MH370: Forscher berechnen neue Absturzstelle

MH370: Forscher berechnen neue Absturzstelle

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Die Kieler Meeresforscher Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo stehen vor einer Darstellung des möglichen Absturzortes von Flug Malaysia Airlines (MH370).

Wo ist die malaysische Boeing mit der Flugnummer MH370 abgestürzt? Kieler Meereswissenschaftler haben ein neues mögliches Gebiet im Indischen Ozean errechnet - etwa 3500 Kilometer von der bisherigen Suchregion entfernt.

Die verschollene malaysische Maschine mit der Flugnummer MH370 ist nach neuen Computer-Berechnungen von Kieler Meeresforschern möglicherweise 3500 Kilometer weiter nördlich als bisher vermutet abgestürzt. Am wahrscheinlichsten sei eine etwa 500 Kilometer mal 500 Kilometer große Absturzregion vor der Südküste der indonesischen Insel Java, erläuterten am Dienstag in Kiel Prof. Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo vom Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.

Die Forscher rechneten Strömungen und die mögliche Drift einer Ende Juli am Strand der Insel La Réunion vor Ostafrika gefundenen Flügelklappe einer Boeing 777 zurück. Sie betonten aber ausdrücklich, ihre bisherigen Daten reichten nicht aus, um der australischen Regierung bereits ein geändertes Suchgebiet zu empfehlen. „Unsere Berechnungen sind ein weiteres Puzzleteil, um das große Rätsel um MH370 zu lösen“, sagte Biastoch.

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Am 8. März 2014 verschwand Flug MH370 von den Radarschirmen - wie vom Erdboden verschluckt. Bisher wird aufgrund von Satellitendaten angenommen, dass das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord auf Höhe des 35. Breitengrades südlich des Äquators ins Meer stürzte - etwa 2000 Kilometer westlich von Australien.

Wie wahrscheinlich sind die MH370-Theorien?

  • Ein Jahr Stochern im Nebel

    Flug MH370 bleibt verschwunden. Niemand weiß, was sich in den letzten Stunden an Bord abgespielt hat. Die Theorien reichen von unglaublich bis absurd.  Ermittler und Experten, Wichtigtuer und Wahrsager bieten ihre Expertise in Sachen MH370 an. Was geschah mit dem Flug der Malaysia Airlines, der am 8. März 2014 mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwand?

    Quelle: dpa

  • Technischer Defekt

    An Bord war zwar eine Ladung mit gut 200 Kilogramm hoch brennbaren Batterien. Ein Brand hätte womöglich die beiden Kommunikationssysteme zerstören können - aber die Piloten hätten zuvor im Cockpit Alarm gehört und über Funk eine Notsituation gemeldet, sagen Piloten. Hätten toxische Dämpfe oder ein Druckabfall Passagiere und Crew bewusstlos gemacht, hätte die Maschine nach dem letzten Radarkontakt nicht zwei abrupte Kursänderungen nehmen können.

  • Entführung durch Terroristen

    Als die Kursänderungen eine Woche nach dem Verschwinden enthüllt wurden, sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak: „Diese Bewegungen deuten auf absichtliches Eingreifen durch jemanden an Bord hin.“ Die Ermittler haben alle Passagiere und Besatzungsmitglieder unter die Lupe genommen. Niemand hatte Terror-Sympathien oder -Verbindungen, auch die beiden Iraner nicht, die mit gefälschten europäischen Pässen an Bord waren. Sie träumten vom besseren Leben in Europa. Keine Terrororganisation hat sich je zu einem Anschlag bekannt.

  • Verwicklungen eines Schurkenstaats

    Kann ein Schurkenstaat dahinterstecken? Das behauptet der Amerikaner Christopher Green in einem auf YouTube populären Video, allerdings ohne jedwede Indizien. Ein Schurkenstaat habe die Maschine gekapert, wolle sie mit Atomwaffen ausstatten und eines Tages auf eine US-Stadt lenken. Der US-Autor Jeff Wise vermutet die Maschine dagegen in russischen Händen und spekuliert wild über abwegige Motive.

