M&A-Markt: Die Rückkehr der Mammut-Deals

M&A-Markt: Die Rückkehr der Mammut-Deals

von Mark Fehr

Unternehmen kaufen und fusionieren so oft wie nie seit der Finanzkrise. Hält der Boom am M&A-Markt auch 2015 an? Wir haben uns umgehört.

Das beratungsintensive und teure Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (mergers and acquisition, kurz M&A) großer Unternehmen floriert wieder fast wie zu Zeiten vor der Finanzkrise. Im vergangenen Jahr hat Deutschland den stärksten M&A-Markt seit der Lehman-Pleite erlebt, zeigt der vierteljährlich erscheinende Index der Anwaltskanzlei Allen & Overy.

Beflügelt von lockerer Finanzierung dank expansiver Geldpolitik der Zentralbanken waren auch Megadeals im Milliardenvolumen zu beobachten. Der weltweite M&A-Index des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW und des Wirtschaftsdatenspezialisten Bureau van Dijk befindet sich bereinigt ebenfalls auf dem höchsten Stand seit Oktober 2008.

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So kaufte der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck für mehr als 13 Milliarden Euro den Laborausrüster Sigma-Aldrich, während der Konkurrent Bayer für über 14 Milliarden Dollar den Geschäftsbereich rezeptfreier Medikamente von Merck & Co. aus den USA übernahm. Der Technologiekonzern Siemens hingegen verkaufte für drei Milliarden Euro seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen BSH Bosch und Siemens Hausgeräte an den Joint-Venture-Partner Bosch.

In die oberste Gewichtsklasse gehört auch der angekündigte Zusammenschluss der beiden Immobilienriesen Deutsche Annington und Gagfah, die Mietwohnungen im Volumen von zusammengezählt 21 Milliarden Euro verwalten. Dickster Deal in Europa war der im April 2014 angekündigte Zusammenschluss der beiden Zementmischer Holcim und Lafarge im Volumen von fast 26 Milliarden Dollar (siehe unten).

Die zehn größten M&A-Deals in Europa 2014

  • 8,7 Milliarden Dollar

    Volumen: 8,7 Milliarden Dollar
    Käufer: Aviva
    Ziel: Friends Life Group
    Branche: Versicherungen

    Quelle: Thomson Reuters, Accenture

  • 9,1 Milliarden Dollar

    Volumen: 9,1 Milliarden Dollar
    Käufer: Volkswagen
    Ziel: Scania
    Branche: Automobil

  • 9,2 Milliarden Dollar

    Volumen: 9,2 Milliarden Dollar
    Käufer: Altice Portugal
    Ziel: Oi SA-PT Portugal Assets
    Branche: Telekommunikation

  • 10,0 Milliarden Dollar

    Volumen: 10,0 Milliarden Dollar
    Käufer: Vodafone Europe
    Ziel: Grupo Corporative ONO
    Branche: Telekommunikation

  • 12,5 Milliarden Dollar

    Volumen: 12,5 Milliarden Dollar
    Käufer: ZF Friedrichshafen
    Ziel: TRW Automotive
    Branche: Automobil

  • 14,2 Milliarden Dollar

    Volumen: 14,2 Milliarden Dollar
    Käufer: Bayer
    Ziel: Merck, Konsumentengeschäft
    Branche: Pharma

  • 16,0 Milliarden Dollar

    Volumen: 16,0 Milliarden Dollar
    Käufer: Novartis
    Ziel: GlaxoSmithKline, Onkologie
    Branche: Pharma

  • 16,9 Milliarden Dollar

    Volumen: 16,9 Milliarden Dollar
    Käufer: Merck
    Ziel: Sigma-Aldrich
    Branche: Chemie

  • 23,1 Milliarden Dollar

    Volumen: 23,1 Milliarden Dollar
    Käufer: Numericable Group
    Ziel: SFR
    Branche: Telekommunikation

  • 25,9 Milliarden Dollar

    Volumen: 25,9 Milliarden Dollar
    Käufer: Holcim
    Ziel: Lafarge
    Branche: Baustoffe

Wie geht es im frisch angelaufenen Jahr 2015 weiter? „Nach einem signifikanten Anstieg des Dealvolumens 2014 und sogar einer Verdopplung der Volumina für Deutschland stehen die Zeichen am internationalen M&A-Markt auch für 2015 positiv“, sagt Sven Wahle, der bei der Unternehmensberatung Accenture für das M&A-Geschäft sowie Carve Outs in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich ist. Mit Carve Outs bezeichnet der Branchenjargon Veräußerungen ganzer Geschäftsbereiche durch diversifizierte Konzerne, die sich auf diesem Weg von Randaktivitäten trennen.

Prominente Carve Outs gingen jüngst in Form der Abtrennung des Chemiegeschäfts von Bayer über die Bühne oder beim Verkauf der kriselnden Lichtsparte des niederländischen Elektronikkonzerns Philips. Im laufenden Jahr sind laut Accenture-Experte Wahle etwa bei Banken in Europa zahlreiche Konsolidierungen zu erwarten. Auch aus der stark fragmentierten Telekommunikationsbranche könne sich weiteres Deal-Volumen ergeben.

„Der Umbau des Energiesektors und die Überarbeitung der Geschäftsmodelle der Branche dürften ebenfalls zahlreiche Fusionen und Übernahmen nach sich ziehen“, erwartet Wahle. Den Anfang hat bereits der Energieriese E.On mit seiner Ende 2014 überraschend angekündigten Aufspaltung gemacht.

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