Mediennutzung: Fernsehen? So was von gestern!

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kolumneMediennutzung: Fernsehen? So was von gestern!

Kolumne von Dieter Schnaas

Der Vormarsch von Streaming-Diensten und die Konkurrenz des Internets setzen die Sender unter Druck. Ist das Fernsehen der Zukunft nur noch eine Plattform für Sport und Bullshit-Unterhaltung?

Wollen Sie wissen, was genau ihr Sohn meint, wenn er sie mal wieder mit einem „Du bist so was von gestern“ bedenkt? Dann müssen Sie sich in den nächsten Wochen in die Arbeit des Bundeskartellamtes vertiefen. Die Bundesoberbehörde ist bekanntlich dazu da, die Konzentration von wirtschaftlicher Macht zu verhindern, damit das Wettbewerbsprinzip der Marktwirtschaft sich aufs Schönste entfalten kann. Entsprechend möchte man meinen, die 320 Mitarbeiter hätten alle Hände voll zu tun, um zum Beispiel Entflechtungen in Bankfurt vorzunehmen oder die vier Energieriesen auseinanderzudividieren. Stattdessen geht es in den nächsten Wochen vor allem um den so genannten „Springer-Funke-Deal“, genauer: um die Zulässigkeit des Verkaufs von Programmzeitschriften.
Zur Erinnerung: Im Juli 2013 hatte der Axel-Springer-Konzern u.a. Tageszeitungen („Berliner Morgenpost“, „Hamburger Abendblatt“) und TV-Zeitschriften („Hörzu“, „TV Digital“) für 920 Millionen Euro an die Funke Mediengruppe verkauft. Den Verkauf der Tageszeitungen hat das Kartellamt zwischenzeitlich genehmigt. Bei den Programmzeitschriften aber tritt es auf die Bremse, weil es der Auffassung ist, dass bereits „ein aus vier Anbietern bestehendes marktbeherrschendes Oligopol besteht“ (Springer, Funke, Burda, Bauer). Das Schrumpfen des Quartetts zum Trio aber, so die Wettbewerbshüter, gelte es zu verhindern. Wie bitte? Das Schrumpfen zum Trio? Als ob es darum ginge! Müssen wir wirklich vor drei Informationsmonopolisten geschützt werden, die exklusiv verbreiten dürfen, dass die Tagesschau um 20 Uhr anfängt? Oder sind nicht vielmehr Programmzeitschriften als solche längst „so was von gestern“, sprich: schon heute absehbar vom Markt verschwunden? Wer wird in zwanzig Jahren überhaupt noch Fernsehen nach Programmplan gucken? Das ist doch wohl die entscheidende Frage. Und hier kommt die Antwort: Niemand.
Vielleicht wird das klassische Fernsehen nicht aussterben. Aber es wird, was das Nachrichtenwesen anbelangt, ganz sicher mit dem Internet verschmelzen, maximal ein Anlaufstelle für Sportfreunde blieben und im Übrigen verproletarisieren. Junge Menschen mit Abitur schauen ja ohnehin kaum noch fern im klassischen Sinne. Sie gucken sich Spielfilme, Serien und Comedys an, rund um die Uhr, wann immer sie wollen, auf Smartphones, Laptops, Monitoren, jedenfalls ganz unabhängig von gebührenfinanzierten ARD- und ZDF-Planern, die sich noch immer was auf ihre kluge Programmgestaltung und Einkaufspolitik zugute halten. Wozu eigentlich gibt’s noch Fernsehanstalten – ganz zu schweigen von DVDs und Videotheke -, wenn es längst Streaming-Dienste gibt, die einem für eine Flatrate von 8,99 Euro im Monat Tausende von Spielfilmen und Serienknaller wie „Breaking Bad“ oder „The Wire“ anbieten?
Jedenfalls hat sich, seit ich Kunde eines solchen Streaming-Dienstes bin, mein persönlicher Programmbedarf drastisch reduziert. Sicher, der ein oder andere Zuschauer wird auch in naher Zukunft noch daran festhalten wollen, sich sonntags vor dem Bildschirm einzufinden, um Til Schweiger im neuen „Tatort“ zu bewundern. Aber genauso sicher ist, dass die Fernsehanstalten ihre Produktionen schon bald ständig als Cloud-Konserve vorrätig halten müssen, wenn sie im Rennen um filmerische Bewegtbild-Unterhaltung nicht komplett den Anschluss verlieren wollen. Anders gesagt: Der „neue Tatort“ mit Til Schweiger wird in zwanzig Jahren entweder rund um die Uhr angeboten – oder gar nicht mehr geguckt.

Warum auch, wenn ich meinen Til-Schweiger-Bedarf bei meinem Streaming-Dienst vielleicht nicht mit dem Tatort, dafür aber jederzeit mit „Der Bodygard“ oder „Keinohrhasen“ decken kann? Was wiederum nichts anderes heißt, als dass die Fernsehanstalten von morgen ein Content-Provider unter vielen sein werden. Und dass ihre Produktionen so gut sein müssen, dass sie die Konkurrenz von Streaming-Videotheken nicht fürchten müssen. Für mich persönlich gibt es derzeit fast keinen Grund, irgendeinen Film oder irgendeine Serie im Fernsehen zu erwarten. Ist ja alles schon da - einen Klick weit nur entfernt.

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