keine Terrororganisation hat sich je zu einem Anschlag bekannt.

  • Verwicklungen eines Schurkenstaats

    Kann ein Schurkenstaat dahinterstecken? Das behauptet der Amerikaner Christopher Green in einem auf YouTube populären Video, allerdings ohne jedwede Indizien. Ein Schurkenstaat habe die Maschine gekapert, wolle sie mit Atomwaffen ausstatten und eines Tages auf eine US-Stadt lenken. Der US-Autor Jeff Wise vermutet die Maschine dagegen in russischen Händen und spekuliert wild über abwegige Motive.

  • Machenschaften der Geheimdienste

    Das FBI taucht immer bei Verschwörungstheorien auf: Die USA seien hinter etwas her gewesen, das an Bord war, meint der chinesische Blogger He Xin. Die US-Botschaft in Kuala Lumpur sah sich sogar genötigt zu dementieren, dass das Flugzeug auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean landete. Ex-Airline-Chef und Buchautor Marc Dugain kombiniert diese Theorien zu seiner Version: Hacker manipulierten die Bordcomputer von außen und lenkten die Maschine auf den US-Stützpunkt, vor dem das US-Militär die Maschine abschoss.

  • Abschuss des Fliegers

    Kann die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein? Das behauptet der britische Autor Nigel Cawthorne in einem Buch. Bei einer damals stattfindenden thailändisch-amerikanischen Militärübung im Südchinesischen Meer sei scharfe Munition verwendet worden. Die Geschichte vom stundenlangen Flug in Richtung Süden sei erfunden worden, um sicherzustellen, dass das Wrack an falscher Stelle gesucht und nie gefunden wird. Seriöse Experten zweifeln nicht an den Angaben der Satellitenfirma Inmarsat, die Stunden nach dem Verschwinden Daten von der Maschine auffing.

  • Selbstmord des Piloten

    Hat der Pilot selbst die Maschine ins Verderben gelenkt? Das halten mehrere erfahrene Unfallermittler für die wahrscheinlichste Variante. Sie äußern sich in einer Dokumentation des Senders National Geographic: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Warum würde aber jemand auf Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen?

„Ich muss Ihnen schweren Herzens sagen, dass ein internationales Expertenteam eindeutig bestätigt hat, dass das Flugzeugwrackteil (...) tatsächlich von MH370 stammt“, sagte Najib vor Reportern. Er hoffe, dass diese Bestätigung trotz aller Tragik und allen Schmerzes den Angehörigen der Menschen an Bord der Boeing 777 der Malaysia Airlines jetzt zumindest Gewissheit bringe. „Sie haben unser tiefstes Mitgefühl“, fügte der Regierungschef hinzu.

Auf einer Pressekonferenz in Paris zeigten sich französische Ermittler allerdings zurückhaltender als Najib. Es gebe „starke Hinweise“ darauf, dass das Teil von MH370 stamme, sagte der stellvertretende Pariser Staatsanwalt Serge Mackowiak. Rundweg bestätigen wollte er dies aber nicht. Seinen Worten zufolge sollten am (morgigen) Donnerstagmorgen weitere Untersuchungen folgen, um die bisherigen Eindrücke zu stützen.

Auch Australien, das die Meeresboden-Suche nach dem MH370-Wrack leitet, reagierte verhalten. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ stamme das angeschwemmte Wrackstück von MH370, teile die Regierung in Canberra mit.

Die nervenaufreibende Suche nach MH370

  • Das Unglück

    Am 8. März 2014 verschwand Flug MH370 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos vom Radar. Auch nach einem Jahr ist völlig rätselhaft, wo und warum die Maschine der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord abhandenkam. Derzeit konzentrieren sich die Suchmannschaften auf eine 60 000 Quadratkilometer große Zone im Indischen Ozean westlich von Australien - bislang ohne jeden Erfolg.

  • Wie ist der Stand der Suche?

    Die Suchmannschaften haben bisher mehr als 40 Prozent dieser Zone durchkämmt. In dem Areal rund 1800 Kilometer vor der australischen Westküste wird das Flugzeug aufgrund von Auswertungen des Signalverkehrs zwischen MH370 und einem Satelliten vermutet. Innerhalb der durchschnittlich 4000 Meter tiefen Meereszone lässt sich nach Aussagen des Leiters der australischen Verkehrssicherheitsbehörde (ATSB), Martin Dolan, allerdings kein Punkt ausmachen, an dem die Suche am ehesten Erfolg verspricht.

  • Wie lange soll noch gesucht werden?

    Trotz mehrmaliger Verzögerungen wegen schlechten Wetters oder Ausrüstungsproblemen gehen die Behörden davon aus, dass diese vorrangige Zone bis Ende Mai durchsucht ist.