  • Machenschaften der Geheimdienste

    Das FBI taucht immer bei Verschwörungstheorien auf: Die USA seien hinter etwas her gewesen, das an Bord war, meint der chinesische Blogger He Xin. Die US-Botschaft in Kuala Lumpur sah sich sogar genötigt zu dementieren, dass das Flugzeug auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean landete. Ex-Airline-Chef und Buchautor Marc Dugain kombiniert diese Theorien zu seiner Version: Hacker manipulierten die Bordcomputer von außen und lenkten die Maschine auf den US-Stützpunkt, vor dem das US-Militär die Maschine abschoss.

  • Abschuss des Fliegers

    Kann die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein? Das behauptet der britische Autor Nigel Cawthorne in einem Buch. Bei einer damals stattfindenden thailändisch-amerikanischen Militärübung im Südchinesischen Meer sei scharfe Munition verwendet worden. Die Geschichte vom stundenlangen Flug in Richtung Süden sei erfunden worden, um sicherzustellen, dass das Wrack an falscher Stelle gesucht und nie gefunden wird. Seriöse Experten zweifeln nicht an den Angaben der Satellitenfirma Inmarsat, die Stunden nach dem Verschwinden Daten von der Maschine auffing.

  • Selbstmord des Piloten

    Hat der Pilot selbst die Maschine ins Verderben gelenkt? Das halten mehrere erfahrene Unfallermittler für die wahrscheinlichste Variante. Sie äußern sich in einer Dokumentation des Senders National Geographic: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Warum würde aber jemand auf Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen?

Die Kieler Wissenschaftler sahen in der Flügelklappe einen Ansatzpunkt. Sie ließen sich von der französischen Forschungseinrichtung Mercator Ocean in Toulouse per Satellit und Messbojen erfasste Tagesdaten zu den Oberflächenströmungen im Indischen Ozean aus den vergangenen 16 Monaten schicken.

Um den Ursprungsort der Flügelklappe in einer Computersimulation zurückverfolgen zu können, setzten die Wissenschaftler fast zwei Millionen virtuelle Partikel an der Fundstelle aus und rechneten in die Vergangenheit. „Daraus habe wir dann einmal pro Monat die wahrscheinlichsten Aufenthaltsorte der Partikel berechnet“, erläuterte Durgadoo.

Die Region im Indischen Ozean, in der 95 Prozent aller virtuellen Partikel auftauchten, ist fast halb so groß wie Australien - und nicht einmal zusammenhängend. Insgesamt aber liegt sie mindestens 1500 Kilometer nördlich vom bisherigen Suchgebiet westlich von Australien. Die einzige Region, in der die letzten Satellitenkontakte der Maschinen und eine Häufung von virtuellen Partikeln übereinstimmen, sei die Meeresregion vor Java, sagten die Wissenschaftler.

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Bei den Berechnungen der Kieler Forscher wurde nur die Oberflächenströmung ausgewertet, Wind und Wellen blieben unberücksichtigt. „Der Wind dürfte keine große Rolle spielen, da das Wrackteil flach an der Oberfläche getrieben sein dürfte“, sagte Biastoch. „Wir werden aber noch weitere Computerberechnungen machen, die dann auch die Wellen mit berücksichtigen. Sollten weitere Wrackteile entdeckt werden, wären deren Fundorte eine sehr große Hilfe, um das tatsächliche Absturzgebiet einzugrenzen“, sagte der Wissenschaftler.

Hilfreich wären auch Computer-Modellberechnungen anderer Forscher. Bisher sei ihm nicht bekannt, dass Ergebnisse solcher zurückgerechneten Strömungen zum vermuteten Wrackteil von Flug MH370 vorlägen.

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