Messechef Raimund Hosch: Neues Kongresszentrum in Berlin geplant

Messechef Raimund Hosch: Neues Kongresszentrum in Berlin geplant

Bild vergrößern

Das Internationale Congress Centrums ICC und der Funkturm in Berlin - Messechef Hosch sagt zur überfälligen Sanierung der Berliner Messe: "Über das finale Sanierungskonzept ist noch nicht entschieden. Aber wir können während der Sanierungszeit alle Kongresse in der neuen Mehrzweckhalle am Platz der ehemaligen Deutschlandhalle unterbringen."

von Lothar Schnitzler

Die Nachfrage an Ausstellungsfläche ist in der Hauptstadt größer als das Angebot, sagt der Berliner Messechef Raimund Hosch. Im Interview verrät er nun, dass die Berliner Messe gemeinsam mit einem Investor für 2014 ein neues Kongresszentrum plant.

Raimund Hosch, 63, leitet seit 1999 die Berliner Messe. Zuvor war er Geschäftsführer bei der Messe Frankfurt und geschäftsführender Gesellschafter beim Softwareentwickler Steeb, der heute zu SAP gehört. Seit dem Amtsantritt von Hosch stieg der Umsatz der damals notleidenden Messe Berlin um etwa das Doppelte auf 181 Millionen Euro.

WirtschaftsWoche: Herr Hosch, seit Jahren gibt es Streit um Abriss oder Sanierung des Berliner Kongresszentrums ICC. Jetzt droht ein finanzielles Fiasko, weil die Sanierung 328 statt 182 Millionen Euro kosten soll. Ist damit die Entscheidung für den Abriss gefallen?

Anzeige

Hosch: Es gibt keinen Streit um die Sanierung des ICC Berlin. Es gibt unterschiedliche Ansätze und Gutachten, in welchem Umfang eine Sanierung erfolgen muss oder was man mit dem Gebäude machen kann, um es mit einem vertretbaren Aufwand zu betreiben.

Ursprünglich sollte das ICC zwischen 2014 und 2017 saniert werden. Jetzt heißt es, dass der Ersatzbau oder das sanierte ICC erst 2020 fertig wird.

Hosch: Über das finale Sanierungskonzept ist noch nicht entschieden. Aber wir können während der Sanierungszeit alle Kongresse in der neuen Mehrzweckhalle am Platz der ehemaligen Deutschlandhalle unterbringen.

Geben sich die Veranstalter von internationalen Ärztekongressen mit einer Kombihalle zufrieden?

Hosch: Der Begriff Kombihalle trifft nicht das, was wir hier bauen. Am Platz der ehemaligen Deutschlandhalle entsteht eine Mehrzweckhalle, so wie heute moderne Messe- und Kongresszentren gebaut werden. Diese Mehrzweckhalle ist geeignet für Großkongresse mit mehr als 6000 Teilnehmern. Bisher waren alle Kongressveranstalter, die das Modell der neuen Halle gesehen haben, begeistert. Nicht einer hat einen Kongress zurückgezogen.

Aber es fehlt an Einrichtungen für mittelgroße Tagungen in Berlin.

Hosch: Es gibt ja nicht nur das ICC und die neue Halle, sondern eine Vielzahl von Versammlungsstätten. Aber inzwischen ist die Nachfrage in Berlin größer als das Angebot. Deswegen planen wir zum zweiten Halbjahr 2014 zusammen mit einem Investor, zentral in Berlin gelegen, ein Kongresszentrum für Veranstaltungen mit 500 bis 2000 Teilnehmern, also in der Größe exakt unter der ICC-Kapazität.

Übernimmt sich die Messe Berlin damit nicht?

Hosch: Ganz im Gegenteil. Der Investor finanziert das neue Kongresszentrum ergänzend zu einem Hotel, das bereits steht. Wir werden das Zentrum lediglich betreiben, werben die Veranstaltungen ein, kümmern uns um Catering, Technik und Durchführung. Gemeinsam mit dem Investor gründen wir eine Betreibergesellschaft, an der wir die Mehrheit halten. Damit entsteht eine Win-Win-Situation, da der Investor bei steigenden Umsätzen partizipiert.

Können Sie zum Investor und zum Standort etwas mehr sagen?

Hosch: Lassen Sie sich überraschen.

Sie wollen am neuen Flughafen Berlin/Brandenburg ein zweites Messegelände hochziehen. Ist es sinnvoll, zwei Gelände in einer Stadt zu betreiben?

Hosch: Das machen andere Metropolen auch. Zum Beispiel Paris, ebenso London. Wir können auf unserem Stammgelände, wo wir Hallenflächen von 160 000 Quadratmetern betreiben, kaum noch wachsen. Wir nutzen das Gelände am Flughafen schon für die Luftfahrtmesse ILA. Zunächst werden wir drei feste Hallen mit rund 20 000 Quadratmetern bis Mitte des Jahres fertigstellen. In den kommenden fünf Jahren kommen je nach Auslastung weitere Hallen hinzu. Wir bauen keine Luxustempel. Bis zum Start des neuen Messegeländes investieren wir 43 Millionen Euro. In Deutschland plant man für ein Gelände dieser Größenordnung in der Regel 150 Millionen ein.

Sie haben in den vergangenen zehn Jahren den Umsatz Ihrer Messe mehr als verdoppelt. Stoßen Sie nicht an die Decke?

Hosch: Nein. Gerade durch unsere Investitionen sehen wir Potenzial für Wachstum. Eben haben wir ein hervorragendes Jahr mit einem Umsatz von 181 Millionen Euro abgeschlossen. Das sind 14 Prozent mehr als im vergleichbaren Jahr 2009. Und für 2012 planen wir mit den starken zweijährigen Veranstaltungen einen Umsatz von 230 Millionen Euro.

Machen Sie Gewinne? Oder liegen Messe und ICC auf dem Säckel des Steuerbürgers?

Hosch: In den vergangenen drei Jahren haben wir immer positive Ergebnisse im einstelligen Millionenbereich erwirtschaftet. Auch für das Jahr 2012 werden wir plangemäß mit einem deutlich positiven Ergebnis abschließen. Aufgrund der Umsätze 2012 wird der Hauptstadtregion eine Kaufkraft von mehr als zwei Milliarden Euro zugeführt. Und unsere Investitionen von rund 120 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren stemmen wir aus eigener Kraft.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%