  • Was passiert, wenn das Flugzeug dort nicht gefunden wird?

    Eine Option wäre nach Auskunft des australischen Verkehrsministers Warren Truss die Ausweitung der Suche auf ein größeres Gebiet im Meer vor Australien. Die bisherigen Suchanstrengungen haben Australien und Malaysia jeweils mit umgerechnet rund 54 Millionen Euro unterstützt. Im kommenden Monat soll in Gesprächen der beiden Regierungen mit China eine Entscheidung über eine mögliche weitere Suche fallen. „Je mehr Partner wir haben, desto mehr Möglichkeiten haben wir, ein größeres Gebiet zu durchsuchen“, betont Truss.

  • Wie läuft die Suche ab?

    Vier Schiffe mit jeweils 30-köpfiger Besatzung durchsuchen die ausgewiesene Zone. Drei der Schiffe sind mit Sonargeräten ausgerüstet, die sie hinter sich herziehen und die knapp über dem Meeresboden mögliche Trümmer orten sollen. Seit Januar ist das vierte Schiff namens „Fugro Supporter“ dabei. Es hat eine Art unbemanntes U-Boot im Einsatz, das leichter durch felsige und unebene Stellen in der Meerestiefe gesteuert werden kann und daher auch Regionen abtasten kann, bei denen die Sonargeräte an ihre Grenzen stoßen.
    Anders als diese schickt die Unterwasserdrohne aber keine Daten in Echtzeit zurück an Bord, sondern muss nach 24 bis 36 Stunden an die Oberfläche gebracht werden, damit die Daten abgegriffen werden können. Etwa alle vier Wochen müssen die Schiffe zurück zur Küste, um Vorräte aufzustocken. Der einfache Weg kann bis zu sechs Tage in Anspruch nehmen.

  • Wird überhaupt noch nach schwimmenden Trümmerteilen gesucht?

    Nach Trümmerteilen an der Wasseroberfläche wird nach Angaben von ATSB-Chef Dolan weiter Ausschau gehalten, auch wenn solche vermutlich längst gesunken wären. Im August baten die australischen Behörden Indonesien, das Meer vor seiner Westküste zu beobachten. Derzeit wird das Strömungsmodell überprüft, um zu sehen, ob Flugzeugteile möglicherweise an eine andere Stelle getrieben worden sein könnten.

  • Was passiert, wenn das Flugzeug gefunden wird?

    Australien bemüht sich bereits um Firmen, die die Bergung vom Meeresboden vornehmen könnten. Vor einer Bergungsaktion müssten allerdings zunächst Australien und Malaysia zustimmen, dann müsste über die beste Vorgehensweise entschieden werden. Sollte das Flugzeug auf dem Meeresgrund entdeckt werden, würde es nach Einschätzung Dolans bis zum Beginn der Bergung noch mindestens einen Monat dauern.

Unabhängig davon bezeichnete Malaysia Airlines in einer Erklärung die gewonnene Erkenntnis als „großen Durchbruch“, um das Verschwinden von Flug MH370 aufzuklären. „Wir erwarten und hoffen, dass jetzt noch mehr Objekte gefunden werden, die helfen, dieses Mysterium aufzuklären“, hieß es.

Mit dem Einsatz von hochpräzisen Geräten, etwa Mikroskopen, hoffen Experten ferner, Hinweise auf das Schicksal von MH370 zu erhalten. Unter anderem wollen sie Aufschluss darüber gewinnen, wie und warum das Flugzeug herunterging und welchem Stress das Material bei einem Aufschlag ausgesetzt war. Darüber gibt es bislang nur Spekulationen.

Die Fragen, warum die Boeing auf ihrem Flug überhaupt verschwand und wo sie genau im Indischen Ozean versank, wird die Untersuchung aber wohl nicht vollständig lösen können.

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Jacquita Gomes, die Frau eines Crewmitglieds, wurde von Malaysia Airlines rund eine halbe Stunde vor der öffentlichen Bestätigung informiert. Damit wisse sie, „dass mein Mann nicht länger auf dieser Welt ist, doch sie können es nicht mit diesem Flaperon belassen“, kritisierte sie. „Wir rufen sie auf, solange zu suchen, bis sie das Flugzeug finden und es zurückbringen“.

Sara Weeks, Schwester des neuseeländischen MH370-Insassen Paul Weeks, zeigte sich indes frustriert über die verhaltenen Reaktionen auf die Bestätigung Malaysias. „Warum zur Hölle bestätigt einer, und der andere nicht? Warum wartet man nicht und holt alle ins gleiche Boot, damit die Familien nicht diese Qual durchleiden müssen?“, fragte sie.

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