Mayrhuber doch Aufsichtsrats-Chef: Überraschende Wende bei der Lufthansa

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KommentarMayrhuber doch Aufsichtsrats-Chef: Überraschende Wende bei der Lufthansa

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Wolfgang Mayrhuber wird nun doch Aufsichtsrats-Chef der Lufthansa.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der ehemalige Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber ist trotz erheblicher Kritik einzelner Investoren an die Spitze des Aufsichtsrats der Airline gewählt worden. Allerdings mit dem schwächsten Ergebnis aller vorgeschlagenen Vertreter.

Überraschungen gehören in der Regel nicht zum Standard-Repertoire der Deutschen Lufthansa. Doch nun gelangen dem nach Umsatz weltgrößten Luftfahrtunternehmen gleich zwei. Zuerst verzichtete Montag früh Wolfgang Mayrhuber darauf, wie seit praktisch zwei Jahren angekündigt neue Aufsichtsratschef zu werden. Nur wenige Minuten später machte er die Sache wieder rückgängig. Für den plötzlichen Sinneswandel sorgte nicht etwa Mayrhubers Wankelmütigkeit, sondern die offenbar ungenügende Kenntnis derer, die gegen seine Berufung waren. Am vergangenen Wochenende hatte die Organisation Institutional Shareholder Services (ISS) – einer Beratung für Fondsgesellschaften und andere institutionelle Investoren -  mehrere Fonds wie Union Investment und Templeton davon überzeugt, dass Mayrhuber durch zu viele andere Aufsichtsämter abgelenkt wäre und als Vorgänger des heutigen Konzernchefs Christoph Franz trotz einer zweijährigen Abkühlungsperiode zu wenig Distanz zum Unternehmen habe. Da nun Mayrhuber nur mit gut der Hälfte aller Stimmen rechnen konnten, verzichtete er lieber auf den Posten.

Doch nach längeren Verhandlungen mit ISS und anderen Investoren wurde offenbar klar, dass ISS ihre Einschätzung ohne ausreichende Kenntnis des deutschen Unternehmensrechts getroffen hat. Wie ein Insider erklärt, ist die in den USA beheimatete Organisation davon ausgegangen, dass deutsche Unternehmen wie in den USA nicht von den zwei Gremien Vorstand und einem getrennten Aufsichtsrat geführt werden, sondern von einem einzigen Board aus Topmanagern des Unternehmens und externen Aufsehern.

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Laienhafte und rufschädigende Aktion

Bei dem US-System hat der Chairman oft eine große operative Macht und kann direkt in die operative Unternehmensführung eingreifen. Das ist jedoch in deutschen Aktiengesellschaften anders. Da hat zwar der Aufsichtsratschef oft ein eigenes Büro neben dem Vorstand. Doch seine Macht ist eher informell und er kann nicht direkt in den Alltag eingreifen.

Das war der ISS offenbar nicht bekannt. Diese vorsichtig ausgedrückt etwas laienhafte Herangehensweise ist nicht nur peinlich für die Organisation – und ein wenig auch für die Fonds, die ihr gefolgt sind. Sie schadet in Zukunft auch dem Ruf der ISS und einer an sich positiven Sache: den Interessen der Aktionäre bei einem Unternehmen gegen das Management mehr Einfluss zu verschaffen und einer Verfilzung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat entgegen zu wirken, gemäß dem Bonmot des Satirikers Kurt Tucholsky: Der Aufsichtsrat rät, was er zu beaufsichtigen hat. Für die Lufthansa ist die Lösung des Problems in letzter Minute zunächst eine gute Nachricht. Denn nun bekommt sie nicht wie befürchtet einen geschwächten und weniger sachkundigen Chefaufseher, sondern den erfahrenen Unternehmens- und Branchenkenner Mayrhuber.

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