InterviewMotel One-Chef Müller: Der König der Billigbetten

17. Januar 2013
Dieter Müller, Gründer der Hotelkette Motel One, erklärt im Interview mit der WirtschaftsWoche, wieso trotz Krise der Low-Budget-Hotelmarkt weiter boomt. Quelle: PresseBild vergrößern
Dieter Müller, Gründer der Hotelkette Motel One, erklärt im Interview mit der WirtschaftsWoche, wieso trotz Krise der Low-Budget-Hotelmarkt weiter boomt. Quelle: Presse
von Hans-Jürgen Klesse

Dieter Müller, der Gründer der deutschen Low-Budget-Hotelkette Motel One, expandiert weiter - trotz drohendem Überangebot im In- und Ausland.

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WirtschaftsWoche: Herr Müller, die Euro-Krise ist immer noch ungelöst, jetzt droht auch noch ein Konjunkturabschwung in weiten Teilen Europas. Wie laufen die Geschäfte bei Ihnen?

Dieter Müller: Wir haben keinen Grund zur Klage. Im Gegenteil, für uns ist das Jahr 2012 sehr gut gelaufen. Die durchschnittliche Auslastung unserer Hotels ist um zwei Punkte auf 72 Prozent gestiegen, der Umsatz um gut ein Viertel auf 170 Millionen Euro und das Ergebnis vor Steuern sogar um 50 Prozent auf etwa 35 Millionen Euro. Zudem haben wir rund 75 Millionen Euro in neue Hotels und die Renovierung bestehender Häuser investiert.

Aber 2013 wird auch für Motel One schwieriger?

Nein, das glaube ich nicht. 2013 wird sicher spannend, aber ein Krisenjahr erwarten wir nicht. Bei der letzten Wirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite 2009 haben wir erste Erfahrungen gemacht, und unser Konzept zeigte sich recht krisenresistent. Zudem haben sich seither auch die Rahmenbedingungen zu unseren Gunsten geändert.

Inwiefern?

Viele Unternehmen haben angesichts der konjunkturellen Probleme ihre Reiserichtlinien neu gefasst. Rund 70 Prozent unserer Gäste sind Geschäftsreisende. Wenn die Firmen jetzt stärker auf ihre Kosten achten als früher, kommt uns das zugute, weil die Nachfrage sich zugunsten des Low-Budget-Segments, also den preiswerteren Hotels, verschiebt.

Motel One ist also ein typischer Krisengewinner?

Entwicklung der deutschen Hotellerie (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)
Entwicklung der deutschen Hotellerie (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Ich würde es lieber so formulieren, dass unser Preisniveau und die attraktiven Standorte in den Innenstädten ein guter Schutzschild gegen Krisen sind. Zugleich bieten wirtschaftlich schwierige Zeiten auch neue Chancen. Zum Beispiel steigen die Immobilienpreise nicht mehr so schnell. Wenn man die finanziellen Mittel hat, um antizyklisch investieren zu können, ergeben sich im Abschwung günstige Gelegenheiten.

Preisentwicklung bei Wohnimmobilien seit der Eurokrise

  • Berlin

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1899 Euro*
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 24 Prozent

    * Kriterien: Durchschnittsimmobilie, 30 Jahre alt, gepflegter Zustand

  • Bremen

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1180 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 10 Prozent

  • Dortmund

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1252 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 1 Prozent

  • Dresden

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1692 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 19 Prozent

  • Düsseldorf

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2237 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 21 Prozent

  • Erfurt

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1718 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 15 Prozent

  • Essen

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1243 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 0 Prozent

  • Frankfurt

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2427 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 17 Prozent

  • Freiburg

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2625 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 28 Prozent

  • Hamburg

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2464 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 30 Prozent

  • Hannover

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1479 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 16 Prozent

  • Kiel

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1506 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 16 Prozent

  • Köln

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1994 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 17 Prozent

  • Leipzig

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1426 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 7 Prozent

  • Magdeburg

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 889 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 8 Prozent

  • Mainz

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1805 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 8 Prozent

  • Mannheim

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1788 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 13 Prozent

  • München

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 3692 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 33 Prozent

  • Nürnberg

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1827 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 22 Prozent

  • Stuttgart

    Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2346 Euro
    Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 15 Prozent

In Deutschland haben Sie es doch aber eher mit steigenden Immobilienpreisen zu tun.

Ja, wir stehen bei Grundstücksakquisitionen im Wettbewerb zu dem boomenden Wohnungsmarkt und haben daher nur Chancen, wenn in den Bebauungsplänen auch ein Gewerbeanteil ausgewiesen ist. Anders ist die Entwicklung zum Beispiel in etlichen Städten Großbritanniens. Wir haben das genutzt und gerade ein erstes Haus in Edinburgh eröffnet, ein zweites folgt in diesem Jahr, 2014 und 2015 gehen zwei Hotels in London und je eines in Manchester und Newcastle an den Start.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 18.01.2013, 14:22 UhrEin_Hamburger_in_Berlin

    Billighotel? - Nein: Preiswerthotel. Müller hat recht - auf den ganzen Schnickschnack kann man verzichten. Riesenzimmer, Minibar, Schwimmbad, Restaurant - das alles brauche ich nicht, weder als Geschäftsreisender noch als (Wochenend-)Urlauber. Wichtig sind: Sauberkeit, gute Betten, anständiges Badezimmer, verlässlicher Fernseher, schnelles WLAN und auf Wunsch ein ruhiges Nichtraucherzimmer - in zentraler Lage. Das alles hat z.B. das MotelOne am Alex in Berlin. Dazu für € 7,50 ein Frühstück, das in etwa dem häuslichen Umfang entspricht - kein Champagner aber dafür auch keine Micrometer-Gläser für den Orangensaft.

  • 18.01.2013, 08:56 Uhrsons_of_liberty

    ... und die Zimmerdamen verdienen wahrscheinlich mit geschönten Werkverträgen 4,50 die Stunde und dürfen dann zum Amt tippeln um nen Zuschuss zu beantragen für ne Vollzeit-Stelle.

    Billig. Will ich!

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