Marktforscher: Fahrkarten für Fernbusse werden teurer

Marktforscher: Fahrkarten für Fernbusse werden teurer

Daran hätte man sich gewöhnen können: Immer mehr Verbindungen und immer günstigere Preise im Fernbus. Jetzt deutet sich aber eine Trendwende an.

Die Zeiten immer niedrigerer Fahrpreise für Fernbuskunden scheinen vorerst vorbei zu sein. Nach Kampfpreisen und einem Machtkampf auf dem neuen Markt gibt es erste Anzeichen für eine Normalisierung. Die Sparpreise verteuerten sich von Januar bis April durchschnittlich um elf Prozent, wie aus Zahlen des Berliner Marktforschungsinstituts IGES hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Die Normalpreise blieben dagegen weitgehend stabil.

„Die Tendenz zu höheren Preisen überrascht nicht“, sagte IGES-Geschäftsführer Christoph Gipp. Der Fernbusmarkt konsolidiere sich, für die Branche sei das existenziell. Seit der Liberalisierung Anfang 2013 waren zahlreiche neue Anbieter auf den Markt gedrängt, verbanden zuerst die großen Städte und boten dann immer neue Linien bis in die Mittelzentren an. Fernbusse zählten im vergangenen Jahr 17 bis 19 Millionen Fahrgäste, wie aus vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht - doppelt so viele wie im Vorjahr.

Neue Züge der Deutschen Bahn

  • ICx: Der Komfortable

    Die neuen ICx von Siemens erhalten eine Beleuchtung, die sich an Zeit und Außenstimmung anpasst. Zudem erlauben sie die Mitnahme von Rädern. Die ersten der 130 bestellten Züge kommen 2017. Investition: 5,3 Milliarden Euro. Pro Jahr liefert Siemens 20 Stück. Ein rund 200 Meter langer Zug besteht beim ICx aus sieben statt acht Wagen wie beim ICE. Das senkt Kosten und bringt mehr Sitzplätze. Siemens baut zwei Modelle: 345 und 202 Meter lang, Höchsttempo 249 und 230 Kilometer pro Stunde.

  • IC Dostock: Der Schlichte

    Die Doppelstockzüge von Bombardier kommen vor allem auf Nebenstrecken zum Einsatz. Anders als im Nahverkehr, wo sie bereits als Regionalexpress unterwegs sind, erhalten die 44 bestellten Dostocks das blaue Velours-Ambiente eines Intercity. Investition: 660 Millionen Euro. Es gibt keinen Schnickschnack: Sitzreihen und Toiletten sind enger, kein Bordrestaurant, stattdessen mobiler Gastro-Service. Betriebliche Vorteile: Die Züge sind in der Länge variabel und gelten als extrem verlässlich.

Neue Linien kamen in den vergangenen Monaten aber kaum hinzu, auch die Zahl der Fahrten stagnierte. Das Institut zählte im April 264 Verbindungen in Deutschland. Das waren nur 3 mehr als im Januar, aber 95 mehr als vor einem Jahr. Jedoch haben sowohl der Marktführer MeinFernbus/Flixbus als auch die Deutsche Bahn und der Postbus angekündigt, ihr jeweiliges Netz auszuweiten.

„Das Linienwachstum ist nicht ausgereizt“, ist auch Gipp sicher. Vor Kurzem erst war das britische Unternehmen Megabus mit Tiefpreisen in den Markt eingestiegen. Solche Billigticket-Aktionen änderten aber nichts am allgemeinen Trend zu höheren Preisen, heißt es bei IGES. Dort spricht am vom üblichen Markteintrittsverhalten. Seit Monaten rechnen auch Verbraucherschützer mit einem Ende der ganz tiefen Schnäppchenpreise.

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Pro Kilometer zahlten Fernbuskunden zu Aktionspreisen nach Daten des Instituts zuletzt 4 Cent pro Kilometer, im Januar waren es noch 3,6 Cent. Vor der Freigabe des Fernbusmarktes im Januar 2013 habe der Kilometerpreis noch bei 5 Cent gelegen. Die Normalpreise lagen zuletzt bei 9 Cent, im vergangenen Jahr sogar etwas niedriger. Vor der Liberalisierung waren es 11 Cent. Der Preiskampf hatte im vergangenen Jahr erste Opfer gefordert. Der britische Anbieter National Express zog sich mit seinem Ableger city2city aus Deutschland zurück. Der ADAC verließ das Busbündnis mit der Post und der Offenbacher Pionier Deinbus schlitterte in die Insolvenz, fand aber einen Investor. Die Busmarken der Bahn und MeinFernbus schrieben schwarze Zahlen, Flixbus hatte sie für dieses Jahr angepeilt, schloss sich indes zu Jahresbeginn mit MeinFernbus zusammen.

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