Medien: In der Zeitungsbranche schwindet der Glaube

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Medien: In der Zeitungsbranche schwindet der Glaube

von Peter Steinkirchner

Das Aus für die „Frankfurter Rundschau“ zeigt, dass die Zusammenlegung von Redaktionen fatale Folgen haben kann.

Das Edel-Hochhaus Sign im Düsseldorfer Medienhafen ist ein Prestigebau, gestaltet vom Star-Architekten Helmut Jahn. Als Ort für ein besonderes Treffen demonstriert das Glas-Trumm schon von Weitem Aufbruch. Sieben große Zeitungsverlage wollen hier am Mittwoch im obersten Stockwerk das Startsignal geben zum Sturm auf die Pfründe von RTL und ProSieben: Sie wollen den Privatsendern große Werbekunden abjagen und offerieren denen erstmals gemeinsam Anzeigenseiten in Blättern wie „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Stuttgarter Zeitung“.

Im Angebot: Jeder vierte deutsche Haushalt mit einem Nettoeinkommen nördlich von 3000 Euro sowie eine Reichweite von 14 Millionen Lesern. Kosten pro Seite: 625 000 Euro. Eine Web-Site haben sich die Print-Vertreter auch schon geschützt – „neue-groesse.de“ lautet der bescheidene Name.

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Doch der Aufbruch verläuft nicht ganz nach Plan. Grund ist das drohende Aus der „Frankfurter Rundschau“. Denn stellt das beinahe 70 Jahre alte Traditionsblatt tatsächlich Ende Januar 2013 sein Erscheinen ein, hätte das nicht allein Folgen für dessen fast 500 Mitarbeiter und rund 120 000 zahlende Leser.

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Verkaufte Auflage überregionaler Tageszeitungen (zum Vergrößern bitte anklicken).

Gleichzeitig bräche der „neuen Größe“ auf einen Schlag ein gutes Stück Reichweite im Ballungsraum Frankfurt weg, das nicht zu ersetzen wäre.

Noch schwerer jedoch wiegt der Imageschaden, den der mögliche Redaktionsschluss am Main für die kriselnde Branche hat. „Mit dem Aus der ,Rundschau‘ schwindet der Glaube an das Prinzip Hoffnung“, sagt Christof Baron, Deutschland-Chef der Mediaagentur Mindshare. Als fatal erweist sich damit auch das Konzept, Redaktionen mehrerer Blätter zusammenzulegen.

Die Zeitungen kämpfen an vielen Fronten: Ihre Print-Kundschaft altert, jüngere lesen News lieber auf dem Smartphone. Seit Jahren sinken die Auflagen, mit höheren Preisen halten die Verlage die Vertriebserlöse noch stabil. Längst wanderten Rubrikenanzeigen ins Internet ab.

Trübt sich die Konjunktur ein, sparen viele Unternehmen bei der Reklame. Sinken so die Einnahmen, stehen die Verlage gleichzeitig vor hohen Investitionen in neue Geschäftsmodelle wie Mobilversionen für ihre Inhalte sowie teure Technik für Bezahlinhalte (Paid Content), wenn sie im digitalen Wandel nicht abgehängt werden wollen.

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