MeinFernbus-Chef Torben Greve : "Je schlechter die Bahn, desto besser der Bus"

InterviewMeinFernbus-Chef Torben Greve : "Je schlechter die Bahn, desto besser der Bus"

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MeinFernbus wird aller Voraussicht nach dieses Jahr schwarze Zahlen schreiben.

von Christian Schlesiger

Torben Greve ist Chef von MeinFernbus. Im Interview spricht er über den ersten Jahresgewinn, lukrative Strecken und seine Zeit bei der Bahn.

WirtschaftsWoche: Herr Greve, im Wochenrhythmus ziehen sich Fernbusanbieter zurück. Ist der Markt ein Minusgeschäft für alle?

Greve: Wir befinden uns aktuell tatsächlich in einer sehr rauen Marktphase. Auch wir spüren einen deutlichen Preisdruck. Allerdings ist der sehr unterschiedlich von Strecke zu Strecke. Wir sind wirtschaftlich sehr gut unterwegs und wachsen exakt nach Plan. Wir werden in diesem Jahr aller Voraussicht nach schwarze Zahlen schreiben.

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Wie bitte? Während ADAC, City2City und Deinbus.de einknicken, peilen Sie die Gewinnschwelle an?

Ja. Wir haben ein großes Netz, das uns Größenvorteile beschert. So sitzen in unseren Bussen etwa ab Berlin nicht nur Fahrgäste aus der Region, sondern auch Kunden aus Lübeck, Schwerin und Stralsund, die von dort kommen und in Berlin umsteigen. Durch die Umstiege erreichen wir eine sehr hohe Auslastung, die sich auf Niveau von Fluggesellschaften bewegt.

Über..

  • Torben Greve

    Torben Greve, 39, gründete 2011 zusammen mit Panya Putsathit den Fernbusanbieter MeinFernbus. Inzwischen zählt das Berliner Start-up 250 Mitarbeiter.

Dort liegt die Auslastung bei mehr als 80 Prozent…

Das ist auf vielen Linien auch unsere Größenordnung. Weil sich der Umsatz aus Menge mal Preis bestimmt, bin ich mit der Entwicklung von MeinFernbus mehr als zufrieden. Hinzu kommt noch etwas: Die kleineren Wettbewerber haben sich vor allem auf die Hauptstrecken gesetzt, wo der Wettbewerb sehr intensiv ist. Wir profitieren auch von lukrativen Nebenstrecken, wo der Preisdruck weniger groß ist.

MeinFernbus hat inzwischen einen Marktanteil von 45 Prozent. Welche Vorteile rechnen Sie sich aus?

Wir sind bundesweit bekannt und erreichen dadurch eine hohe Kundenbindung. Unser Ziel ist es, die sympathischste Fernbus-Marke in Deutschland zu bleiben. Das ist uns bislang sehr gut gelungen. Und wir lassen uns keine Strecke wegnehmen. So haben wir uns auch erfolgreich auf der Linie zwischen Freiburg und München durchgesetzt.

Was war da los?

München-Freiburg war unsere allererste Strecke. Die haben wir im April 2012 mit Sondergenehmigung aufgebaut, als der Markt für Linienbusse auf der Fernstrecke noch gar nicht liberalisiert war. Seit anderthalb Jahren hat der IC Bus der Deutschen Bahn versucht, uns im Zwei-Stunden-Takt und mit Kampfpreisen aus dem Markt zu drängen. Nun zieht sich die Deutsche Bahn wieder zurück. Das ist eine tolle Botschaft für uns.

Aber das zeigt doch, dass der Markt nur über die Preise funktioniert. Selbst wenn Sie die Gewinnschwelle in diesem Jahr erreichen sollten, wie wollen Sie damit langfristig richtig viel Geld verdienen?

Zum einen werden die Preise in der Zukunft auf einigen Strecken leicht steigen. Sie werden aber immer deutlich unter denen der Bahn liegen. Zum anderen sehen wir, dass die Wachstumsgrenze noch lange nicht erreicht ist. 40 Prozent der Deutschen sagen, sie könnten sich vorstellen, Fernbusse zu nutzen. Aber nur sechs Prozent haben es bislang getan. Da ist noch riesig Luft nach oben.

Ihre Konkurrenten erhöhen die Anzahl der Linien ebenfalls…

Die Situation ist vergleichbar mit der der Billigflieger vor zehn Jahren. Damals haben viele gedacht, die Billigflieger würden bald wieder verschwinden oder allenfalls in einer Nische verweilen. Doch wir sind keine Blase. So wie Billigflieger werden auch die Fernbusse weiter wachsen.

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