Milliardenschwere Start-ups: "Unicorns vermehren sich wie Karnickel"

Milliardenschwere Start-ups: "Unicorns vermehren sich wie Karnickel"

von Matthias Hohensee

Das globale Wachstumskapital ist auf Rekordkurs, vor allem in den USA und Asien. Europa rutscht dagegen ab. Deutsche Gründer werden nur spärlich bedacht. Obwohl der derzeit aktivste Investor in Deutschland sitzt.

Das Wachstumskapital für Jungunternehmen fließt so reichlich wie seit der Dot.com-Pleite nicht mehr. Eine aktuelle Studie des auf Wachstumskapital spezialisierten Marktforschungsunternehmen CB Insights und dem Wirtschaftsprüfer KPMG sieht bereits die 100-Milliarden-Dollar-Marke für 2015.

"Im vergangenen Jahr wurden weltweit 88,3 Milliarden Dollar Wachstumskapital investiert", sagt CB Insights-Chef Anand Sanwal. "Nun wurden bereits im ersten Halbjahr fast 60 Milliarden Dollar ausgeben." 

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Doch das Geld ist ungleich verteilt: Es wird in immer weniger Unternehmen gesteckt, die dafür umso höhere Bewertungen erzielen. In diesem Jahr gab es bereits über 100 Runden, die mindestens 100 Millionen Dollar schwer waren, davon allein 61 im zweiten Quartal.

Sogenannte Unicorns – Start-ups, die mindestens eine Milliarde Dollar wert sind - sind schon lange keine Ausnahme mehr. "Die Unicorns vermehren sich wie die Karnickel", scherzt Sanwal. Weltweit gibt es über 100. Im zweiten Quartal kamen 24 neue hinzu. Wegen dieser Fülle ist bereits eine neue Superbrut entstanden, die sogenannten Decacorns, also Jungunternehmen, die ihren Geldgebern mindestens zehn Milliarden Dollar wert sind. Zu ihnen zählen die Bettenbörse Airbnb, der Logistikdienstleister Uber und seit neuestem der Bürovermieter Wework.

Auch weltweit ist das Geld ungleich verteilt. Der Löwenanteil fließt noch immer in die USA. CB Insights erwartet, dass in diesem Jahr 70 Milliarden Dollar Wachstumskapital in US-Unternehmen gesteckt werden, nach 56,4 Milliarden Dollar in 2014.

Eine beeindruckende Summe. Aber noch weit entfernt von der Rekordsumme aus dem Jahr 2000 mit 100 Milliarden Dollar, in heutigen Dollars rund 138 Milliarden. 

Auf Platz zwei liegt Asien, das Europa wegen seinen Wachstumsmärkten in China und Indien immer stärker abhängt. In den letzten fünf Quartalen wurden 33,5 Milliarden Dollar investiert. In Europa hingegen im gleichen Zeitraum nur knapp 13 Milliarden Dollar.

Während der Marktführer USA im zweiten Quartal 19 Milliarden Dollar einheimste, musste sich der alte Kontinent mit drei Milliarden Dollar begnügen. Davon entfielen ein Drittel auf nur zwei Unternehmen -  den Musikstreaming-Anbieter Spotify mit 526 Millionen Dollar und den Internet-Provider neWeb mit 500 Millionen Dollar.

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Der bedeutendste europäische Markt ist weiterhin Großbritannien, das ein Drittel aller Deals an Land zieht. Deutschland rutschte im zweiten Quartal ab. Nach beachtlichen 1,2 Milliarden Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres fiel die Summe auf 401 Millionen Dollar. Davon gingen 110 Millionen Dollar an die Lieferdienste Delivery Hero und 100 Millionen Dollar an Foodpanda. Der attraktivste Standort für Jungunternehmen bleibt Berlin mit 23 Finanzierungen für insgesamt 300 Millionen Dollar im zweiten Quartal, gefolgt mit weitem Abstand von München (vier Finanzierungen mit 48,5 Millionen Dollar) und Frankfurt (vier Finanzierungen mit 8,2 Millionen Dollar).

Zumindest ein Superlativ bleibt den Deutschen: Der High-Tech Gründerfonds aus Bonn, der vom Staat und der Industrie finanziert wird, ist derzeit der aktivste Investor in Europa. Einen Vorteil hat Europa. Zwar steigen auch hier die Bewertungen. Doch sie sind bescheiden im Vergleich zu den USA und Asien. "Besonders US- Wagnisfinanzierer haben deshalb ihre Aktivitäten in Europa verstärkt", weiß Sanwal. Das könnte auch andere ausländische Geldgeber ermuntern, es ihnen gleich zu tun.

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