Bieterfrist für Air Berlin beendet: Lufthansa gibt Angebot ab

Mindestens fünf Kaufangebote: Wer Air Berlin wirklich haben will

, aktualisiert 15. September 2017, 17:15 Uhr
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Die Bieterfrist für Air Berlin ist planmäßig beendet worden

Die Investoren haben gesprochen, jetzt sind die Gläubiger dran. Mehrere Bieter - darunter die Lufthansa - haben ihre Angebote für die insolvente Air Berlin eingereicht. Mindestens einer bittet aber um Aufschub.

Im Rennen um die insolvente Air Berlin ist die erste Etappe beendet. Bis zum Fristende am Freitag gingen mindestens fünf Angebote für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ein. Bieter für Teile der Airline sind die Lufthansa, Easyjet, Niki Lauda gemeinsam mit Condor sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Der Unternehmer Utz Claassen bietet für die ganze Fluggesellschaft.

Air Berlin sprach am Freitag nur von „mehreren“ Bietern und nannte keine Namen. „Das rege Investoreninteresse spricht für Air Berlin“, teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Ein Angebot hatte auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl angekündigt. Ob er tatsächlich zu den Bietern zählt, war am Freitag zunächst nicht zu erfahren.

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„Wir werden nun bei der Prüfung der Angebote darauf achten, die bestmöglichen Lösungen für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu erreichen“, kündigte Winkelmann an. „Unser Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen.“ Die Gläubiger sollen am 21. September beraten, vier Tage später soll der Aufsichtsrat über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft sowie ihrer mehr als 8000 Beschäftigten entscheiden.

Countdown für Air Berlin

  • 15. September

    Offizielles Ende der Frist für Angebot. Der chinesische Unternehmer Jonathan Pang bat allerdings um Aufschub.

    Danach: Auswertung der eingegangenen Angebote durch die Sanierer

  • 21. September

    Sitzung des Gläubigerausschusses mit Beratung der vorliegenden Angebote

  • 25. September

    Aufsichtsratssitzung von Air Berlin, anschließend Bekanntgabe der Ergebnisse

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte es als verantwortungslos, dass die Entscheidung nun erst am Tag nach der Bundestagswahl fallen soll. Bis vor Kurzem hatte Air Berlin Lösungen im Gläubigerausschuss für den 21. September angekündigt. Verdi vermutet, dass schlechte Nachrichten vor dem Wahltermin vermieden werden sollen - zum Beispiel, dass ein Kredit des Bundes für die Airline nicht zurückgezahlt werden könne oder dass mögliche Käufer die Beschäftigten nicht übernähmen.

In den vergangenen Wochen war öffentlich gut ein halbes Dutzend Interessenten gehandelt geworden. Lufthansa und Niki Lauda bestätigten am Freitag, dass sie zu den Bietern zählen, nannten aber keine Details. Beide interessieren sich für Teile der Fluggesellschaft, darunter die Tochter Niki. Lauda hatte am Donnerstag 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Easyjet teilte mit, Teile des Kurzstreckenangebots übernehmen zu wollen.

Air Berlin vor Ende der Bieterfrist „Alle Bekloppten haben sich gemeldet“

Auch wenn Air Berlin die Probleme erdrücken, stehen die Investoren Schlange. Nachdem sich Lufthansa lange als Sieger fühlen konnte, ist das Rennen jetzt wieder spannend. Die wichtigsten Bieter und ihre Chancen.

Wer geht bei Air Berlin an Board? Quelle: dpa

Der frühere EnBW-Chef Claassen bietet gemeinsam mit weiteren Investoren 100 Millionen Euro für die komplette Air Berlin und will bis zu 600 Millionen Euro in die Airline stecken. Entsprechende Informationen des „Handelsblatts“ wurden in Verhandlungskreisen bestätigt.

Zeitfracht hat es auf die Tochter Leisure Cargo abgesehen, die Frachtraum anderer Airlines vermarktet. Zudem will der Berliner Mittelständler Regionalflugzeuge und die Air-Berlin-Technik übernehmen. Damit würden rund 1000 Air-Berlin-Arbeitsplätze gesichert, heißt es in einem Brief an die Zeitfracht-Mitarbeiter vom Freitag.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Unternehmer ihre Absicht bekundet, auf die Airline zu bieten. Nicht jede Offerte hat dabei gute Chancen. Manche, so ist aus unternehmensnahen Kreisen zu hören, sei gerad zu absurd. Alle Bekloppten haben sich gemeldet“, klagte ein frustrierter Insider vor Ablauf der Frist.

Vertragsunterlagen müssen übersetzt werden

Der Geschäftsführer der chinesischen Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, Jonathan Pang, bat um Zeit für ein Angebot bis zum 22. September. Ein Air-Berlin-Sprecher sagte dazu jedoch: „Es gelten für alle die gleichen Regeln.“

LinkGlobal Wie Herr Pang die Air-Berlin-Verhandlungen aufmischt

Das chinesische Unternehmen LinkGlobal interessiert sich für die insolvente Air Berlin. Doch der Plan des Chefs Jonathan Pang erntet Skepsis – in der Branche und in der Kleinstadt Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.

Die chinesische Fahne weht auf dem Flugplatz Parchim. Quelle: dpa

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad weitere Finanzspritzen für die defizitäre Airline ausgeschlossen hatte. Air Berlin betont stets, den Verkauf möglichst schnell abschließen zu wollen. Denn der Flugbetrieb wird nur noch durch den Kredit des Bundes aufrecht erhalten, der bis zu 150 Millionen Euro umfasst.

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