GfK: KKR steigt doch bei Marktforschungskonzern ein

KommentarMarktforscher: Was der Einstieg von KKR bei der GfK bedeutet

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Eine Tüte mit GfK-Logo.

von Peter Steinkirchner

Bereits Ende August gab es Gerüchte um einen Einstieg von KKR bei der GfK. Was damals dementiert wurde, scheint sich jetzt zu bewahrheiten. Der Einstieg öffnet Tür und Tor für Spekulationen über die Zukunft der GfK.

Kurz nach 13 Uhr kannte der Aktienkurs der Gesellschaft für Konsumforschung, kurz GfK, nur noch eine Richtung: aufwärts. Um 30 Prozent schoss der Wert des Papiers nach oben, auf mehr als 43 Euro. Kurz zuvor hatte New Yorker Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) angekündigt, sich am traditionsreichen Nürnberger Marktforschungskonzern beteiligen zu wollen. Dazu bietet er in einem freiwilligen Angebot den Aktionären 43,50 Euro je Wertpapier. Die Offerte sorgte für den Höhenrausch.

Unangetastet bleiben soll indes der Anteil des GfK-Mehrheitsaktionärs, des GfK-Vereins. Dem gehören 550 Unternehmen, Kammern und Einzelpersonen an, er hält 55,46 Prozent am Konzern. In diesen Kreisen legt man großen Wert darauf, das Sagen zu behalten. Wie groß, wurde bereits Ende August sichtbar: Da sah sich der Verein genötigt, Verkaufsabsichten zu dementieren. Zuvor hatte die WirtschaftsWoche über Pläne berichtet, die GfK ganz oder teilweise zu verkaufen oder sie mit einem Wettbewerber zu fusionieren. Der Anteilsverkauf durch den Verein war bereits da nur eine von mehreren erwogenen Varianten. Tatsächlich hatte es aber bereits im Frühjahr durchaus interne Pläne gegeben, die in diese Richtung zielten. Und bereits damals war auch schon KKR beteiligt.

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Nun scheint der GfK-Verein vordergründig seinen Willen bekommen zu haben: Die KKR-Offerte zielt auf die Aktien im Streubesitz; erreicht das Angebot mehr als 18,54 Prozent, würden die Investoren gemeinsam mit dem Verein mindestens 75 Prozent halten. Und dann? Dann, so suggerieren es die Mitteilungen und in einer Telefonkonferenz auch der interimistische Vorstandschef Gerhard Hausruckinger, wird sicher alles gut. Mit der Expertise der KKR-Cracks, gepaart mit cleveren Verbindungen zu anderen Unternehmen aus dem KKR-Portfolio, werde man den GfK-Kahn bestimmt wieder flott kriegen und den wachsenden Rückstand zu den internationalen Konkurrenten verkleinern. Dann, so idyllisch klingt es beinahe, werde man gemeinsam in den Sonnenuntergang paddeln.

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Tatsächlich hatte der Kutter zuletzt reichlich Schlagseite: Es war immerhin ein Verlust von 150 Millionen Euro bei einem im ersten Halbjahr auf 772 Millionen geschrumpften Umsatz, der Hausruckingers Vorgänger Matthias Hartmann dem Job gekostet hatte. Dass sich daran bereits wesentliches geändert hätte, war auch nach den Zahlen des dritten Quartals nicht zu erkennen: da lag der Umsatz mit 355 Millionen Euro  erneut mehr als vier Prozent unter dem Vorjahrsquartal. Das Leck ist nicht gestopft.

Was also nährt nun die Hoffnung, mit KKR an Bord werde alles besser? Zumal auch alle Beteiligten nicht müde wurden zu betonen, dass natürlich der Standort Nürnberg nicht angetastet werde. Und zumal eben auch der GfK-Verein weiter das Sagen behalten will, der den Umsatzverlusten und Hartmanns vergeblichen Versuchen, den Negativtrend zu brechen, jahrelang zugeschaut hatte.

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Ist es allein der Verweis auf KKRs Expertise im Geschäft mit der Marktforschung, der den Verein gewogen machte, nun die Gesellschaftervereinbarung zu schließen? Wohin die Reise zunächst gehen könnte, ließ GfK-Vorstand Hausruckinger erkennen. Der schloss nämlich nicht aus, dass nach einem Einstieg von KKR Kleinanleger bei der GfK durch ein „squeeze-out“ vor dem Aus stehen könnten. Gut möglich, dass KKR weitere Millionen locker macht, um weitere Anteile einzusammeln. Die Absicht dahinter könnte sein, die GfK dann von der Börse zu nehmen. Schon länger gibt es rund um die GfK kritische Stimmen, die die Börsennotierung für einen Fehler halten. Gut möglich also, dass ein Delisting ein erstes Ziel von Investoren und GfK-Verein ist.

Wie es dann wohl weitergeht im Frankenland, das ist im Moment noch reine Spekulation. Doch trotz gegenteiliger Ansagen und der Betonung der Eigenständigkeit schleicht sich der Eindruck ein, mit dem Einstieg von KKR würden Weichen in eine bestimmte Richtung gestellt: Eine, die die GfK über kurz oder lang in den Bahnhof eines größeren Wettbewerbers lenkt.

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