Mitwohn-Portal: Airbnb hat Ärger mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt

Mitwohn-Portal: Airbnb hat Ärger mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt

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Statt in Hotels übernachten viele Reisende in über Airbnb gemieteten Privat-Wohnungen.

von Hans-Jürgen Klesse

Touristen lieben es, Hotels und Behörden beobachten das Wohnraum-Vermittlungsportal Airbnb mit Argusaugen. In New York droht jetzt juristischer Ärger: 72 Prozent der Angebote sollen gesetzeswidrig sein.

Touristen mit begrenztem Budget, Familien und Kleingruppen oder Reisende, die keine Lust mehr auf überteuerte und eintönig eingerichtete Kettenhotels mit häufig miesem Service haben, sind die Zielgruppe von Airbnb. Das 2008 im Silicon Valley gegründete Portal vermittelt heute Privatunterkünfte in mehr als 26 000 Städten in 192 Ländern rund um den Globus – vom einfachen Gästezimmer Schlafcouch, Badbenutzung und Familienanschluss bis zum luxuriösen Dachterassen-Appartement.

Schon in den ersten vier Jahren nach Gründung wurden mehr als zehn Millionen Übernachtungen vermittelt. Für Anbieter wie Kunden ist das Prinzip einfach: Gebucht wird im Internet, gezahlt wird per Kreditkarte an Airbnb. Die leiten das Geld erst 24 Stunden nach Anreise an den Gastgeber weiter, damit genug Zeit bleibt, eventuell vorhandene Beschwerden vorzubringen. Die Listung ist für den Anbieter kostenlos, vom vermittelten Umsatz behält Airbnb eine Art Provision zwischen sechs und zwölf Prozent je nach Preis und zusätzlich noch einmal drei Prozent vom Kunden.

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Traditionelle Anbieter unter Druck

Was von den einen als Errungenschaft der noch jungen Sharing Economy gefeiert wird – also der Wirtschaft des Teilens –, bei der Menschen in der Welt herumkommen, die sich das sonst kaum leisten könnten, Wohnungsinhaber sich ein kleines Taschengeld nebenbei verdienen und beide gemeinsam kulturelle Schranken zwischen den Völkern der Welt überwinden helfen, ist anderen ein Dorn im Auge. Meist, weil die neuen Angebote traditionelle Anbieter unter Druck setzt: das Wohnraumportal Airbnb und deren Nachahmer wie 9flats die Hotellerie, der Internet-Fahrdienstvermittler Uber die Taxi-Branche.

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Doch mittlerweile werden die Vermittlungsportale auch von den Behörden genau unter die Lupe genommen, weil ihr Angebot vielerorts gegen Gesetze und Vorschriften verstößt. In Berlin, der deutschen Stadt mit dem größten Airbnb-Angebot, kam heraus, dass ein großer Teil (wenn nicht sogar die Mehrzahl) der angebotenen Unterkünfte gegen das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum verstößt.

Mit anderen Worten: Hier teilt niemand für begrenzte Zeit seine Behausung mit einem Gast, statt dessen werden die häufig billig gemieteten Wohnungen komplett und an 365 Tagen im Jahr für teures Geld untervermietet. Die Folge: Die so zweckentfremdeten Wohnungen stehen nicht mehr lokalen Vermietungsmarkt zur Verfügung und treiben die Mieten für Normalbürger weiter in die Höhe.

Im Visier der Staatsanwaltschaft

Hinzu kommt, dass die angebotenen Wohnungen oder Appartements zum Teil gegen die – meist wesentlich schärferen – technischen Vorschriften etwa zum Brandschutz verstoßen. Last-but-least muss davon ausgegangen werden, dass die Vermieter in vielen Fällen auch noch gegen Steuergesetze verstoßen, weil sie ihre Einnahmen nicht deklarieren. In Berlin laufen mittlerweile eine ganze Reihe von Verfahren.

Auch in New York ist Airbnb jetzt ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten – aus ganz ähnlichen Gründen wie in Berlin. 72 Prozent der Angebote seien illegal, hat Eric T. Schneidermann, der Generalstaatsanwalt der Stadt, in einem jetzt vorgelegten Bericht moniert. Gleichzeitig kündigte er Ermittlungen und harte Schritte gegen die Schwarzhotellerie an – wegen Zweckentfremdung von Wohnraum, wegen Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften und gegen das Steuerrecht.

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Was Schneidermanns Behörde herausgefunden hat: Auch am Hudson machen vor allem kommerzielle Anbieter den großen Reibach: Sharing Economy? Fehlanzeige! Die auf den Daten von fast 500 000 privaten Übernachtungen in gut 35 000 angeblichen Privatquartieren basierenden Erkenntnisse zeigen zum Beispiel, dass rund 37 Prozent der Umsätze auf nur sechs Prozent der Vermieter entfallen. Die sechs Prozent der Vermieter wiederum halten zwischen drei und 272 Unterkünfte und haben dafür von ihren Gästen im Schnitt sage und schreibe 358 Dollar kassiert.

Was nicht weiter verwundert, wenn man sich anschaut, was Schneidermann über die Verteilung des Angebots über die Stadtteile New Yorks herausgefunden hat. 40 Prozent der Unterkünfte werden nämlich in Lower East Side/Chinatown, Chelsea/Hell’s Kitchen und Greenwich Village/SoHo angeboten, also den teuersten Wohngegenden New Yorks. In den billigeren Quartieren wie Queens, Bronx und Staten Island sucht man Airbnb-Angebote dagegen vergeblich.

Womit sich auch das Argument, die Portale würden das kommerzielle Angebot der örtlichen Hotellerie preislich nach unten hin erweitern und damit für ein größeren Low-Budget-Angebot sorgen, ad absurdum geführt wird.

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